Anker der Identität – Bergbau und Industrie


Das Bergwerk Reden in Landsweiler-Reden
Die Tagesanlagen der Grube Warndt in Karlsbrunn
Die Anlage Nordschacht des Bergwerks Saar in Lebach-Falscheid
Die Schachtanlage Duhamel in Ensdorf
Die Tagesanlagen der Grube Velsen im Rosseltal
Die Ostschachtanlage in Friedrichsthal
Der Förderturm Camphausen IV
Das Fördergerüst Göttelborn IV
Die Grubensiedlung Maybach
Die Bergarbeitersiedlung Von der Heydt
Die Saarbrücker Bergwerksdirektion
Die Königliche Saarbrücker Bergschule
Die ehemalige Quierschieder Knappschaftsklinik
Der Rechtsschutzsaal in Bildstock
Die Halde Lydia der Grube Camphausen
Das Pumpenhaus im Itzenplitzer Weiher
Pingen, Schürfe und Hohlwege bei Heiligenwald
Der Brennende Berg

Geislautern – ehemaliges Innovationszentrum des Montanwesens
Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Die Spitzkegelhalden „Hermann und Dorothea“ bei Hostenbach
Die „Alte Schmelz“ in St. Ingbert
Das Schloss Halberg
Die Dillinger Hütte
Der Sudturm der Brauerei Becker

 



Das Bergwerk Reden in Landsweiler-Reden

Bereits ab dem 15. Jahrhundert wurde im Schiffweiler Raum nachweislich nach Steinkohlen gegraben. Der Bergbau im großindustriellen Maßstab setzte in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Der preußische Staatsminister Friedrich Wilhelm Graf von Reden (1752–1814) wurde namensgebend für die 1847 im „Grubenwald“ angehauene Schachtanlage, die sich in der Folgezeit auch aufgrund ihrer Anbindung an die 1852 eröffnete „Saarbrücker Eisenbahn“ glänzend entwickelte. In den Jahren 1850, 1856, 1887 und 1914 wurden leistungsfähige Tiefbauschächte niedergebracht. Entsprechend wuchsen die Tagesanlagen und bald überzog ein „Wald“ von Fördergerüsten die Anlagenteile dieser „Eisenbahngrube“. Ende 1995 wurden aus Schacht Reden V die letzten Kohlen gehoben.

RedenNoch heute ist die Silhouette der Reden-Grube beeindruckend. Die Fördergerüste über den Schächten IV und V, 1939 bzw. 1949 aufgestellt, zählen zu den höchsten und frühesten Eisenarchitekturen in Vollwandbauweise im Saarbergbau. Wahrzeichen der Redener Tagesanlagen ist das Zechenhaus, dessen Errichtung im Zusammenhang mit der Umstrukturierung der Grube zu einer Großförderanlage im Rahmen der Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches zu sehen ist. Hermann Göring hatte bei seinem Propaganda-Besuch auf Reden im November 1935 dieses Vorhaben angekündigt.

In der Folge investierte die Saargruben AG unter anderem auch in den Neubau eines repräsentativen Zechenhauses mit Bädern, Lampenstube, Steigerstuben, Lohnhalle, Magazin, Verbandsstuben und Markenkontrolle. Der am 10.07.1938 eingeweihte Bau besteht aus rot-braunen Birkenfelder Klinkern. Symmetrien und rechte Winkel prägen sein Erscheinungsbild. Besonderer Blickfang ist das von Pfeilern unterteilte Eingangsportal. Eine zusätzliche Überhöhung erhält die Architektur durch die überlebensgroße Skulptur des „Saarbergmannes“, die aus der Werkstatt des Bildhauers Fritz Koelle (1895–1953) stammt. Das Redener Zechenhaus ist im Denkmälerbestand des Saarbergbaus das einzige Beispiel eines Großbaus aus den 1930er-Jahren. Es muss in seiner für die Jahre des Dritten Reiches charakteristischen Monumentalarchitektur als herausragendes Dokument seiner Zeit bewertet und behandelt werden.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Delf Slotta

Weiterführende Literatur:
DITTMANN, Marlen (2004): Die Baukultur im Saarland 1904–1945. Saarbrücken. (= Saarland-Hefte 3). zum Online-Shop
GEMEINDE SCHIFFWEILER (Hrsg.) (2003): Bergbau in Schiffweiler. Schiffweiler.
GEMEINDE SCHIFFWEILER / SLOTTA, Delf (2000): Schiffweiler Bergbauwege. Informationsbroschüre. Schiffweiler.

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Die Tagesanlagen der Grube Warndt in Karlsbrunn

Die bei Karlsbrunn gelegene Schachtanlage Warndt ist das jüngste Steinkohlenbergwerk im Saarrevier. Die Arbeiten an der neuen Grube begannen am 14. März 1958. Bei der Planung der Tagesanlage galt es, eine Reihe von Grundsätzen und besonderen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Eine der grundsätzlichen Forderungen war die Schaffung einer übersichtlichen und in sich geschlossenen Anlage. Ein besonderes Augenmerk wurde auf eine zweckmäßige Anordnung der Gebäude gerichtet. Außerdem galt es, unter Beachtung späterer betrieblicher und technischer Entwicklungen Erweiterungsmöglichkeiten mit einzuplanen. Auch der architektonischen Gestaltung – ästhetisch ansprechend und gleichzeitig zweckmäßig – wurde ein hoher Stellenwert beigemessen. Eine bestimmte Anordnung der Tagesbauten war zudem durch spezifische Gegebenheiten bedingt. Der Standort des Förderturmes und die Lage der Schachtachse wurden durch den Standort des Schachtes und der untertägigen Grubenbaue bestimmt. Die Lage des Grubenbahnhofs hatte sich an der Trassenführung des Bundesbahnanschlussgleises „Großrosseln – Warndtschacht“, an der Lage des Schachtes und an den Geländeverhältnissen zu orientieren.

Warndt 1 Slotta kleinWarndt 2 Slotta kleinKernbau auf der rund 32 ha großen Betriebsfläche ist der markante Förderturm mit seinen Einbauten. Am 20. Juli 1960 wurde mit dem Bau des 69,70 m hohen Stahlbetonbaues durch die Mannheimer Firma Philipp Holzmann begonnen. Die Grundfläche des Bauwerks beträgt rund 17 m zu 27 m, sein umbauter Raum rund 32.000 Kubikmeter. Die ca. 13.000 tschwere Gesamtlast des Turmes – Eigengewicht einschließlich der Aggregate und Geräte – wurde durch vier einzeln stehende Gründungskörper auf den Baugrund übertragen. Von der Rasenhängebank an wurde der Turm als kastenförmiges Scheibentragwerk ausgeführt. Für den Förderturm waren 5.000 Kubikmeter Beton, 450 t Rundstahl und 80 Baustahlgewebe erforderlich. Die Bauzeit am Wahrzeichen des Bergwerks Warndt betrug nahezu ein Jahr.

Warndt 3 und 4 Slotta kleinDie Zufahrt von der Landstraße Ludweiler – Karlsbrunn erfolgte im östlichen Teil des Betriebsgeländes. Links von der Straße liegt die 65-kV-Freiluft-Schaltanlage, rechts davon das Pförtnerhaus mit Kaffeeküche, Telefonzentrale und Büroräumen. Folgt man dem Weg des Bergmanns bei der Anfahrt, so erreichte man als nächstes Gebäude die Waschkaue. Im Bad waren für rund 3.900 Bergleute Kleideraufzüge installiert sowie entsprechende Duschen und Bademöglichkeiten erstellt worden. Über einen zweigeschossigen Verbindungsgang gelangte man in das Zechenhaus. Im Erdgeschoss befindet sich der Zechensaal. Um diesen herum sind die Betriebsbüros und andere Räume angeordnet. Die Bergleute gelangten über eine breite Treppe in den Flur des 1. Obergeschosses und anschließend über eine geschlossene Brücke zur Lampenkaue und weiter zum Förderturm. Im 1. und 2. Obergeschoss des Zechenhauses waren weitere Betriebs- und Verwaltungsräume sowie die Markscheiderei untergebracht.

Die Lampenstube selbst befand sich im Anbauteil des Magazins. Sie bot Raum für etwa 4.500 Lampen und CO-Selbstretter. Der über 100 m lange Magazinbau wurde als Flachbau errichtet und hat an beiden Längsseiten für den An- und Abtransport der Materialien überdachte Verladerampen. Das Werkstattgebäude schließlich wurde nordwestlich neben dem Förderturm in der Längsachse des Magazins errichtet. Auch dieses Gebäude, dessen Sichtflächen mit Birkenfelder Klinker verblendet sind, ist als Stahlbetonskelettbau aufgeführt worden. Dieselbe Bauweise hat man auch für die Gebäude des Pförtnerhauses, des Zechenhauses und des Magazins angewendet. Die gewaltige Aufbereitung war für eine Durchsatzleistung von ca. 600 Tonnen pro Stunde erbaut, zwischenzeitlich auf eine Leistung von 1.280 Tonnen pro Stunde erweitert worden und lag über dem Grubenbahnhof. Sie ist zwischenzeitlich abgerissen worden.

Warndt 5 Slotta kleinWarndt 6 Slotta kleinDie Tagesanlagen der Grube Warndt sind seit ihrer Entstehung – abgesehen vom Baukörper der verloren gegangenen Kohlenwäsche – kaum verändert worden. In den Tagesanlagen der Grube Warndt manifestiert sich der Wille, die Lagerstätte im Warndt neu aufzuschließen. Dieser Wille hat in der einheitlichen Gestaltung der Tagesanlagen seinen Niederschlag gefunden. Im Saarbergbau ist kein zweites ähnlich einheitlich gestaltetes Ensemble einer großzügig angelegten Architektur mit großdimensionierten Baukuben erhalten geblieben. Deshalb müssen die Gebäude der Warndt-Schachtanlage als wichtige und wertvolle technische Zeugnisse der Zeitepoche um 1960 bewertet werden, die für das Saarland von besonderer Bedeutung sind. Neben dieser eher regionalen Bedeutung tritt die Schachtanlage Warndt auch auf nationaler Ebene in die Reihe der wenigen vollständigen Neugründungen von Bergwerksanlagen in der Bundesrepublik Deutschland. Insofern besitzt man im Bergwerk Warndt eine wichtige Gebäudeeinheit, die die Wirtschafts- und Technikentwicklung im Bergbau in besonders eindringlicher Weise dokumentiert.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Delf Slotta

Weiterführende Literatur:
DEUTSCHE STEINKOHLE AG (Hrsg.) (2003): Bergwerk Warndt/Luisenthal – 40 Jahre Grube Warndt. Saarbrücken.
SAARBERGWERKE AG (Hrsg.) (1973): 10 Jahre Bergwerk Warndt. Festschrift. Saarbrücken.
SAARBERGWERKE AG (Hrsg.) (1983): 20 Jahre Bergwerk Warndt. Festschrift. Saarbrücken.
SAARBERGWERKE AG (Hrsg.) (1988): 25 Jahre Bergwerk Warndt. Festschrift. Saarbrücken.
SLOTTA, Delf (2003): Die Grube Warndt und ihre historischen Wurzeln. In: Ortsrat Karlsbrunn (Hrsg.): Karlsbrunn – Ein Heimatbuch. Geschichte und Geschichten. Großrosseln, S. 117-127.
SLOTTA, Delf (2011): Der Steinkohlenbergbau an der Saar und sein bauliches Erbe. Technische Denkmäler und architektonische Kostbarkeiten im saarländischen Bergbaurevier. In: RAG Aktiengesellschaft (Hrsg.): Bergmannskalender 2011. Herne und Saarbrücken, S. 68-137.

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Die Anlage Nordschacht des Bergwerks Saar in Lebach-Falscheid

„Stand der Technik“ – so lautete das Urteil nicht nur in Fachkreisen, als die Außenanlage Nordschacht des damaligen Bergwerks Ensdorf im September 1987 mit einem dreitägigen Bergfest in Betrieb genommen wurde. Spatenstich war am 22. September 1981 gewesen. Sechs Jahre später präsentierte sich der fertige Nordschacht, der der Bewetterung, der Seilfahrt und dem Materialtransport diente, als eine Anlage, mit der angestrebt wurde, modernste Technik und ästhetische Belange in Einklang zu bringen.

Nordschacht 1 Slotta kleinNordschacht 2 Slotta kleinDie hochmodernen Tagesanlagen der Grube bestehen im Wesentlichen aus dem Kauen- und Belegschaftsgebäude, das für 2.200 Personen ausgelegt war, einem Kombinationsgebäude mit den technischen Einrichtungen und einem Parkplatz mit ca. 450 Stellplätzen. Überragt wird dieses Gebäudeensemble von der imposanten, im Jahr 1986 fertiggestellten Fördergerüstkonstruktion des Nordschachts. Erbaut von den Firmen Mannesmann-Demag und Dillinger Stahlbau, ist sie schon zum damaligen Zeitpunkt als eine der technisch und optisch bemerkenswertesten Anlagen des Saarbergbaus gewürdigt worden. Charakteristisch für das Gerüst ist die steile Strebenführung. Die Streben haben Kastenprofilform. Die Lastenverteilung erfolgte auf sechs Förderseile mit einem Durchmesser von jeweils 48 mm. Daraus ergab sich ein Seilscheibendurchmesser von 5,5 m. Die Seilscheiben sitzen an den Schnittpunkten der Streben mit den Bühnen in 35 m und 42 m Höhe. Das insgesamt 48 m hohe Fördergerüst war mit einem Gewicht von rund 800 t das schwerste, das bis dahin im Deutschen Bergbau errichtet worden war.

Nordschacht 3 Slotta kleinIm 7,5 m weiten Nordschacht ist eine 2-trümige Großkorbförderanlage für den Materialtransport sowie für die Seilfahrt vorhanden (Trum = Segment/Abteilung eines Schachtes). Der zweietagige Materialkorb hat eine Breite von 2,2 m und eine Höhe von 14,2 m. Durch die Nutzlast von 35 t wurden neue Maßstäbe in Bezug auf die Transportmöglichkeiten gesetzt. Im westlichen Trum ist der mit 1,65 m schmälere vieretagige Seilfahrtkorb geführt, der auf jeder Etage 40 Personen transportieren konnte. Somit war die gleichzeitige Seilfahrt von 160 Personen möglich. Bei der Fördermaschine der Anlage Nordschacht handelt es sich um eine 6-Seil-Flurfördermaschine mit Drehstromsynchronmotor in Direktumrichtertechnik mit einer Leistung von 4.200 kW. Es ist die größte Drehstromfördermaschine in einer Einheit, die bis dahin auf der Welt gebaut worden war. Der elektrische Teil stammt von der Firma BBC, der mechanische Teil wurde von der Firma Mannesmann-Demag erbaut.

