Anker der Identität –
Bildungs- und Forschungseinrichtungen


Die Universität des Saarlandes
Die Europäische Akademie Otzenhausen

 



Die Universität des Saarlandes

Die wechselvolle, eng mit Frankreich verbundene Geschichte des Saarlandes spiegelt sich im Werdegang der Universität wider. Die Ursprünge sind im Homburger Landeskrankenhaus zu suchen, denn dort wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Lehrveranstaltungen für Studierende der Medizin angeboten. Da diese Kurse von deutscher Seite nicht anerkannt wurden, etablierten die Franzosen das medizinische Institut 1947 als Teil der Universität Nancy. Bald darauf gab es auch nicht-medizinische Fächer.

Universitaet Halbfeld 1 kleinIm November 1948 wurde schließlich die Universität des Saarlandes mit Sitz in Saarbrücken und Homburg eröffnet. Die Philosophische Fakultät, die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und das Dolmetscher Institut nahmen ihren Lehrbetrieb in Gebäuden der ehemaligen Below-Kaserne im Saarbrücker Stadtwald auf. Die Naturwissenschaftliche Fakultät zog zwei Jahre später an den Saarbrücker Standort um, während die Medizinische Fakultät in Homburg verblieb. Die Zweisprachigkeit und binationale Zusammenarbeit legten schon frühzeitig den Grundstein für eine europäische Ausrichtung der Universität; bereits 1951 wurde das Europa-