Der Nordschacht des Bergwerks Saar ist zweifelsohne eine der ausgereiftesten Neuanlagen des Deutschen Bergbaus. Aufgelockert und dennoch kompakt präsentiert sich die Gebäudeeinheit. Durch die unterschiedliche Höhenanordnung der einzelnen Bauteile wird bereits bei der Zufahrt zur Schachtanlage das Gesamtbauwerk sichtbar. Die einzelnen Gebäude sind nach Höhenlage hintereinander gestaffelt angeordnet, sodass sie sich optisch treppenartig aufeinander reihen und im Hintergrund nur vom Fördergerüst überragt werden.

Der Nordschacht ist als Musterbeispiel für eine gelungene Industriearchitektur anzusprechen. Sie folgt den Prinzipien der Funktionalität und Wirtschaftlichkeit. Sie verwirklicht diese ökonomischen Sachzwänge geschickt unter Einbeziehung künstlerischer Gestaltungsmerkmale und unter Berücksichtigung ästhetischer Belange. Am Nordschacht sind Funktionalität und Architektur eine glückliche Verbindung eingegangen.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Delf Slotta

Weiterführende Literatur:
SAARBERGWERKE AG (Hrsg.) (1981): Neuer Schacht für Ensdorf – Erster Spatenstich zum Nordschacht in Falscheid. In: Saarberg, Heft 6/1981. Saarbrücken, S. 14. (Werkzeitschrift des Saarberg-Konzerns).
SAARBERGWERKE AG (Hrsg.) (1983): Nordschacht 1065 m. In: Saarberg, Heft 3/1983. Saarbrücken, S. 7. (Werkzeitschrift des Saarberg-Konzerns).
SAARBERGWERKE AG (Hrsg.) (1986): 800 Tonnen schwer, 48 Meter hoch, 6 Millionen Mark teuer – das neue Fördergerüst am Nordschacht steht schon. In: Saarberg, Heft 5/1986. Saarbrücken, S. 4-5. (Werkzeitschrift des Saarberg-Konzerns).
SAARBERGWERKE AG (Hrsg.) (1987): Bergwerk Ensdorf – Anschlußbergwerk im Feld Dilsburg. Saarbrücken. (Informationsbroschüre).
SAARBERGWERKE AG (Hrsg.) (1988): Stark in der Leistung, sanft zur Umwelt, Erfahrungen nach einem Jahr „Außenanlage Nordschacht“. In: Saarberg, Heft 7/1988. Saarbrücken, S. 18-19. (Werkzeitschrift des Saarberg-Konzerns).
SAARBERGWERKE AG (Hrsg.) (1996): Bergwerk Ensdorf: Mit High-Tech in die Zukunft. Saarbrücken. (Informationsbroschüre).

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Die Schachtanlage Duhamel in Ensdorf

Das Landschaftsbild des Saartals wird auf Höhe der Kreisstadt Saarlouis seit vielen Jahrzehnten von den umfangreichen Tagesanlagen der Grube Duhamel geprägt. Erste Erwähnungen einer noch planlosen Kohlengräberei im Ensdorfer Raum stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die systematische Erschließung der Kohlenlagerstätte setzte mit der Verstaatlichung der Saargruben im Jahre 1751 durch den Fürsten Wilhelm-Heinrich zu Nassau-Saarbrücken im Zuge seiner absolutistischen Wirtschaftspolitik ein.

Duhamel 1 Reinhardt kleinDuhamel 2 Reinhardt kleinWichtige Etappen in der Entwicklung des Ensdorfer Bergwerks waren im 19. Jahrhundert die Abteufung eines ersten Tiefbauschachtes im Jahre 1826 und die Fertigstellung des 2.350 m langen Ensdorfer Stollens im Jahre 1842 – ein Transportstollen, der zur Kohlenniederlage (Zwischenlager vor der Verschiffung) an der Saar führte und damit die verkehrsungünstige Lage der Grube wesentlich verbesserte. Zwischen 1861 und 1913 ließ der Preußische Bergfiskus weitere Schächte niederbringen, zuletzt den „Saarschacht“, der von der französischen Grubenverwaltung der « Mines Domaniales Françaises de la Sarre » in „Duhamel-Schacht“ umbenannt wurde. Dadurch sollten die Verdienste von Jean Baptiste Duhamel um den 1807–1810 erstellten Saarkohlen-Atlas gewürdigt werden (siehe hierzu auch den Text zu Geislautern).

Duhamel 3 Slotta kleinDuhamel 4 und 5 Slotta kleinAuf der Ensdorfer Grubenanlage sind auch nach der Schließung des Bergwerks Saar zum 30. Juni 2012 die Fördereinrichtungen noch immer der besondere Blickfang. Sie stellen gleichzeitig die wichtigsten technischen Denkmäler des ehemaligen Bergwerks dar. Über dem im Jahre 1913 angehauenen und nach kriegsbedingten Verzögerungen erst 1917 fertiggestellten Duhamel-Schacht wurde im selben Jahr das 35 m hohe Fördergerüst aufgestellt. Die filigrane Eisenfachwerkkonstruktion ist ein Produkt der Dillinger Firma Meguin. Dieses „Deutsche Strebengerüst“ war von vornherein auf eine Doppelförderung ausgelegt worden. Der querrechteckige Grundriss und die breit ausgestellten Streben weisen darauf hin. Die Doppelförderung wurde schließlich im Jahr 1936 eingerichtet. Dabei verstärkte die legendäre Saarbrücker Stahlbaufirma B. Seibert zugleich das Fördergerüst für die zusätzliche Belastung. Zudem erhielt es den auffälligen kastenförmigen Kranaufbau.

Duhamel 6 und 7 SlottaVor dem Gerüst steht der aus zwei Maschinenhallen gewinkelt zusammengesetzte eingeschossige Baukörper des Fördermaschinenhauses. Über dem Eingang auf der Nordseite erhebt sich ein kleines Turmgeschoss, das von einem flachen Pyramidendach gedeckt ist. Lisenen gliedern die Schmal- und Längsseiten in einzelne Wandfelder, Rundbogenöffnungen belichten das Innere. Dort befindet sich in zwei voneinander getrennten Räumen jeweils eine Dampffördermaschine, die zu den Kostbarkeiten im Objektbestand des Saarbergbaus gerechnet werden müssen.

Das dampfbetriebene, der östlichen Förderung dienende Aggregat I ist im Jahr 1918 als zweizylindrige Zwillings-Maschine konstruiert worden. Die beiden Zylinder liegen in großen Abmessungen auseinander, denn sie bewegten ursprünglich eine 1.700 mm breite Trommel von 7.500 mm Durchmesser, die das über 800 m lange Förderseil aufspulen musste. Im Jahre 1963 wurde anstelle der Trommel eine sogenannte Koepe-Scheibe eingebaut. Durch das nach seinem Erfinder benannte System der Koepe-Scheibe wurde es möglich, zwei Förderkörbe „gegeneinander“ fahren zu lassen. Das heißt: Hängt Korb I tief im Schacht zum Beladen, so steht Korb II zur gleichen Zeit an der Hängebank zum Entladen. Lieferfirma der noch „aus Kaisers Zeiten“ stammenden Zwillings-Maschine war die Zweibrücker Dingler AG. Sie erbringt eine Nennleistung von 2.989 PS, hat 905-mm-Zylinder und 900-mm-Kolben; die Kolbenstangen messen vorn 185 mm und hinten 150 mm.

Im Jahr 1936, einer Phase der Hochkonjunktur des Deutschen Bergbaus, ließ die Saargruben AG ebenfalls von den Zweibrücker Dinglerwerken, deren Produkte als Markenartikel der deutschen Industrie galten, einen zweiten Dampf-Giganten aufstellen. Die Fördermaschine II arbeitete auf der westlichen Förderung. Sie erbrachte eine Leistung von 4.780 PS. Die Zylinder messen 1.100 mm, die Kolbenstangen vorn 230 mm und hinten 200 mm.

Es ist als ein Glücksfall zu werten, dass sich in Ensdorf diese Anlagen, denen höchste technikgeschichtliche und industriekulturelle Bedeutung zukommt, in ihrer ursprünglichen Gestalt und Funktion erhalten haben.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Thomas Reinhardt (obere zwei Fotos), Delf Slotta (übrige Fotos)

Weiterführende Literatur:
ANDRÉ, Matthias (ohne Jahresangabe) [ca. 1964]: Die Grube Schwalbach und ihre geschichtliche Entwicklung bis zur heutigen Grube Ensdorf. (ohne Erscheinungsort). (Manuskript).
BAUMANN, Ferdinand (1923): Die Grubenanlagen der Inspektion I zu Ensdorf. In: Saarbrücker Bergmannskalender 1923. Saarbrücken, S. 7-10.
KNAPP, Konrad (1971): Zur Geschichte der Grube Ensdorf. In: Saarbergwerke AG (Hrsg.): Saarbrücker Bergmannskalender 1971. Saarbrücken, S. 87-91.
SAARBERGWERKE AG (Hrsg.) (1980): 250 Jahre Bergbau im Grubenfeld Ensdorf. Saarbrücken. (Informationsbroschüre).
SLOTTA, Delf (2004): Dampfbetriebene Fördermaschinen im Saarbergbau – Anmerkungen zur technischen Entwicklung und eine Übersicht des Objektbestands. In: Vereinigung Saarländischer Bergingenieure e.V. (Hrsg.): „Sankt Barbara“ 2004. Saarbrücken, S. 10-20.
STEINHOFF, Ilse (1948): Aufbau der Grube Duhamel. In: Saargruben-Aktiengesellschaft (Hrsg.): Saarbrücker Bergmannskalender 1948. Saarbrücken, S. 28-30.

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Die Tagesanlagen der Grube Velsen im Rosseltal

Nicht nur bei heimatgeschichtlich und industriekulturell Interessierten hat sich längst herumgesprochen, dass der alte Bergwerksstandort Velsen viel zu bieten hat. Fährt man über den Völklinger Stadtteil Geislautern das Rosseltal hinauf, ist man zunächst von den relativ kleinen Dimensionen der Gebäude der ehemaligen Grube Velsen überrascht. Dabei kommt es dem Betrachter vor, als würden die historischen Bergwerksgebäude von den unmittelbar daneben angelegten neuzeitlichen Bauten des Abfallverwertungszentrums Velsen erdrückt. Bei näherem Hinsehen wird jedoch rasch deutlich, dass man hier architektonischen und industriekulturellen Kleinoden gegenübersteht, die ein längeres Verweilen lohnen.

Grube Velsen 1 Slotta kleinGrube Velsen 2 Slotta kleinDie Geschichte der Grube begann 1899 mit dem Abteufen des Rosselschachtes, der im Jahr 1907 – wie auch die gesamte Anlage – von der preußischen Bergverwaltung nach Oberberghauptmann Gustav von Velsen benannt wurde. 1904 konnte die Kohlenförderung aufgenommen werden. Wesentlich für die Entwicklung des Betriebes war der 1907 erfolgte Anschluss an die Eisenbahnlinie Fürstenhausen–Großrosseln, eine Strecke, die speziell zur Erschließung der Warndtkohlenfelder erbaut worden war. Zwischen 1913 und 1917 wurde die Grube weiter ausgebaut. Es entstanden unter anderem der zweite sogenannte Gustav-Schacht und die heute noch vorhandene Gebäudesubstanz. 1965 verlor die Grube ihre Selbständigkeit und wurde als Förderstandort stillgelegt. In der Folge wurden zahlreiche Gebäude abgerissen. Die erhalten gebliebenen Anlagenteile bilden jedoch noch immer ein im Objektbestand des Saarbergbaus herausragendes Ensemble.

Grube Velsen 3 Slotta kleinBei der Besichtigung der Tagesanlagen orientiert man sich an der Werksstraße. Der Rundgang beginnt am historischen Torhaus, wo sich früher der Pförtner mit der Markenkontrolle (hier holten sich die Bergleute blecherne Fahrmarken für die Seilfahrt ab) und die Kaffeeküche (Grubenkantine) befanden. Die Velsener Kantine ist noch heute wichtiger Anlaufpunkt nicht nur für die ehemalige bergmännische Bevölkerung des Warndts: Hier kann man gut und günstig einkaufen, eine kurze Pause einlegen und ein Schwätzchen halten. An das Torgebäude schließt sich der ehemalige Pferdestall an. Ein besonderer Blickfang ist das großartige, zwischen 1908 und 1911 errichtete Zechenhaus. Soziale, administrative und technische Funktionen waren hier unter einem Dach untergebracht. Dominierender Teil des symmetrischen Gebäudekomplexes ist der zweigeschossige Mitteltrakt, der mit einem Turmbau versehen ist. In einem halbkreisförmigen Bogenfeld sind der Bergmannsgruß „Glück Auf“, die Symbole der Bergbaus „Schlägel und Eisen“ sowie der Name der Grube wiedergegeben.

Grube Velsen 4 Slotta kleinGrube Velsen 5 Slotta kleinGegenüber dem Zechenhaus befinden sich die beiden in ursprünglichem Zustand erhalten gebliebenen Fördermaschinenhäuser. Das hintere – zum Schacht Gustav I gehörende – Gebäude hat inzwischen eine Neunutzung als Heizzentrale erfahren. Das vordere Fördermaschinenhaus des Schachtes Gustav II besteht aus zwei Bauteilen gleicher Größe, da der Schacht II ursprünglich über zwei Förderungen verfügte. Beide Sandsteingebäude sind klar gegliedert. Große rundbogige Sprossenfenster beleuchten die Innenräume, in die man über elegante Freitreppen gelangt. Am Schacht Gustav II-West hat sich mit der 1916/17 erbauten Fördermaschine das älteste dampfbetriebene Förderaggregat des Saarreviers erhalten. Die Zwillingsmaschine, ein Produkt der Zweibrücker Dingler-Werke, wurde 1936 umgebaut. Ihre Nennleistung beträgt 2400 PS. Der Durchmesser der Treibscheibe misst 7 Meter. Technik wird hier begreifbar. Seit der Renovierung des Förderaggregats präsentiert sich die Maschine ebenso wie das Fördergerüst, das 1915 ebenfalls von Dingler erbaut wurde, in hervorragendem Zustand. Die fast 31 Meter hohe Konstruktion mit ihren filigranen Eisenfachwerkstreben und der Stütze, auf der die Seilscheiben aufliegen, bildet den architektonischen Mittelpunkt der aus der preußischen Ära stammenden Gebäudeeinheit.

Grube Velsen 6 Slotta kleinGrube Velsen 7 Slotta kleinWer vor Ort noch mehr über den Steinkohlenbergbau erfahren möchte, dem sei ein Besuch des Erlebnisbergwerks Velsen empfohlen. Dieses bietet Bergbau zum Anfassen in einer faszinierenden Untertagewelt. Eine erste Überraschung erwartet den Besucher schon beim Betreten des Bergwerks: Es geht nicht in die Tiefe, sondern der Weg verläuft ebenerdig, anfangs mit einem Personenzug, durch ein verzweigtes Stollensystem von ca. 800 Meter Länge. Den Kopf muss man auch nicht einziehen, denn die Streckenquerschnitte sind imposante 13 Quadratmeter groß. In den weitläufigen Strecken erlebt der Besucher vor allem Maschinentechnik. Das Erlebnisbergwerk stellt dar, wie moderner Bergbau im Saarland aussah und welche Entwicklungen die hiesige Bergbautechnik in der jüngsten Vergangenheit nahm. Alle wichtigen Bestandteile eines modernen Untertagebetriebes sind vorhanden: verschiedene Ausbautechniken, mächtige Schilde im Streb, druckluftbetriebene Werkzeuge, Elektroanlagen, Pumpenstationen sowie Lade- und Gewinnungsmaschinen. Außerdem stehen den Besuchern mehrere Transportmöglichkeiten unter Tage zur Verfügung wie die Beförderung mit der Schienenflurbahn oder die sogenannte Bandseilfahrt. Das im Erlebnisbergwerk Velsen zu besichtigende maschinelle Gerät zeichnet sich in seiner Zusammenstellung und infolge seiner durchgängigen Handhabbarkeit durch eine hohe Realitäts- und Betriebsnähe aus.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Delf Slotta

Weiterführende Literatur:
FRIEMOND, Kurt (2001): Velsen – ein Industriekomplex im Warndt einst und heute. (Hrsg.: Heimatkundlicher Verein Warndt e.V.). Völklingen-Ludweiler.
RUTH, Karl Heinz (1989): Grube Velsen. Saarbrücken. (= Saarbergwerke AG (Hrsg.): Stollen und Schächte im Steinkohlenbergbau an der Saar, Nr. 8).
SLOTTA, Delf (1999): Der Steinkohlenbergbau als prägende Kraft. Saarbrücken präsentiert zur 1000-Jahr-Feier wertvolles industriekulturelles Erbe. In: Deutsche Steinkohle AG (Hrsg.): Bergmannskalender 1999. Herne und Saarbrücken, S. 110-127.
SPILKER, W. (1968): „Der erste Bergmann seiner Zeit“ – Vor der Jahrhundertwende hat Oberberghauptmann Gustav von Velsen dem Saarbergbau seinen Stempel aufgedrückt. In: Schacht und Heim – Werkzeitung der Saarbergwerke AG, Heft 12/1968. Saarbrücken, S. 9-10.

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Die Ostschachtanlage in Friedrichsthal

Mit der Schachtanlage „Maybach-Ost“ hat sich in der alten Bergbau- und Glasmacherstadt Friedrichsthal ein Kleinod bergbaulicher Architektur erhalten. Die Entstehung und die Entwicklung der sogenannten „Ostschachtanlage“ müssen in Zusammenhang mit der Gründung der Trenkelbach-Schachtanlage, die später in Grube Maybach umbenannt wurde, gesehen werden. Im Jahre 1873 hatte der Preußische Bergfiskus dort mit dem Abteufen zweier Schächte begonnen. Als Wetterschacht brachte man in Friedrichsthal seit April 1885 den Helenenschacht nieder. Nachdem dieser zum Förderschacht der selbstständigen Grube Helene ausgebaut worden war, musste zur Bewetterung des Ostfeldes der zwischenzeitlich enorm gewachsenen Grube Maybach ein neuer Schacht abgeteuft werden. Die diesbezüglichen Arbeiten begannen am 24. Mai 1890.

Nach seiner Fertigstellung diente der neue Ostschacht der Seilfahrt und als einziehender Wetterschacht. Als Folge der Umstrukturierungsmaßnahmen der Saargruben nach 1935 wurde die Seilfahrt vom Ostschacht, der in der französischen Verwaltungszeit unter den « Mines Domaniales Françaises de la Sarre » zwischen 1920 und 1935 die Bezeichnungen „Schacht Margaretha“ und „Margarethen-Schacht“ führte, zum Friedrichsthaler Kolonie-Schacht verlegt. Die Tagesanlagen des Ostschachts wurden daraufhin frei zur Errichtung einer Hauptrettungsstelle. Der Schacht selbst wurde erst 1967 verfüllt. Im selben Jahr wurden auch das Fördergerüst und die Fördermaschine abgebrochen. Der Abriss des früheren Ventilatorengebäudes mit dem Kühlturm erfolgte in den Jahren 1973/1974. Ansonsten aber sind die Tagesanlagen fast unverändert geblieben.

Ostschacht Friedrichsthal 1 Reinhardt kleinOstschacht Friedrichsthal 2 Reinhardt kleinDie Baulichkeiten liegen an einem stark abfallenden Hang und auf der Verebnung der beim Abteufen des Schachts aufgeschütteten Schachthalde. Das große Fördermaschinenhaus als höchstgelegenes Gebäude des Ensembles dominiert die Tagesanlagen. Auf dem mittleren Niveau der Grubenanlage befinden sich eine neuzeitliche Garage für die Einsatzfahrzeuge der früheren Grubenwehr, eine Werkstatt, das Staublabor sowie – eingelassen in die Böschungsmauer – ein Brandversuchsstollen. Von dieser Zeile durch die Werkstraße getrennt, schließen sich das große, kreuzförmige Gebäude des ehemaligen Zechenhauses, der gedeckte Gang zur Schachthalle sowie die Schachthalle selbst, über der sich früher das Fördergerüst befand, an. Komplettiert wird der Gebäudekomplex durch das auf dem untersten Zechenplatzniveau stehende alte Kesselhaus mit seinem qualitätvollen Kamin.

Ostschacht Friedrichsthal 3 und 4 Slotta kleinWie in das nördliche Giebelfeld des Zechenhauses eingemeißelt, ist das Ensemble der Tagesanlagen im Jahre 1907 vollendet worden. Das einheitliche Erscheinungsbild der verschiedenen Baukörper lässt erkennbar werden, dass diese Schachtanlage nach einheitlichem Plan innerhalb kürzester Bauzeit entstanden sein muss. Bei der Umsetzung der Bauaufgabe haben sich die planenden Architekten an Jugendstil-Architekturen orientiert. Alle Gebäude sind in rotem Sandstein errichtet, besitzen einen ausgeprägten Sockel, hell verputztes Mauerwerk und die harmonische Kanten- und Binnengliederung durch Mauerstreifen, die auch das Dachgesims unterfangen und so die Fassadenflächen rahmen. Auf den Lisenen und Wandstreifen sind zum Teil niedrige Fialen (aus Stein gemeißelte Türmchen) mit Kanneluren (senkrechte, konkav eingeschnittene Vertiefungen) aufgesetzt, die die Wirkung der Fassaden zusätzlich betonen. Besonderer Blickfang der Ostschachtanlage ist die Westfassade des Zechenhauses. Hier hat der Bauherr der zweigeschossigen Schaufassade ein niedriges Eingangsgebäude vorgeblendet. Über der Pforte wurde eine Schrifttafel mit dem Bergmannsgruß „Glückauf“ eingelassen. Das darüberliegende Glasfenster zeigt eine herrliche Darstellung der Schutzheiligen der Bergleute, der „Heiligen Barbara“. Das Glasfenster enthält darüber hinaus eine Vielzahl weiterer bergbaulicher Motive. Oberhalb der heute abgehängten Decke des nördlichen Zechenhausflügels haben sich zudem Reste der Freskenmalereien von H. A. Schmelzer aus den späten 1930er-Jahren erhalten, die die Aufgaben und Verdienste der Grubenwehr zum Thema haben.

Es besteht kein Zweifel, dass das Ensemble der ehemaligen Schachtanlage Maybach-Ost heute das beste und geschlossenste Beispiel einer Jugendstil-Schachtanlage im Saarbergbau darstellt. Die hier erhaltenen Anlagenteile müssen zudem zu den wichtigsten Beispielen für Tagesanlagen aus preußischer Zeit im Saarbergbau gezählt werden. In einheitlichem Stil entworfen und offenbar ohne Bauunterbrechung entstanden, manifestieren sich in dieser umfangreichen Gebäudesubstanz eindrucksvoll die Architekturvorstellungen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Einheitlichkeit der Architektur, die Qualität in der Durchbildung der Fassaden und der einzelnen Schmuckglieder sowie der Ensemble-Charakter lassen es geboten erscheinen, den Tagesanlagen der Schachtanlage Maybach-Ost nationale Bedeutung zuzuerkennen.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Thomas Reinhardt (obere Fotos), Delf Slotta (untere Fotos)

Weiterführende Literatur:
JUNG, Christian / KLÄR, Werner (Hrsg.) (1999): Friedrichsthal, Bildstock und Maybach im Wandel der Zeit. – Eine Zeitreise. Friedrichsthal.
SLOTTA, Delf (1995): Industriekultur – Friedrichsthal bietet Sehenswertes. In: Der Stadtverband, Heft 1/1995. Saarbrücken, S. 22-23.
SLOTTA, Delf (1996): Die Bedeutung der Ostschachtanlage im bergbaulichen Objektbestand des Saarlandes. In: Saarbergwerke AG, Hauptstelle für das Rettungswesen (Hrsg.): 60 Jahre Hauptrettungsstelle 1936–1996. Friedrichsthal, S. 29-35. (Festschrift).
SLOTTA, Delf (1998): Die Ostschachtanlage in Friedrichsthal – ein Kleinod im Objektbestand des Saarbergbaus. In: Vereinigung Saarländischer Bergingenieure e.V. (Hrsg.): „Sankt Barbara“ 1998. Saarbrücken, S. 8-15.

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Der Förderturm Camphausen IV

Zweifelsfrei zählt Camphausen zu den bekanntesten saarländischen Grubenanlagen. Der Name des 1871 gegründeten und drei Jahre später nach dem preußischen Finanzminister Otto von Camphausen benannten Schachtbetriebs löst bei den Menschen des Saarreviers vielfältige Assoziationen aus: Viele denken zurück an die Millionen Tonnen des „Schwarzen Goldes“, die hier von Tausenden von Bergleuten im Laufe der Jahrzehnte zu Tage gebracht wurden. Und sie erinnern sich an den 12. November 1990, als das Bergwerk stillgelegt wurde. Manche verknüpfen mit Camphausen die schwere Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosion vom 17. März 1885, bei der 180 Kameraden ums Leben kamen, und hierbei wird ihnen „schlagartig“ wieder bewusst, dass der Bergmannsberuf einer ist, der besondere Gefahren in sich trägt und sich mit keinem anderen vergleichen lässt. Wiederum Andere – denken sie an Camphausen – verweisen vor allem auf die spektakuläre Silhouette der Tagesanlagen, die in unverwechselbarer Weise den Bergrücken zwischen den beiden großen Kohlentälern im Saarkohlenwald, dem Sulzbach- und Fischbachtal, krönen.

Camphausen IV 1 Slotta kleinCamphausen IV 2 Slotta kleinInnerhalb dieses Ensembles, das trotz mittlerweile zahlreicher Gebäude- und Anlagenverluste noch immer eindrucksvoll ist, sticht ein Objekt besonders hervor. Gemeint ist der wuchtige Förderturm über dem Schacht Camphausen IV. Als monumentales Wahrzeichen prägt er seit seiner Fertigstellung im Jahre 1911 das Erscheinungsbild der Grube. Begonnen hatte alles im Rahmen einer Jahresbefahrung des Preußischen Bergfiskus am 9. Mai 1908. Der damalige Werksdirektor Bergrat Jordan hatte dabei auf die Notwendigkeit eines neuen Förderschachts für die Grube Camphausen hingewiesen. Dieser Vorschlag fand die Zustimmung von Oberberghauptmann Gustav von Velsen. Am 31. Oktober 1908 nahm der Vorsitzende der Königlichen Bergwerksdirektion Saarbrücken, der Geheime Oberbergrat Wilhelm Cleff, den Spatenstich für dieses epochale Bauwerk vor. Kurz darauf begannen die Abteufarbeiten. Im Jahre 1911 war endlich das Schachttiefste in 660 m Teufe erreicht. Die Kosten des mit einem nutzbaren Durchmesser von 6,40 m ausgestatteten Doppelschachtes beliefen sich auf rund eine Million Goldmark.

Camphausen IV 3 Slotta kleinAnders als bei den traditionellen Fördergerüsten hatte sich der Bergfiskus entschlossen, auf Camphausen die Fördermaschine unmittelbar über dem Schacht aufzustellen. Auf diese konstruktive Lösung griff man vor allem wegen der beengten örtlichen Verhältnisse auf dem Grubenareal zurück. Der hierzu über dem Schacht in den Jahren 1910/11 in eisenarmiertem Beton errichtete 40,70 m hohe Schachtturm ist als erste Turmförderanlage in Stahlbeton weltweit anzusprechen. Die Errichtung dieses Stahlbetonförderturmes erregte um 1910 erhebliches Aufsehen, handelte es sich doch um eine wahrhaftige Innovation in der Fördertechnik. Nicht umsonst widmete denn auch der „Saarbrücker Bergmannskalender“ des Jahres 1913 dem von der Saarbrücker Niederlassung der Düsseldorfer Firma Carl Brandt erstellten Turm eine siebenseitige Schilderung, in der er als „ein Wahrzeichen deutschen Gewerbefleißes und des industriellen Fortschrittes des Saarbergbaues“ gepriesen wird. Um 1910 war die Errichtung von Fördertürmen noch relativ selten. Frühere Fördertürme hatten sich noch als technisch wenig ausgereift erwiesen. Erst die Entwicklung von erschütterungsarmen Elektrofördermaschinen und die Verwendung neuartiger Stahlbetonkonstruktionen ließen Fördertürme machbar werden.

Camphausen IV besteht aus vier Hauptstockwerken. Die Eisenkonstruktionsteile sind von einer Eisenbeton-Außenhaut von 8 cm Stärke umschlossen. Im oberen, seitlich stark vorkragendem Stockwerk, weswegen die Turmkonstruktion auch als „Hammerkopfförderturm“ bezeichnet wird, sind die Maschinenräume untergebracht. Die maschinelle Ausstattung wurde an die „Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft“ (AEG) in Berlin vergeben. Aufgestellt wurde zunächst nur eine elektrische Camphausen IV 4 und 5 Slotta kleinFördermaschine, eine zweite kam später hinzu. Der heutige Maschinenbestand stammt aus den Jahren 1936/37. Der Fuß des Turmes ist von einer Schachthalle umbaut. Deren Gerippe besteht aus Eisenbetonstützen mit querlaufenden Verbindungsstücken. Beim Bau des Förderturmes standen funktionale Gesichtspunkte im Vordergrund, dennoch ist ein ästhetisch ansprechendes Gebäude entstanden, dessen nüchterne Mauerflächen durch Lisenen, Gesimse und Rechteckfenster dezent gegliedert sind. Festzuhalten bleibt, dass der Förderturm Camphausen IV einen Meilenstein innerhalb der Entwicklung der Fördertechnik dokumentiert. Er ist heute der älteste Förderturm in der Bundesrepublik Deutschland und somit als Montandenkmal von nationaler Bedeutung zu bewerten. Seine Sicherung ist von zentraler Bedeutung innerhalb des Objektbestands des Deutschen Bergbaus.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Delf Slotta

Weiterführende Literatur:
BAUER, Kurt / RUTH, Karl-Heinz (1978): Grube Camphausen. Neunkirchen.
PFEIFER, Herbert (2010): Camphausen. Geschichte und Geschichten. Saarbrücken-Dudweiler.
SLOTTA, Delf (1998): Fördergerüste und Fördertürme in Quierschied – ein Vergleich. In: Müller, Rainer W. / Staerk, Dieter (Hrsg.): Quierschied – die Gemeinde im Saarkohlenwald. Ein Gemeindebuch mit Fischbach, Göttelborn und Camphausen. Quierschied, S. 416-427.
SLOTTA, Delf (2011): Der saarländische Steinkohlenbergbau, Band 1. Bilder von Menschen, Gruben und bergmännischen Lebenswelten. Dillingen. zum Online-Shop
SLOTTA, Delf / REINHARDT, Thomas (2012): Gruben und Bergbaulandschaften im Saarland. Letzte Seilfahrt – Fotografien von Fördertürmen, Bergehalden und Absinkweihern. Dillingen. zum Online-Shop
SLOTTA, Rainer (1994): Walter Bernstein (1901–1981). Grube Camphausen um 1970, Aquarell. In: Der Anschnitt, 46. Jg., Heft 6, Beilage „Meisterwerke bergbaulicher Kunst und Kultur“. Bochum.

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Das Fördergerüst Göttelborn IV

Die Ursprünge des Bergwerks gehen bis in das 15. Jahrhundert zurück. Die moderne Flammkohlengrube Göttelborn wurde am 01.08.1886 von der Königlich-Preußischen Regierung genehmigt, im Mai 1887 setzten die Arbeiten am neuen Standort ein. Nach 113 Jahren, am 01.09.2000, wurde dann auf Göttelborn die letzte Schicht gefahren. Ein gewaltiges Verbundbergwerk, dessen sichtbare Zeugnisse erst in den 1990er-Jahren entstanden waren, wurde stillgelegt. Emotionen und Wut begleiteten das Ende des Betriebes. Tränen flossen, als das letzte Fördergefäß gehoben wurde. In diesem Moment endete im Saarkohlenwald, dem traditionsreichsten saarländischen Revier, eine jahrhundertelange bergbauliche Ära.

67 GoettelbornGeblieben sind faszinierende Architekturen des Industriebaus. Alles wird überragt vom hochmodernen Fördergerüst Göttelborn IV. Die im Oktober 1994 fertiggestellte, avantgardistisch anmutende knapp 90 m hohe Konstruktion – im Übrigen die höchste weltweit – war schon während des Baus zum neuen Wahrzeichen der Region und zum spektakulärsten Bauwerk im gesamten Saarbergbau avanciert. Es ist eine Architektur der Superlative – und das Symbol für eine in Jahrhunderten im Saarbergbau gewachsene Ingenieurskunst. Mit der Schließung des Bergwerks verkehrte sich das, was als „Investition für die Zukunft“ gedacht war, ins Gegenteil. Entsprechend war Göttelborn zum Ort des Verlusts von Tausenden von Arbeitsplätzen und vieler individueller Zukunftsträume geworden.

Mittlerweile entwickelt sich wieder Leben auf dem rund 120 ha großen ehemaligen Grubenareal. Im Jahr 2000 beschloss die Landesregierung, den Standort Göttelborn zu einem Zentrum der landesweiten Strukturwandelbestrebungen zu machen. Die „IndustrieKultur Saar“ als Entwicklungsgesellschaft hat 2001 hier ihren Unternehmenssitz bezogen. Ziel ist nunmehr eine „zweite Schicht, bei der in Göttelborn statt Kohle jetzt Wissen, Ideen, Kreativität und deren Umsetzung in marktfähige Produkte gefördert werden sollen“.


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Delf Slotta

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Delf Slotta

Weiterführende Literatur:
SLOTTA, Delf (2004): Das Fördergerüst am Großschacht Göttelborn IV. Ein Bergwerk der Superlative und Tausende geplatzte Träume. In: Steinkohle 5, S. IV.
SLOTTA, Delf (2006): Strukturwandel aus Industriekultur. Wie sich ein neues Stück Saarland entwickelt! In: Montan- und Industriegeschichte. Dokumentation und Forschung, Industriearchäologie und Museum. Paderborn, München, Wien, Zürich, S. 509-549.

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Die Grubensiedlung Maybach

Wenn ein Saarländer „uff de Maybach“ wohnte, lässt sich daran auch heute noch ablesen, wie eng Arbeits- und Wohnplatz des Bergmanns früher miteinander verwoben waren. Denn die Siedlung Maybach liegt unmittelbar vor dem historischen Grubenbetrieb. 1872 wurden im Trenkelbachtal die ersten Stollen angehauen, später kamen tiefe Schächte hinzu. 1882 wurde das Bergwerk nach dem Besuch des preußischen Staatsministers Albert Maybach zu Ehren des Gastes umbenannt. In Spitzenzeiten hatte die Grube eine Belegschaft von rund 6.700 Mitarbeitern. 1964 wurde die Anlage als selbstständige Grube stillgelegt und der Grube Reden zugeschlagen, 1981 endete der Bergbau in Maybach endgültig.

MaybachVon den Tagesanlagen der Grube sind nur noch drei Fördermaschinenhäuser sowie das Zechenhaus erhalten. Die Siedlung blieb jedoch in ihren wesentlichen Bestandteilen unverändert. Vor den früheren Werkstoren befindet sich als Beispiel für eine preußische Wohlfahrts- und Sozialeinrichtung die 1897 erbaute Kaffeeküche. Ab 1893 entstand oberhalb der Grube die Kolonie Maybach. Sie hat ihr uniformes Aussehen vor allem zwischen 1901 und 1905 erhalten. Das hierarchische Gefüge innerhalb der bergmännischen Gesellschaft wird in den Anlagen und Ausformungen der Wohngebäude deutlich. Die Arbeiter-, Beamten- und Direktorenhäuser bilden jeweils eigene Viertel. Die unterschiedliche Größe der Wohnflächen wie auch der Parzellen dokumentieren das Klassen- und Standesbewusstsein. Von der Schlafhausanlage sind noch das Waschhaus und eines der ehemals vier Schlafhäuser, 1911/12 im Pavillonstil erbaut, vorhanden. An den Schnittstellen dieser Viertel liegen weitere Sozialeinrichtungen. Die 1901/02 errichtete Schule diente auch als Kleinkinderbewahranstalt und wurde für den Elementarunterricht genutzt. Mit der 1924/25 unter der französischen Grubenverwaltung erbauten Filialkirche St. Ludwig fand die bauliche Entwicklung Maybachs ihren Abschluss. Die Bergarbeitersiedlung wurde 1981 als Bauensemble in die saarländische Denkmalliste aufgenommen. Damit wird der Status der Grubensiedlung Maybach als wichtiger Beleg der Bergbau- und Sozialgeschichte des Saarlandes unterstrichen.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Delf Slotta

Weiterführende Literatur:
FEHN, Klaus (1981): Preußische Siedlungspolitik im saarländischen Bergbaurevier (1816-1919). Saarbrücken. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 31). zum Online-Shop
STADTVERBAND SAARBRÜCKEN (Hrsg.) (2003): Ensemble Maybach. Grube und Siedlung. Denkmalpflegerische Sanierungsempfehlungen. Saarbrücken.

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Die Bergarbeitersiedlung Von der Heydt

Von der Heydt, nahe der Landeshauptstadt Saarbrücken gelegen, verdankt seine Entstehung dem Steinkohlenbergbau. Die ersten Zeugnisse über Kohlebergbau im Burbachtal entstammen dem 18. Jahrhundert. 1850 gründete der Preußische Bergfiskus eine Grube, die nach dem preußischen Handels- und Finanzminister August Freiherr von der Heydt (1801–1874) benannt wurde. Die Entwicklung der Grube findet als Folge der Weltwirtschaftskrise 1932 ihr Ende. In den Jahren 1951/52 werden die beiden Amelung-Schächte nochmals gesümpft (sümpfen = entfernen von Wasser aus einem Grubenbau) und als Wetterschächte der Püttlinger Grube Viktoria genutzt. 1965 erfolgt die endgültige Stilllegung der Grube Von der Heydt.

Von den Tagesanlagen hat nur weniges überdauert. Da finden sich noch Stollenmundlöcher, der alte Bahnhofsbau, ein Fördermaschinenhaus, Grundmauern und überwachsene Gleise. Hingegen ist die Werkssiedlung in ihren wesentlichen Teilen erhalten geblieben. Sie besteht zum einen aus zwei großen Schlafhäusern, in denen die als Saargänger, Ranzenmänner oder Hartfüßer bezeichneten, weit entfernt beheimateten Bergleute die Woche über einquartiert waren, und zum anderen aus Mietshäusern, die ausschließlich der Unterbringung von Beamten vorbehalten waren. Die Schlafhausarchitekturen, entstanden 1873–1875 und 1886–1890, dokumentieren den Typus der sogenannten „Repräsentativen Schlafkaserne“, der nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 in Anlehnung an die Militärarchitektur entwickelt worden war. Die Siedlung besteht weiterhin aus drei Einfamilienhäusern, die der Unterbringung höherer Bergbeamter dienten, acht Zwei-, Vier- und Sechsfamilienhäusern, in denen mittlere Beamten wohnten, und der ehemaligen Schule. Alle Gebäude sind aufwendig gestaltet und verfügen über separat stehende Wirtschaftsgebäude und große Parzellen. Es sind die architektonischen Details und der gute Erhaltungszustand, die der denkmalgeschützten Siedlung Von der Heydt das besondere Gepräge und eine hohe ästhetische Qualität verleihen. Sie vermittelt eine Vorstellung vom bergmännischen Wohnen im 19. Jahrhundert und erlaubt ein Eintauchen in frühere Lebens- und Arbeitswelten.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Delf Slotta

Weiterführende Literatur:
SERWE, Hans-Jürgen (1980): Die Grubeninspektion III. Von der Heydt. Im Direktionsbezirk Saarbrücken. In: Saarbrücker Hefte 51.
SLOTTA, Delf (1995): Schlafhauswesen an der Saar. Schlafhäuser wichtiger Bestandteil der bergbaulichen Siedlungspolitik. In: Saarbergwerke AG (Hrsg.): Saarbrücker Bergmannskalender 1995. Saarbrücken, S. 107-118.

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Die Saarbrücker Bergwerksdirektion

Die Direktion der Saargruben hatte ihren Dienstsitz zunächst am Saarbrücker Schlossplatz. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde jedoch ein Neubau für die gewachsene Verwaltung notwendig. Das Projekt wurde der Berliner Architektengemeinschaft Martin Gropius und Heino Schmieden übertragen, die sich an Bauentwürfen Karl Friedrich Schinkels orientierten. Nach dreijähriger Bauzeit konnte das Gebäude 1880 feierlich seiner Bestimmung übergeben werden.

72 BergwerksdirektionDie Bergwerksdirektion liegt stadtbildprägend in unmittelbarer Bahnhofsnähe. Das Zusammenlaufen der Trierer und damaligen Bahnhof-, später Reichsstraße, wurde aufgegriffen; den beiden Straßen entspricht jeweils ein Flügel des Bauwerks, wobei der an der Trierer Straße gelegene Trakt mit 79 m die doppelte Länge des Flügels an der Reichsstraße erhielt. Der in ursprünglich unverputztem Sandstein errichtete dreigeschossige Monumentalbau erhielt an der Nahtstelle der beiden Flügelbauten einen betont repräsentativ ausgebildeten „Gelenkbau“. Schilde mit den Wappen des Deutschen Reiches, Preußens und der Städte St. Johann und Saarbrücken, ein Schlussstein des Mittelbogens der dreibogigen Eingangsloggia unter anderem mit Grubenlampe sowie Schlägel und Eisen, zwei Plastiken sowie die Wappen der Herzog- und Grafengeschlechter schmücken diese Fassade in ganz besonderem Ausmaß.

73 BergwerksdirektionLange Korridore prägten das Innere der Flügelbauten. Besonders eindrucksvoll wirkt das eiserne, dreiarmige Treppenhaus im Eckpavillon. Das Geländer setzt sich aus gusseisernen Stäben zusammen, die durch Arabesken-Motive verbunden sind. Die monumentale Wirkung wird durch die edle Fußbodenkeramik aus dem Hause Villeroy & Boch gesteigert.

Die „Königlich-Preußische Bergwerksdirektion“ ist das augenfälligste Zeugnis des Saarbergbaus in der Landeshauptstadt und eines der wichtigsten Denkmäler des Deutschen Bergbaus – nicht nur in kunsthistorischer Hinsicht, sondern auch in der Manifestation dieses Industriezweiges und seines Repräsentationsanspruches. Heute ist das Gebäude weitgehend entkernt und Teil des im Oktober 2010 eröffneten Einkaufszentrums „Europa-Galerie“.


Text:
Delf Slotta (Aktualisierung: Juan Manuel Wagner)

Fotos:
Sarah Halbfeld (oberes Foto), Delf Slotta (unteres Foto)

Weiterführende Literatur:
RAG SAARBERG AG (2003): Zwischen Tradition und Moderne. Gebäude der RAG Saarberg AG im Wandel der Zeit. Essen.
SLOTTA, Delf (1999): Der Steinkohlenbergbau als prägende Kraft. Saarbrücken präsentiert zur 1000-Jahr-Feier wertvolles industriekulturelles Erbe. In: Deutsche Steinkohle AG (Hrsg.): Bergmannskalender 1999. Herne und Saarbrücken, S. 110-127.

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Die Königliche Saarbrücker Bergschule

Im Jahr 1904 begann der Preußische Bergfiskus unmittelbar gegenüber der Saarbrücker Bergwerksdirektion mit dem Neubau der Königlichen Bergschule. Bereits seit dem Jahr 1816 führte die Bergverwaltung die Ausbildung der Bergbeamten in einer werkseigenen Einrichtung durch. Diese war am Saarbrücker Schlossplatz im Erbprinzenpalais untergebracht. Als der von Mitte der 1890er-Jahre an wachsende Bedarf an Grubenbeamten zu einer starken Erhöhung der Schülerzahlen an der Saarbrücker Bergschule geführt hatte, boten die Räume der alten Schule nicht mehr genügend Platz. Obwohl als Ergebnis der im November 1898 durchgeführten Generalbefahrung die Notwendigkeit des Neubaus einer Bergschule festgestellt worden war, wurde zunächst doch eine Erweiterung des alten Schulhauses vorgenommen. Der Mangel an Ausbildungsräumen und die unzureichende Unterbringung der Sammlungen, der Bibliothek und der Registratur führten schließlich dazu, dass der Bergfiskus in Verhandlungen über das Neubauprojekt mit der Bauabteilung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten eintrat.

Bergschule SB 1 und 2 Reinhardt kleinBergschule SB 3 Reinhardt kleinDurch Ministerial-Erlass vom 25. Februar 1904 erhielt die Königliche Bergwerksdirektion die Ermächtigung zum Bau des neuen Bergschulgebäudes. Als Bauplatz wurde ein dem Bergfiskus gehörendes Grundstück in der Trierer Straße ausersehen, das aufgrund seiner zentralen Lage und der Nähe zum St. Johanner Bahnhof besonders geeignet erschien. Die Kosten des neuen Schulhauses wurden einschließlich der inneren Einrichtung auf 286.000 Mark festgesetzt. Der Bauplan war vom bautechnischen Mitglied der Königlichen Bergwerksdirektion, Baurat Giseke, entworfen worden. Die Vorarbeiten begannen im August 1904. Bis zum November waren die Fundamentierungsarbeiten bis Oberkante Sockel beendet. Mit ihrer Ausführung wie der des weiteren Baues waren die beiden Saarbrücker Baufirmen Pitz und Liebmann beauftragt worden, während die Leitung und Beaufsichtigung der Bauarbeiten dem Bau-Bureau der Königlichen Bergwerksdirektion, insbesondere dem Bautechniker Neu, zugewiesen wurde. Ende Juli 1905 erfolgte die baupolizeiliche Abnahme des Rohbaues, im September 1905 fand das Richtfest statt. Im November 1906 konnte das Winterhalbjahr der Schule bereits in dem neuen Gebäude eröffnet werden. Die Vollendung der inneren Einrichtung, vor allem der Sammlungsräume, erfolgte dagegen erst im Jahre 1907.

Bergschule SB 4 Slotta kleinDas Gebäude der Bergschule wiederholt in einfacherer Formgebung Architekturmotive, die durch die benachbarte Bergwerksdirektion vorgegeben sind. Infolge der Kriegszerstörungen und der späteren Erweiterungen vermittelt das Gebäude jedoch kaum mehr einen Eindruck des ursprünglichen Zustands. Die Bergschule bestand aus zwei Flügeln: Der nördliche lag der Bergwerksdirektion unmittelbar gegenüber und bildete – in historistischen Formen – quasi das Pendant zu dem in klassizistischen Stilformen gehaltenen Verwaltungsgebäude. Der östlich anschließende Flügel folgte dem Hauptbau in den Einzelformen, war aber ungleich schlichter gehalten. Insgesamt wurden drei Hauptgeschosse ausgebildet, hinzu kamen ein Kellergeschoss und ein hoher Dachraum. Blickfang am sorgfältig gequaderten Baukörper war der aufwendig gestaltete Mittelrisalit an der Hauptschauseite. Dieser ist ebenso wie fast alle sonstigen Schmuckformen zwischenzeitlich verloren gegangen. Aussagekräftigstes erhaltenes Detail ist das mit Schlägel und Eisen sowie preußischer Krone versehene Wappenschild über den Eselsrückenfenstern in der Nordfassade. An der Ostseite haben die Darstellungen der an Gnomen erinnernden, Konsolen tragenden Bergleute überdauert. Das Gebäude der Bergschule ist in den Jahren 1979 bis 1982 grundlegend modernisiert und umgestaltet worden. Dabei ist es auch um zwei Flügel erweitert worden. Im Inneren wurden zum damaligen Zeitpunkt zudem die Sammlungen des Geologischen Museums Saarberg in gelungener Weise untergebracht.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Thomas Reinhardt (obere Fotos), Delf Slotta (unteres Foto)

Weiterführende Literatur:
EVONIK POWER SAAR GMBH (Hrsg.) (2009): Die ehemalige Bergingenieurschule in Saarbrücken – Bildungszentrum, Museum, Verwaltung. Saarbrücken.
SLOTTA, Delf (1999): Der Steinkohlenbergbau als prägende Kraft. Saarbrücken präsentiert zur 1000-Jahr-Feier wertvolles industriekulturelles Erbe. In: Deutsche Steinkohle AG (Hrsg.): Bergmannskalender 1999. Herne und Saarbrücken, S. 110-127.
VORSTAND DER RAG SAARBERG AG (Hrsg.) (2003): Zwischen Tradition und Moderne – Gebäude der RAG Saarberg AG im Wandel der Zeit. Essen.
WITTENBROCK, Rolf (Hrsg.) (1999): Geschichte der Stadt Saarbrücken, 2 Bände. Saarbrücken. (herausgegeben im Auftrag der Stadt Saarbrücken).

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Die ehemalige Quierschieder Knappschaftsklinik

Die bergbauliche Sozialversicherung stand zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Land an der Saar vor dem Problem, die überfüllten Krankenhäuser in Sulzbach und Völklingen entlasten zu müssen. Deshalb entschloss sich der Saarbrücker Knappschaftsverein zum Bau einer neuen Klinik inmitten des Saarkohlenwaldes. Als Bauplatz für das aufwendige Vorhaben wurde ein 6,3 Hektar großes Waldstück zwischen Fischbach und Quierschied gewählt.

Knappschaftsklinik 2 Slotta kleinKnappschaftsklinik 1 Slotta kleinDie Grundsteinlegung zur neuen Klinik erfolgte am 20. Juli 1907. Bei den offiziellen Feierlichkeiten wünschte der Vorsitzende des Knappschaftsvereins, dass „des Hauses stolzer Bau ein Wahrzeichen des Blühens und der Fürsorge der Knappschaft“ sein möge. Für Planung und Bauleitung zeichnete der Saarbrücker Regierungsbaumeister Abel verantwortlich. Die Bauarbeiten gestalteten sich schwierig und wurden mit hohem technischem Aufwand betrieben. Besonders die abgelegene Lage im Fischbacher Wald machte es notwendig, neue Zufahrtsstraßen von den Bahnhöfen Brefeld und Fischbach-Camphausen aus anzulegen. Im Oktober 1910 war der Bau fertiggestellt, im Sommer 1911 wurde er seiner Bestimmung übergeben.

Knappschaftsklinik 3 Slotta kleinKnappschaftsklinik 4 Slotta kleinKernbau der imposanten Anlage, die zum damaligen Zeitpunkt den größten Klinikbau im Regierungsbezirk Trier darstellte, war das sogenannte Haupthaus. Es ist 135 Meter lang und besitzt drei Hauptstockwerke. Die symmetrisch ausgeformte Schaufassade zeigt eine Vielzahl architektonischer Bezüge zum Bergbau. Besondere Blickfänge bieten zudem die kunstvoll gestalteten Loggiengänge. Zur Anlage gehören darüber hinaus das Pförtnerhaus, das Isolierungsgebäude, das Wirtschaftsgebäude, das Kesselhaus, das Leichenhaus und das Wohnhaus des Chefarztes. Ab dem Jahr 1922 kamen zwei villenartige Ärztewohnhäuser und drei Wohnhäuser für das Pflegepersonal dazu. Bis 1930 wurde das Hauptgebäude am südwestlichen Eckbau erweitert und das Isoliergebäude zur Kinder- und Frauenstation umgebaut. Alle Gebäude wurden in den Stilformen deutscher Spätrenaissance mit Anklängen an einfache barocke Formen ausgeführt. Beim Bau verwendete man Bruch- und Ziegelsteine. Eiseneinlagen und mächtige über die gesamte Länge der Gebäude reichende Anker dienten zur Sicherung gegen mögliche Bergsenkungen. Bei den Giebeln und Kniestockwänden arbeitete man mit Holzfachwerk, Backsteinhintermauerung und Schwarzwälder Holzschindeln.

Knappschaftsklinik 5 Slotta kleinDas Krankenhaus hatte bei der Übergabe an die Knappschaft 52 Krankenzimmer mit 251 Betten. Ab dem Jahr 1930 standen rund 400 Krankenbetten zur Verfügung. Die gesamte technische Ausstattung des Krankenhauses befand sich für damalige Verhältnisse auf einem sehr hohen Niveau. Besonders die Starkstromanlage, die vom nahe gelegenen Bergwerk Brefeld aus abgezweigt und für das Krankenhaus auf 2 x 110 Volt umgeformt wurde, stellte eine Besonderheit dar. Auch die Ausstattung des Operations- und des Röntgenraums war im Jahr 1911 „Stand der Technik“. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Knappschaftsklinik immer wieder modernisiert und erweitert worden. Das endgültige Aus für das Krankenhaus kam im Jahr 1993, als es nicht mehr im Krankenhausbedarfsplan der Landesregierung aufgeführt worden war. Nunmehr übernahm die Saarland-Heilstätten GmbH die Gebäude und richtete eine Fachklinik für Frührehabilitation mit den Schwerpunkten Geriatrie, Kardiologie und Neurologie ein. In der Folge wurden die Gebäude den veränderten Notwendigkeiten angepasst und dabei die Fassaden der denkmalgeschützten Gebäude behutsam restauriert, sodass der Bestand dieses für die Gesundheitsvorsorge im Saarbergbau bedeutsamen Zeugnisses als gesichert gelten kann.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Delf Slotta

Weiterführende Literatur:
MÜLLER, Rainer W. / STAERK, Dieter (Hrsg.) (1998): Quierschied – die Gemeinde im Saarkohlenwald. Ein Gemeindebuch mit Fischbach, Göttelborn und Camphausen. Quierschied.
SCHMITT, Armin (1989): Denkmäler saarländischer Industriekultur. Wegweiser zur Industriestraße Saar-Lor-Lux. Saarbrücken.
SLOTTA, Delf (2011): Der Steinkohlenbergbau an der Saar und sein bauliches Erbe. Technische Denkmäler und architektonische Kostbarkeiten im saarländischen Bergbaurevier. In: RAG Aktiengesellschaft (Hrsg.): Bergmannskalender 2011. Herne und Saarbrücken, S. 68-137.
STADTVERBAND SAARBRÜCKEN (Hrsg.) (1999): Das ehemalige Knappschaftskrankenhaus in Quierschied. Saarbrücken. (Faltblatt der Reihe „Kulturdenkmäler im Stadtverband Saarbrücken“).

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Der Rechtsschutzsaal in Bildstock

Er ist leicht zu übersehen: der „Rechtsschutzsaal“ in der Hofstraße zu Bildstock. Dabei erinnert er an die große Streikzeit im Saarbergbau zwischen 1889 und 1893 und vor allem an die kurze Geschichte des Rechtsschutzvereins, der am Anfang der Gewerkschaftsbewegung an der Saar stand.

74 RechtsschutzsaalBis in die 1880er-Jahre war es im Saarbergbau kaum zu Streiks gekommen. Die Industrialisierung, die Auflösung der traditionellen Ordnung und die durchgreifende Umgestaltung der Lebensweisen verliefen jedoch nicht ohne Konflikte. Der Preußische Staat als Betreiber der Saargruben sah in einer breit angelegten Wohlfahrtspolitik ein geeignetes Instrument zur Wahrung des sozialen Friedens. Dennoch war es nur eine Frage der Zeit, bis die latente Unzufriedenheit in einen offenen Konflikt einmündete. 1889 solidarisierten sich zunächst etwa 3.000 Bergleute in Bildstock zum Kampf für den Acht-Stunden-Tag und Lohnerhöhungen. Um diesen „Bildstocker Forderungen“ Nachdruck zu verleihen, kam es Ende Mai 1889 zu einem ersten Streik, der jedoch rasch in sich zusammenbrach. Als ein großes Manko hatte sich die noch fehlende Organisation erwiesen.

75 RechtsschutzsaalAm 28.07.1889 riefen die Streikführer zur Gründungsversammlung des Rechtsschutzvereins zusammen. Zum Vorsitzenden wählten die Mitglieder den Bergmann Nikolaus Warken, genannt „Eckstein“. Trotz Unterdrückungsversuchen durch den Staat und Hetzkampagnen der bürgerlichen Presse waren 19.000 bis 24.000 der etwa 25.000 Bergleute an der Saar im Rechtsschutzverein organisiert. 1891 erfolgte die Grundsteinlegung des neuen großen Vereinshauses. Die Einweihung des Rechtsschutzsaales fand am 11.09.1892 statt. Neuerliche Streiks in den Jahren 1892 und 1893 schwächten den Verein entscheidend, zu massiv waren die Repressionsmaßnahmen der Bergverwaltung. Am 27.08.1896 erfolgte schließlich die Selbstauflösung des Vereins, der Rechtsschutzsaal wurde verkauft. Das von der Stiftung Rechtsschutzsaal in den 1990er-Jahren restaurierte Bauwerk gilt als das älteste Gewerkschaftsgebäude der Bundesrepublik Deutschland.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Stadt Friedrichsthal (oberes Foto), Delf Slotta (unteres Foto)

Weiterführende Literatur:
STADT FRIEDRICHSTHAL (Hrsg.) (1999): Zeitreise. Friedrichsthal, Bildstock und Maybach im Wandel der Zeit. Friedrichsthal.
STADTVERBAND SAARBRÜCKEN / ARBEITSKAMMER DES SAARLANDES / STIFTUNG RECHTSSCHUTZSAAL (Hrsg.) (1996): Stein auf Stein. Zur Geschichte des Rechtsschutzsaales Bildstock. Friedrichsthal und Saarbrücken.

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Die Halde Lydia der Grube Camphausen

Im Jahr 2006 gab die RAG Montan Immobilien GmbH das imposante, zwischen Fischbach und Dudweiler befindliche Ensemble der Camphausener Halde Lydia nach Beendigung umfangreicher Sanierungs- und Rekultivierungsarbeiten für die Öffentlichkeit frei. Unter dem Motto „Aufstieg–Aussicht–Aktion“ ist hier einer der faszinierendsten Orte im Saarkohlenwald, der zwischen Saarbrücken, Völklingen und Neunkirchen gelegenen Industrielandschaft, entstanden.

Lydia 1 und 2 Slotta kleinDie Geschichte der Grube Camphausen begann im Jahr 1871. 1990 stellte das traditionsreiche Bergwerk den Betrieb ein. In unmittelbarer Anlehnung an die Betriebsgebäude war ab den 1950er-Jahren, nachdem die bisherige Halde des Bergwerkes Camphausen, die sich nördlich der Fischbachbahn befand, nicht mehr aufnahmefähig war, mit der Schüttung zweier Kegelsturzhalden begonnen worden. Diese Halden sind in den folgenden Jahrzehnten in die jetzige Plateauhalde integriert worden. Die Halde Lydia überlagert heute eine Fläche von 66 Hektar, das Haldenplateau selbst nimmt 12 Hektar ein. Die mächtige Landmarke überragt das natürliche Relief um 60 bis 120 Meter, ihr höchster Punkt liegt 360 Meter über NN.

Im Zuge des Haldenumbaus waren verschiedene bautechnische Probleme zu bewältigen. An der Nordflanke mussten verschiedene unterirdische Brandherde unter Kontrolle gebracht werden. Außerdem war die Halde im Nordteil auf einen früheren Absinkweiher aufgetragen worden, sodass sich der Haldenfuß ständig in Richtung der Fischbachtalbahn verschob. Zum Umbau gehörte zudem die Schaffung neuer Zuwegungen. Der Haldenaufstieg an der Südwestflanke bietet grandiose wechselnde Ausblicke auf die Waldbilder des Saarkohlenwaldes. Der auf der gegenüberliegenden Ostflanke angelegte Weg erlaubt hingegen einen Blick auf das pulsierende Leben im Sulzbachtal.

Lydia 3 Slotta kleinLydia 4 Slotta kleinLydia 5 Slotta kleinDas Haldenplateau wurde ganz bewusst in radikalem Kontrast zum üppigen Grün des Saarkohlenwaldes bzw. zur Vielfalt der Siedlungsflächen im Sulz- und Fischbachtal gestaltet. Die Besucherinnen und Besucher erwartet eine kahle, schüsselförmige Bergelandschaft, deren Künstlichkeit durch die Schärfe der Geländekanten noch zusätzlich betont wird. Das große schwarz-graue Plateau, die Wälle an den äußeren Rändern, die den Eindruck eines Mondkraters verstärken, die spärliche Vegetation und die im südlichen Teil der Haldenoberfläche angelegte skurrile Hügellandschaft aus Bergematerial vermitteln das Bild eines „Jardin mystique“. Besondere Blickfänge sind die drei auf dem Gipfelplateau angelegten „Himmelsspiegel“. Dabei handelt es sich um flache, kreisrunde Becken, in denen sich der Himmel und die Wolken spiegeln, sobald sich in ihnen das Regenwasser gesammelt hat.

Die Lydia-Halde ist faszinierend und bildreich, und das zu allen Jahreszeiten! Die Menschen aus der Region haben sie längst als „ihre Halde“ angenommen. Hier tummeln sich ständig Wanderer und Mountainbiker, Familien lassen Drachen steigen, es werden Picknicks veranstaltet und an manchen kirchlichen Feiertagen werden Gottesdienste am Gipfelkreuz gefeiert. Die Meisten aber suchen die Halde Lydia auf, um Ruhe zu finden und um die fantastischen Ausblicke zu genießen.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Delf Slotta

Weiterführende Literatur:
BAUER, Kurt / RUTH, Karl Heinz (1978): Grube Camphausen. Neunkirchen.
GROSS, Werner (1971): 100 Jahre Grube Camphausen. Neunkirchen.
MÜLLER, Rainer W. / STAERK, Dieter (Hrsg.) (1998): Quierschied – die Gemeinde im Saarkohlenwald. Ein Gemeindebuch mit Fischbach, Göttelborn und Camphausen. Quierschied.
PFEIFER, Herbert (2010): Camphausen. Geschichte und Geschichten. Saarbrücken-Dudweiler.
SLOTTA, Delf (2007): Der Saarkohlenwald und der neue Haldenrundweg – Regionalpark Saar schafft neue Qualitäten für die Stadtlandschaft im Saarland. In: RAG Aktiengesellschaft (Hrsg.): Bergmannskalender 2007. Herne und Saarbrücken, S. 93-112.
SLOTTA, Delf (2010): Wandkalender 2010: Kunst auf der Bergehalde – Ehemalige Bergbauflächen werden zu Erlebnisorten. In: RAG Aktiengesellschaft (Hrsg.): Bergmannskalender 2010. Herne und Saarbrücken, S. 78-94.

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Das Pumpenhaus im Itzenplitzer Weiher

Der Itzenplitzer Weiher in Schiffweiler-Heiligenwald ist zweifellos eines der schönsten Ausflugsziele im Saarkohlenwald, dem historischen Kernraum des Saarbergbaus. Blickfang inmitten der beliebten Weiheranlage ist das historische Pumpenhaus – eine technische Rarität, die in Deutschland einzigartig ist. Das Pumpenhaus gilt als Wahrzeichen von Heiligenwald und ist wie der Weiher bergbaulichen Ursprungs.

Pumpenhaus Itzenplitz 1 Slotta kleinPumpenhaus Itzenplitz 2 Slotta kleinAm 7. August 1860 war die exakt 1,87 km lange Lokomotiv-Zweigbahntrasse „Reden – Itzenplitz“ in Betrieb genommen worden. Sie verband das an der „Saarbrücker Bahn“ liegende, bereits im Jahre 1846 angeschlagene Bergwerk Reden mit den Itzenplitz-Schächten. Diese Grube war 1857 angehauen worden. Sie erhielt 1864 den Namen des Grafen Heinrich August von Itzenplitz (1799–1883). Der preußische Handelsminister und oberste Leiter des Berg-, Hütten- und Salinenwesens war bei den Umbenennungsfeierlichkeiten persönlich anwesend.

Der Bau dieser Kohlentransportbahn machte die Schüttung eines Damms durch das Klinkenbach- und Kallenbachtal notwendig. In den Jahren 1878/79 wurde hinter dem Damm ein Teich angelegt. Ein erstes Pumpwerk entstand zur gleichen Zeit am nordwestlichen Weiherufer. Der Bahndamm diente nunmehr gleichzeitig als Staudamm. Die im Itzenplitzer Weiher angestauten Wässer des Klinken- und Kallenbachs wurden zur Speisung der Dampfmaschinen und als Reservoir für die Gruben Itzenplitz und Reden genutzt. Darüber hinaus wurden die gehobenen Grubenwässer in diesen Weiher abgeleitet. Der Weiher ist übrigens auch als Rußhütter Weiher bekannt, was auf die bereits 1850 stillgelegte Rußhütte zurückgeht. Sie wurde ursprünglich von den Herren von Kerpen aus Illingen betrieben und befand sich zuletzt in preußischem Staatsbesitz.

Pumpenhaus Itzenplitz 3 Slotta klein1907/08 wurde das jetzige Pumpenhaus errichtet. Über kreisrundem Grundriss erhebt sich ein aus rotem Sandstein errichteter Quadersockel. Auf ihm liegt ein Umgang auf, der über einen Steg mit dem Ufer verbunden ist. Der weiß verputzte Maschinenraum wird durch große, halbrund geschlossene Fenster belichtet, deren ursprüngliche Verglasung noch weitgehend vorzufinden ist. Die Maschinen sind leider nicht mehr erhalten. Die Tür stammt allerdings noch aus der Erbauungszeit. Den Baukörper krönt ein achtseitiges Schieferdach, das über einem ebenfalls verschieferten Abschlussgesims aufgesetzt ist. Eine vergoldete Dachspitze wurde als auffälliges Schmuckelement hinzugefügt.

Das Itzenplitzer Pumpenhaus muss als besonderes Kleinod im Denkmalbestand des Saarbergbaus bewertet werden. Die Architektur des Pumpenhauses widerlegt die häufig anzutreffende Meinung, industrielle Bauten seien ohne ästhetische Qualität. Weiher und Pumpenhaus sind die beliebteste Attraktion innerhalb des „Naherholungsraumes Itzenplitz“, einer rund sieben Quadratkilometer großen Kulturlandschaft, die von den Gemeinden Merchweiler und Schiffweiler sowie der Stadt Friedrichsthal im Rahmen eines Zweckverbandes seit dem Jahr 1972 systematisch entwickelt wird. Sie sind zudem – wie auch die nahe gelegenen Tagesanlagen der Gruben Itzenplitz und Reden – wichtige Bestandteile der „Schiffweiler Bergbauwege”, die im Jahr 2000 der Öffentlichkeit übergeben wurden.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Delf Slotta

Weiterführende Literatur:
GEMEINDE SCHIFFWEILER (Hrsg.) (2003): Bergbau in Schiffweiler. Schiffweiler.
SLOTTA, Delf (2000): Schiffweiler Bergbauwege. (Hrsg.: Gemeinde Schiffweiler). Schiffweiler. (Informationsbroschüre).
WILHELM, Horst / SLOTTA, Delf (2010): Itzenplitz – einst und jetzt. Eine Histographie. (Hrsg.: Förderverein Itzenplitz e.V.). Schiffweiler-Heiligenwald.
ZWECKVERBAND NAHERHOLUNGSRAUM ITZENPLITZ (Hrsg.) (2003): 30 Jahre Zweckverband Naherholungsraum Itzenplitz – Bilanz einer Erfolgsstory. Merchweiler-Wemmetsweiler. (Festschrift – Konzept und Text: Delf Slotta).

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Pingen, Schürfe und Hohlwege bei Heiligenwald

Der Steinkohlenbergbau im Saarland hat eine lange Geschichte. Die Gründe dafür liegen in der Struktur und der Lage der hiesigen Kohlenlagerstätte. Im Ensdorfer Raum, vor allem aber im Saarkohlenwald zwischen Saarbrücken und Neunkirchen, streichen an vielen Stellen kohleführende Schichten, sogenannte Flöze, an der Tagesoberfläche aus. In zahlreichen urkundlichen Erwähnungen aus dem späten Mittelalter und der Frühen Neuzeit wird bereits von einem „wilden Kohlegraben am Flözausgehenden“ berichtet. Hierbei handelte es sich noch nicht um einen kunstgerechten Bergbau mit wirksamer Wasserlösung (= Wasserabführung aus einem Bergwerk). Vielmehr wurde die Steinkohle von den Kohlegräbern plan- und regellos mit primitivem Gezähe, zumeist Feldhacken und Spaten, gewonnen. Die mehr oder weniger zufällig aufgefundenen Abbaupunkte wurden in Streichrichtung (= Richtung der Längserstreckung einer Gesteinseinheit) der Flöze vorangetrieben. Dabei entstanden zahlreiche kleine Hohlformen, die so lange genutzt wurden, bis die Flöze mit den damaligen technischen Mitteln nicht weiter abgebaut werden konnten oder aber die Hohlformen mit Wasser vollliefen. Die zumeist trichter- oder grabenförmigen Vertiefungen, die aus diesem einfachen übertägigen Kohleabbau resultieren, werden als „Kohlepingen“ bezeichnet.

Pingenfeld 2 Slotta kleinPingenfeld 1 Slotta kleinVon den Pingen lässt sich ein anderer, physiognomisch ähnlicher Typ bergbaubedingter Hohlformen unterschieden: die „Schürfe“: Zur Exploration der Lage und des Verlaufs der kohleführenden Schichten brachten die Bergbaubetreiber vor allem im 19. Jahrhundert flächenhaft und großräumig Probe- und Suchbohrungen nieder. Diese sollten helfen, Kohlenflöze aufzufinden und ein vollständiges Bild der karbonen Lagerstätte zu zeichnen. Schürfe sind somit keine Kohlegewinnungsorte. Sie treten räumlich vergesellschaftet auf und bilden in der Regel lineare Strukturen aus.

Spuren und Relikte dieser frühen bergbaulichen Aktivitäten finden sich in besonders einprägsamer Weise im Bereich des „Naherholungsraumes Itzenplitz“, einer siedlungsnahen Erholungslandschaft, der die Gemeinden Merchweiler und Schiffweiler sowie die Stadt Friedrichsthal als Träger eines 1972 gebildeten Zweckverbandes ein qualitätvolles touristisches Profil verliehen haben. Allein im Waldgebiet zwischen dem Altsteigershaus (an der Landstraße zwischen Merchweiler und Bildstock) und dem Itzenplitzer Weiher bei Heiligenwald haben sich über 350 Pingen erhalten, die eindrucksvolle Landschaftsbilder erzeugen.

Pingenfeld 3 und 4 Slotta kleinDie Wurzeln der bergbaulichen Nutzung in diesem Raum liegen im 18. Jahrhundert. Das seit dem 14. Jahrhundert mit der Herrschaft Illingen belehnte Geschlecht der Reichsgrafen von Kerpen hatte im Jahre 1754 die Genehmigung zum Betrieb einer landesherrlichen Steinkohlengrube im Illinger Wald erteilt. Neben dieser Illinger Abbaustätte bestand seit dem Jahr 1765 eine zweite Grube, die vom Besitzer der neu errichteten Glashütte zu Merchweiler geleitet wurde. Eine um 1800 gegründete Rußhütte verwertete die geringwertigen Kohlen. Im Jahre 1821 wurden die beiden Gruben vereinigt und unter dem Namen „Grube Merchweiler“ weitergeführt. Darüber hinaus betrieben zahlreiche Kohlengräber einen Abbau im Nebenerwerb.

In dem stark hängigen Gelände westlich von Heiligenwald streichen mehrere Kohlenflöze auf breiter Front aus. Der Abbau erfolgte durch das allmähliche, schrittweise Vortreiben der Abbaufront in die Böschung hinein. Die meisten der bis heute überdauerten Pingen zeigen ovale bzw. kreisförmige Grundrisse. Die Durchmesser dieser Oval- bzw. Rundpingen, gemessen an deren oberem Rand, schwanken zwischen 3 und 11 Metern. Ihre Tiefen betragen zum Teil bis zu 5 Meter. Daneben existieren auch langgestreckte Grabenpingen. Hohe Aushubwälle begleiten die grabenförmigen Strukturen, die Längen von bis zu 40 Metern erreichen. Zudem sind auch Teile des historischen Wegesystems erhalten geblieben. Breite Hohlwege sind bis zu vier Meter tief eingekerbt. Durch die Hohlwege erfolgte der Abtransport der Kohlen – mittels Pferdefuhrwerken, Handwagen oder Schubkarren – zu den Sammel- und Verladeplätzen.

Das hiesige Vorkommen von Zeugnissen der frühen Kohlegewinnung ist das aussagekräftigste im gesamten Saarbergbau. Es bedarf jedoch des Hinweises, dass in den Notjahren der beiden Weltkriege bis hinein in die 1960er-Jahre in diesem Waldgebiet nochmals mit den überlieferten Gewinnungstechniken nach Kohlen gegraben worden ist. So erklärt sich auch der gute Erhaltungszustand vieler der hier lokalisierbaren Pingen.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Delf Slotta

Weiterführende Literatur:
GEMEINDE SCHIFFWEILER (Hrsg.) (2003): Bergbau in Schiffweiler. Schiffweiler.
SLOTTA, Delf (1991): Von Pingen und Schürfen – Zeugnisse und Relikte des frühen Bergbaus im saarländischen Steinkohlenrevier. In: Saarbergwerke AG (Hrsg.): Saarbrücker Bergmannskalender 1991. Saarbrücken, S. 99-109.
SLOTTA, Delf (2000): Schiffweiler Bergbauwege. (Hrsg.: Gemeinde Schiffweiler). Schiffweiler. (Informationsbroschüre).
WILHELM, Horst / SLOTTA, Delf (2010): Itzenplitz – einst und jetzt. Eine Histographie. (Hrsg.: Förderverein Itzenplitz e.V.). Schiffweiler-Heiligenwald.
ZWECKVERBAND NAHERHOLUNGSRAUM ITZENPLITZ (Hrsg.) (2003): 30 Jahre Zweckverband Naherholungsraum Itzenplitz – Bilanz einer Erfolgsstory. Merchweiler-Wemmetsweiler. (Festschrift – Konzept und Text: Delf Slotta).

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Der Brennende Berg

Der zwischen Dudweiler und Sulzbach im Saarkohlenwald gelegene Berg war schon im späten Mittelalter Ort des ersten größeren Steinkohlenbergbaus auf Dudweiler Gemarkung. 76 BrennenderIm Jahr 1769 äußerte der Hofkammerrat Heuss, dass „der Dudweiler Bann unstreitig die gesegnetste Gegend des Landes an Steinkohlen“ sei. Als ergiebigste Grube wird die sogenannte Landgrube am Brennenden Berg benannt. Woher hat dieser Berg seinen Namen? Hier geriet ein Flöz, so nennt der Bergmann eine kohlenführende Schicht, in Brand, der nunmehr seit über drei Jahrhunderten aktiv ist. Diese Entzündung gab Anlass zu einer eigenartigen Industrie, die der Dudweiler Stadtchronist Albert Ruppersberg 1923 beschrieb: „Man fand nämlich in dem oberhalb des Brandfeldes liegenden Schiefer Stücke von kalziniertem Alaun, der wohl durch Regengüsse aus dem gerösteten Schiefer ausgelaugt war“. Alaun ist ein Mineral, das damals zur Herstellung von Farben und Salmiak diente.

Selbst in der Literatur hat der Brennende Berg seinen Niederschlag gefunden. Johann Wolfgang von Goethe stattete dem Berg 1770 nur wegen dieses Phänomens einen Besuch ab. Seine Eindrücke hat der Dichterfürst in „Dichtung und Wahrheit“, Band X, ausgiebig geschildert. Die von Goethe beschriebenen Örtlichkeiten bestehen bis heute nahezu unverändert; eine Gedenktafel erinnert heute an den Goethe-Besuch. Und auch der Berg brennt noch. Vor allem in der kalten Jahreszeit ist das Schauspiel äußerst eindrucksvoll.

Brennender Berg 

Der Brennende Berg besitzt aber noch weitere Sehenswürdigkeiten: einen mittlerweile selten gewordenen historischen Bergfestplatz, die wohl schönste Direktorenvilla des Saarbergbaus oder die legendären „Schwarze Wege“, über die die Bergleute früher zu den Gruben gelangten. Diese Attraktionen sind in einem von der Europäischen Union kofinanzierten Projekt im sogenannten „Erlebnispfad Industriekultur Brennender Berg“ zusammengefasst und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Seitdem wandeln zu allen Jahreszeiten wieder Tausende auf Goethes Spuren am Brennenden Berg.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Historische Aufnahme zur Verfügung gestellt von Familie Werner Zimmer aus Dudweiler (oberes Foto), Delf Slotta (untere Fotos)

Weiterführende Literatur:
ZIMMER, Werner (2006): Von der Teufelsbrücke zum Brennenden Berg. Das alte Industriegebiet im Nordosten Dudweilers mit seinen Werks- und Wohngebäuden. In: Historische Beiträge der Dudweiler Geschichtswerkstatt, Band 9, S. 40-55.
ZWECKVERBAND BRENNENDER BERG (2005): Erlebnispfade Industriekultur, Wald und Wasser. Informationsbroschüren. Sulzbach/Saar.

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Geislautern – ehemaliges Innovationszentrum des Montanwesens

Nur wenigen ist bekannt, dass der heutige Völklinger Stadtteil Geislautern über Jahrhunderte hinweg ein bedeutsamer Montanstandort war. Zahlreiche Innovationen im Bereich des Bergbaus und des Eisenhüttenwesens wurden hier auf den Weg gebracht.

Geislautern 1 Slotta kleinGeislautern 2 Slotta kleinDie Anfänge der Geislauterner Eisenhütte liegen im Jahre 1572. Damals erteilte der Landesherr, Graf Johann IV. von Nassau-Saarbrücken, Interessenten die Erlaubnis, in der Grafschaft nach Erz zu graben sowie Hammer- und Schmelzwerke anzulegen. Besondere Bedeutung erlangt die Eisenhütte in der napoleonischen Zeit: Napoleon, von 1804 bis 1815 Kaiser Frankreichs, hatte ein besonderes Interesse an Geislautern – aus wirtschaftlichen und militärischen Gründen. Der Hütte wurde daraufhin eine praktische Berg- und Hüttenschule zur Ausbildung von Ingenieuren angeschlossen, zu deren Direktor der bekannte Ingenieur Jean Baptiste Duhamel ernannt wurde. In der Folge wurden ein Akademiegebäude und Beamtenwohnungen errichtet. Unter anderem erhielt die Geislauterner Einrichtung den Auftrag, die Kohlevorkommen an der Saar karthographisch festzuhalten. Im Jahr 1810 hatten die Ingenieurgeodäten Louis-Antoine Beaunier und Michel-François Calmelet das Werk vollendet: den Saarkohlen-Atlas (« Atlas des concessions du Terrain Houiller de la Sarre »). Die erste flächendeckende Erfassung der topographischen und industriellen Strukturen in der Saarregion lagen nunmehr vor. Der Atlas wurde in den Folgejahren zur Grundlage der systematischen Erschließung der saarländischen Steinkohlenlagerstätten.

Geislautern 3 Slotta kleinGeislautern 4 Slotta kleinDes Weiteren wurden in Geislautern Versuche zur Eisenverhüttung mit Steinkohle durchgeführt. Das Eisenwerk bestand zu diesem Zeitpunkt aus zwei Hochöfen, drei Frischfeuern und einer Schwarz- und Weißblech-Fabrik. Während die Eisenwaren größtenteils im Rheinland und in Holland abgesetzt wurden, verkaufte man Stahlerzeugnisse und Bleche fast ausnahmslos nach Frankreich. Im Jahre 1815 gelangte das Eisenwerk in den Besitz des preußischen Staates, der es 1827 an die Gebrüder Stumm verkaufte. Diese brachten es in die Dillinger Hütte ein, an der sie bereits maßgeblich beteiligt waren. In den 1840er-Jahren wurde ein Puddel- und Walzwerk in Betrieb gesetzt. Die ungünstige Verkehrslage und der Aufschwung des Hauptwerkes in Dillingen führten jedoch 1874 zur Stilllegung der Hochöfen und später auch des Puddel- und Frischwerkes. 1884 wurden die Anlagen verkauft und in der Folgezeit die meisten Gebäude abgerissen. Die verbliebenen Baulichkeiten übernahm im Jahre 1893 die Mühle Abel & Schäfer. Der größte Teil des Bergschulgebäudes fiel 1945 einem Großbrand zum Opfer und wurde später abgerissen.

Geislautern 6 Slotta kleinGeislautern 5 Slotta kleinDie Objekte und Spuren, die an diesen für das saarländische Montanwesen so wichtigen Standort erinnern, liegen allesamt in der Geislauterner Schloß-, Warndt- und Hammerstraße. In der Schloßstraße 20 hat sich das schmucke, in Teilen noch originale spätbarocke Verwaltungsgebäude der Geislauterner Eisenschmelze aus den 1820er-Jahren erhalten. Ihm gegenüber befindet sich eine aus drei Hüttenarbeiterhäusern bestehende Zeilenbebauung, die wohl zwischen 1822 und 1842 entstanden ist. Vor allem die Gebäudeeinheit Schloßstraße 16/18 ist sehr aussagekräftig. Über einem hohen Sockel erhebt sich der eingeschossige Bau, der noch die originalen Sandsteingewände sowie das Satteldach mit den Falzziegeln als der traditionellen Dachhaut aufweist. Inmitten des Geländes der Mühle Abel & Schäfer und dennoch gut einsehbar steht als einziges übrig gebliebenes „Technisches Denkmal“ ein ehemaliges Triebwerksgebäude. Dem lang gestreckten Gebäude sitzt ein durchgehendes Satteldach auf. Ein kleiner Dachreiter mit Schlägel und Eisen, den Symbolen des Bergbaus, krönt die schlichte Architektur. Das Gelände der einstigen Berghochschule, gelegen zwischen der Hammer- und der Schloßstraße, wird von einer Umfassungsmauer eingerahmt. Eine Erinnerungstafel und der „Schlosspark“ selbst weisen auf diese untergegangene Ausbildungs- und Forschungsstätte des Montanwesens hin.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Delf Slotta

Weiterführende Literatur:
BUCHLEITNER, Hans Peter (1952): Die Berg- und Hüttenschule Geislautern (Saar), (1807–1815). Ein Beitrag zur Lösung der Streitfrage: „Wo stand die erste saarländische Bergschule?“ – eine Quellenstudie. Saarbrücken.
Die Inspektion XII zu Geislautern. In: Saarbrücker Bergmannskalender 1934. Saarbrücken, S. 11-35.
HEIMATKUNDLICHER VEREIN WARNDT E.V. (Hrsg.) (2004): 400 Jahre Ludweiler 1604–2004. Völklingen und Blieskastel.
RUTH, Karl-Heinz (ohne Jahresangabe) [1999]: Grubenbaue im „Atlas des Concessions du Terrain Houiller de la Sarre“. Saarbrücken. (= Saarbergwerke AG (Hrsg.): Stollen und Schächte im Steinkohlenbergbau an der Saar, Nr. 24).
SLOTTA, Delf / REINHARDT, Thomas (2012): Gruben und Bergbaulandschaften im Saarland. Letzte Seilfahrt – Fotografien von Fördertürmen, Bergehalden und Absinkweihern. Dillingen. zum Online-Shop

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Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Die Völklinger Hütte, Bereich Roheisenerzeugung, wurde im Dezember 1994 von der UNESCO auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt. Es handelte sich hierbei um einen auch für die UNESCO und ihre Gremien bemerkenswerten Vorgang, denn mit der Völklinger Eisenhütte wurde erstmals ein Objekt allein wegen seines industriekulturellen Wertes in die Liste aufgenommen. Sowenig dies für die UNESCO eine Selbstverständlichkeit darstellt, sowenig ist dieser Vorgang breiten Teilen der Bevölkerung verständlich (gewesen): Warum ist ein rostender Hochofen dem Taj Mahal in Indien, eine Koksbatterie der Chinesischen Mauer kulturell gleichwertig? Was macht den Wert dieser Anlage aus, worin ist ihre Einzigartigkeit begründet?

Völklinger HütteDie Völklinger Hütte, 1873 gegründet, dokumentiert auf engstem Raum eine Roheisenerzeugungsanlage, die als historisch zu bezeichnen ist. Die erhaltenen Anlagen verkörpern eine durch die Entwicklung der Technik und fortschreitende Modernisierung andernorts bereits untergegangene Arbeits- und Produktionswelt der Industrie. Neben der Möglichkeit, hier den Prozess einer großtechnischen Roheisenerzeugung anhand originaler Anlagen zu veranschaulichen, konnten am Standort Völklingen zudem Monumente herausragender technikgeschichtlicher Bedeutung erhalten werden. Die Gebläsehalle mit ihrem Maschinenbestand, die Trockengasreinigungen, die Hängebahnanlagen und die Sinteranlage dokumentieren jeweils innovative Pionierleistungen ihrer Zeit, die zum Teil die Roheisenerzeugung weltweit beeinflussten. In ihrem originalen Erhaltungszustand sind sie materiell erlebbare technikgeschichtliche Meilensteine.

Der Schutz und die Pflege einer Eisenhütte als großtechnische Anlage besonderer Komplexität sind in der Denkmalpflege bis heute ohne Vorbild. Der Erhalt und die Entwicklung eines neuen Gebrauchs, einer neuen Nutzung und der aus ihr folgende Umgang sind die Aufgaben der 1999 gegründeten Trägergesellschaft „Weltkulturerbe Völklinger Hütte – Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur“. Die ambitionierte Arbeit der „Weltkulturerbe-Gesellschaft“ im, am und mit dem Denkmal hat das Weltkulturerbe Völklinger Hütte im Saarland und weit darüber hinaus schon jetzt zu einem kulturellen und touristischen „Leuchtturm“ werden lassen.

Die Völklinger Hütte, zeitweise der mit Abstand bedeutendste Arbeitgeber der saarländischen Eisen- und Stahlindustrie, hat die Entwicklung der Region SaarLorLux kontinuierlich und entscheidend beeinflusst. Sie hat die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Identität des Saarlandes wesentlich geprägt. Als Denkmal ist die Völklinger Hütte ein Wahrzeichen nicht nur saarländischer Industriegeschichte, sondern auch Wahrzeichen einer Epoche, die Europa in der Welt groß gemacht hat. Der berechtigte Stolz der Saarländerinnen und Saarländer darauf, ein Objekt von Weltgeltung ihr Eigen nennen zu dürfen, bezieht ausdrücklich auch die Menschen mit ein, die dieses Werk geschaffen haben. Die hohe Auszeichnung ist und bleibt nicht zuletzt Herausforderung für den künftigen Umgang mit dem Denkmal Völklinger Hütte.


Text:
Delf Slotta

Foto:
Olaf Kühne

Weiterführende Literatur:
ANDRÄ, Armin (2006): Betriebsanlagen der Völklinger Hütte nach Berichten der Werkszeitungen von 1952 bis 1974. (Hrsg.: Heimatkundlicher Verein Warndt e.V.). Völklingen-Ludweiler.
FUNK, Günther (1996): Aus der Geschichte des Weltkulturerbes Alte Völklinger Hütte, Teil 1. Die Gründerfamilie Röchling. (Hrsg.: Heimatkundlicher Verein Warndt e.V.). Völklingen-Ludweiler.
INITIATIVE VÖLKLINGER HÜTTE E.V. (2006): Die Völklinger Hütte. Völklingen. (= Schriftenreihe der Initiative Völklinger Hütte e.V., Band 4).
GREWENIG, Meinrad Maria (Hrsg.) (2001): Völklinger Hütte. 2000 fotografiert von Franz Mörscher. Völklingen.

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Die Spitzkegelhalden „Hermann und Dorothea“ bei Hostenbach

Völklingen ist reich an Landmarken. Ganz besondere Wertschätzung besitzen die hohen Spitzkegelhalden der Völklinger Hütte, die sich auf dem Wehrdener Ufer über dem Saarfluss erheben und das Gesamtbild der Völklinger Industrielandschaft abrunden. Die Einheimischen haben schon sehr früh eine eigene, sehr innige Beziehung zu diesen prägnanten Teilen der sie umgebenden Kulturlandschaft entwickelt. 80 HostenbachDie Hostenbacher, die unmittelbar nördlich der drei hohen Schlackenkegel wohnen, haben den Begriff der „Hostenbacher Alpen“ kreiert. Andere sagen „Hermann und Dorothea“, wenn sie auf die beiden von der Völklinger Innenstadt aus sichtbaren Haldenkörper aufmerksam machen wollen. Diese Namenswahl ist eine Reminiszenz und zugleich eine Ehrerbietung. Sie gilt zum einen dem Kommerzienrat Hermann Röchling (1872–1955), einer der schillerndsten, aber auch umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Großindustrie des 20. Jahrhunderts. Der Name Dorothea bezieht sich auf Hermann Röchlings Ehefrau Theodora, eine geborene Müller. Aus Theodora wurde Dorothea – das klingt anscheinend eingängiger.

Die Schüttung der Halden dauerte Jahrzehnte. Abgelagert wurden Schlacken, Waschberge und Kraftwerksreststoffe. Ungeheuere Materialmengen sind von den auf den Schrägaufzügen fahrenden Kipploren bergwärts transportiert worden. 76 ha groß ist die Ablagerungsfläche heute. Die drei ineinander übergehenden Spitzkegel überragen das natürliche Relief um 90 bis 130 m und messen Höhen von 313 bis 337 m über NN. Hermann und Dorothea sind besondere Halden, die Künstlichkeit ihrer Form ist augenfällig. Kein anderes Haldenensemble im saarländischen Industrierevier ist so unverändert erhalten geblieben. Die Erosion hat den Haldenkörpern bislang kaum etwas anhaben können. Die Sukzession hat eine nur dünne, unvollständig ausgeprägte Vegetationsdecke an den Haldenflanken hervorgebracht. Aufgrund ihrer landschaftsbildprägenden Kraft gilt es, diese Landmarken des Industriezeitalters zu erhalten und in ihrem Bestand dauerhaft zu sichern.


Text:
Delf Slotta

Foto:
Sarah Halbfeld

Weiterführende Literatur:
INDUSTRIEKULTUR SAAR (Hrsg.) (2003): Netzwerk der Industriekultur Saarland. Masterplan-Entwurf. Quierschied-Göttelborn.
MINISTERIUM FÜR UMWELT (Hrsg.) (2006): Regionalpark Saar. Neue Qualitäten für die Stadtlandschaft im Saarland. Der Masterplan: Zwischenbilanz und Perspektiven 2012. Saarbrücken.

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Die „Alte Schmelz“ in St. Ingbert

Die „Alte Schmelz“, Werk und Siedlung des St. Ingberter Eisenwerks, ist ein einzigartiges Ensemble der Industriekultur und für die Sozial- und Industriegeschichte der Saarregion von herausragender Bedeutung. Sie ist ein faszinierender Beleg unternehmerischer Wohnungsfürsorge und ein gutes Beispiel für die enge Nachbarschaft des hüttenmännischen Wohnens und Arbeitens. An der Vielfalt und Vollständigkeit der Industrie- und Wohngebäude lassen sich noch heute alle Phasen der Entwicklungsgeschichte der Alten Schmelz nachvollziehen.

81 Schmelz 82 Schmelz

82a SchmelzDer 1733 gegründete Betrieb bestand anfangs aus einem Hammerwerk und einem Hochofen. Die barocke Möllerhalle von 1750 mit ihrem schieferverkleideten Uhrturm dokumentiert die Frühphase des Werkes. Es war die Unternehmerfamilie Krämer, die die „Schmelz“ zur Blüte führte und durch richtungsweisende Innovationen das Fortbestehen des Werkes sicherte. Bereits 1832 kam in St. Ingbert die erste Dampfmaschine in der Saar-Eisenindustrie zum Einsatz. 1833 führte man Puddelöfen ein, die mit Steinkohlenbefeuerung arbeiteten. Später entstand ein Thomasstahlwerk. Produziert wurden neben Gusswaren vor allem Eisenbahnschienen, Eisenträger und Draht. Die Krämers versorgten ihre Arbeiter zudem mit zu ihrer Zeit innovativen Dienstleistungen: Neben der Bereitstellung von Wohnraum mit Garten und Viehställen dienten ärztliche Betreuung in Praxis und Hospital, eine Pensionskasse, Schule, Badeanstalt und Konsumverein einer hohen Identifizierung der Arbeiter mit ihrem Unternehmen.

Als wichtige Industriedenkmäler, mittlerweile zum größten Teil denkmalgerecht saniert, bilden die Gebäude der Mechanischen Werkstatt und Elektrischen Zentrale, das Herrenhaus, die Direktoren- und Meisterhäuser, das Schlafhaus, die Arbeiter-Langhäuser sowie der Krämersche Park ein qualitätvolles städtebauliches Ensemble. Verstärkt durch die alles umfassende große Mauer wirkt die Alte Schmelz auch heute noch wie eine kleine autarke Stadt. Nach dem Rückgang der Produktion geht es heute um die Wiederbelebung brachgefallener Flächen und Gebäude, aber auch um das Bewahren eines wichtigen Stückes St. Ingberter Identität.


Text:
Frank Ehrmantraut, Delf Slotta

Fotos:
Sarah Halbfeld (obere Fotos), Delf Slotta (unteres Foto)

Weiterführende Literatur:
GLASER, Harald (2001): Die Alte Schmelz St. Ingbert. Industriegeschichtlicher Rundweg. St. Ingbert.
INITIATIVE ALTE SCHMELZ E.V. (Hrsg.) (ohne Jahresangabe): Die Alte Schmelz. Aufbruch statt Abbruch. Informationsblatt. St. Ingbert.

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Das Schloss Halberg

Gegen den Widerstand der Städte Saarbrücken und St. Johann verkaufte der Preußische Forstfiskus 1877 den Saarbrücker Halberg für die gewaltige Summe von 700.000 Reichsmark an den Hüttenbesitzer Karl Ferdinand Stumm (1836–1901). Vor Stumm hatte bereits 1709/10 der Saarbrücker Graf Ludwig Kraft ein Lustschloss auf dem Hochplateau in Stadtnähe erbauen lassen. Daneben entstand ein Barockgarten, den Hofgärtner Johann Friedrich Christian Koellner auf Veranlassung des Fürsten Ludwig 1772/73 um einen Landschaftspark erweiterte. Das Schloss, das ab 1774 der von ihrem untreuen Gatten enttäuschten Fürstin Wilhelmine als Aufenthaltsort diente, wurde 1793 von französischen Truppen zerstört. An solcherart berufenem Ort also ließ sich Karl Ferdinand Stumm einen repräsentativen Wohnsitz errichten. Stumm, dessen Beinamen „König von Saarabien“ seine Führerschaft innerhalb der Saarwirtschaft verdeutlicht, hatte 1873 die am Fuße des Halbergs gelegene Halbergerhütte von seinen Schwägern zurückgekauft. In der Folge beschloss er, seinen Unternehmenssitz von Neunkirchen nach Saarbrücken zu verlagern.

83 Schloss 84 Schloss

85 Schloss 86 Schloss

Die Öffentlichkeit wurde nun durch einen Zaun ausgesperrt, am Fuße des Halbergs wurden Pförtnerhäuser erstellt, und auf der ehemaligen Schlossterrasse ließ Stumm von dem Hannoverschen Baurat Edwin Oppler 1877–1880 ein Schloss im neugotischen Stil erbauen. Die Anlage umfasste außer dem Hauptgebäude einen Wirtschaftstrakt mit Wasserturm, einen Torbau und – etwas außerhalb – ein Beamten- und ein Gärtnerwohnhaus. Der Hauptbau, dessen Gartenseite mit ihren Türmchen, Spitzgiebeln, Gesimsen und dem mächtigen Mittelrisaliten geschmückt war, vermittelte eine Vorstellung der wirtschaftlichen Macht des Stummschen Imperiums.

Von Stumms Erben kam das Schloss über den Landkreis Saarbrücken 1939 an die Reichsrundfunkgesellschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg residierte hier der französische Militärgouverneur Gilbert Grandval, der als erklärter Gegner der Neugotik die Wiederherstellung der kriegsbeschädigten Fassaden in ihrer gegenwärtigen, „bereinigten“ Form veranlasste. Ihm folgte schließlich 1959 der Saarländische Rundfunk, dessen Intendanz in den ehemals Stummschen Gemächern heute ihren Amtssitz hat.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Historische Aufnahme zur Verfügung gestellt von Delf Slotta (oberes Foto links), Delf Slotta (oberes Foto rechts und untere Fotos)

Weiterführende Literatur:
CONRAD, Martina (1985): Schloß Halberg. Saarbrücken.
SAARLÄNDISCHER RUNDFUNK / GESCHICHTSWERKSTATT BREBACH (Hrsg.) (2006): Halberg History Tour. Informationsbroschüre. Saarbrücken.

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Die Dillinger Hütte

„Erlaubnis für den Marquis de Lenoncourt, in seiner Herrschaft Dillingen Eisenhütten, Stahlwerke und Schmelzen einzurichten“, so beginnt die 1685 vom französischen König Ludwig XIV. ausgestellte Gründungskonzession. Lenoncourt war ein erfahrener Hüttenfachmann, einige seiner Vorfahren gehörten zu den Pionieren der Eisenindustrie in Lothringen. Das Dillinger Werk bestand ursprünglich aus Schmelzöfen, Gießereien und einem Hammerwerk. Hergestellt wurden neben Roheisen auch Gusswaren wie Öfen, Kaminplatten und Töpfe.

87 DillingerFür die weitere Entwicklung der Hütte war die frühzeitige Spezialisierung auf die Blechproduktion maßgeblich. Inzwischen gehört die Dillinger Hütte dank einer hohen Flexibilität in allen Produktionsbetrieben und der Optimierung der Prozessabläufe zu den größten und qualitätvollsten Grobblechwerken weltweit. Am Standort Dillingen waren 2005 knapp 5.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. In den weitläufigen Anlagen des sogenannten „Integrierten Hüttenwerkes Dillingen“, das sich aus Zentralkokerei, Hochöfen, Blasstahlwerk, Stranggussanlage, Walzwerken und Weiterverarbeitungsbetrieben zusammensetzt, wird vom Roheisen über den Stahl bis zum veredelten Grobblech alles hergestellt.

88 DillingerAufgrund ständiger Modernisierungen sind technikgeschichtliche Besonderheiten kaum mehr anzutreffen. Erhalten ist noch der Kamin der alten Frischhütte – „frischen“ bedeutet die Umwandlung von Roheisen in Stahl durch Oxydation der begleitenden Bestandteile- und das zweistöckige, um 1800 entstandene Direktionsgebäude. Die Bausubstanz des sich anschließenden langgestreckten Verwaltungsgebäudes stammt ebenfalls aus der Frühzeit der Hütte. Hier waren im 19. Jahrhundert Magazine und Wohnungen untergebracht. Von den zahlreichen Sozialeinrichtungen hat nur das ehemalige Werkskrankenhaus (1911), allerdings stark verändert, überdauert. Eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Hütte befindet sich heute im Alten Schloss, das die Dillinger Hütte nach der Französischen Revolution gekauft hatte. Einen Einblick in die Produktion kann man im Rahmen einer Hüttenführung mit einem Hochofenabstich gewinnen – ein Erlebnis, das lange in Erinnerung bleibt.


Text:
Delf Slotta

Fotos:
Jens Falk

Weiterführende Literatur:
LEHNERT, Aloys (1968): Geschichte der Stadt Dillingen/Saar. Dillingen.
MARZEN, Walter (1994): Die saarländische Eisen- und Stahlindustrie 1430–1993. Saarbrücken.
SCHMITT, Armin (1989): Denkmäler saarländischer Industriekultur. Wegweiser zur Industriestraße Saar-Lor-Lux. Saarbrücken.

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Generaldirektion Villeroy & Boch in Mettlach

siehe „Kirchen und Klöster“ („Die Benediktinerabtei und der Alte Turm in Mettlach“)

 



Der Sudturm der Brauerei Becker

Die 1877 gegründete Brauerei Becker war die erste Brauerei in St. Ingbert, die den Bierbrauprozess mit industriellen Fertigungsweisen verband. Daher konnte sie sich als einzige der sieben Kleinbrauereien der Stadt im 20. Jahrhundert erfolgreich auf dem Markt behaupten. Der wirtschaftliche Erfolg der Brauerei machte ständige Modernisierungen und Betriebserweiterungen erforderlich. Bereits 20 Jahre nach der Firmengründung wurde der alte Brauereistandort in der Kaiserstraße (Gaststätte „Die alte Brauerei“) aufgegeben und das neue, heutige Betriebsgelände bezogen. Der anhaltende Aufwärtstrend in den 1920er-Jahren machte wiederum den Neubau vieler Betriebsgebäude notwendig, so auch die Errichtung des neuen Sudturmes (1925–1928), eine sowohl architektonische als auch brauereitechnische Meisterleistung.

89 SudturmDer Sudturm war aufgrund seiner exponierten Lage und seiner beachtlichen Höhe von 41 m bereits zu Bauzeiten zum Wahrzeichen der Stadt geworden. Die Stahlbetonkonstruktion, eine Schöpfung des Stuttgarter Architekten Hans Herkommer, umfasst neun Geschosse, wobei sich im obersten Geschoss eine Aussichtsplattform und im Geschoss darunter das noch original eingerichtete Braustübl befindet. Die unteren sieben Geschosse des Turmes beherbergen die eigentliche Brauereitechnik. Für die Höhe und das Aussehen des Turmes waren brauereitechnische Gründe maßgebend: Über eine Vakuumpumpe gelangte das Malz in den achten Stock des Turmes, von wo aus der Brauprozess ohne Energiezufuhr von oben nach unten selbstständig ablaufen konnte. Diese Brauereitechnik stellt eine technische Meisterleistung dar. Sie war von Prof. Ganzenmüller, Weihenstephan, konzipiert worden. Im Sudraum sind die Instrumente aus der Entstehungszeit noch erhalten. Die blank geputzten Kupferpfannen sowie die Mess- und Kontrollinstrumente heben sich kontrastreich von der grünen Wandverkleidung ab.

Die Becker-Brauerei wurde 1997 geschlossen. Heute beherbergt das ehemalige Brauereigelände einen Innovationspark, in dem die historische Bausubstanz der Brauerei Becker erfolgreich in das neue Raum- und Gebäudegefüge integriert worden ist.


Text:
Frank Ehrmantraut, Delf Slotta

Foto:
Olaf Kühne

Weiterführende Literatur:
DITTMANN, Marlen (2004): Die Baukultur im Saarland 1904–1945. Saarbrücken. (= Saarland-Hefte 3). zum Online-Shop
KLOEVEKORN, Fritz / NEUFANG, Oskar Friedrich (1953): Geschichte des Brauwesens im Saarland. Saarbrücken.

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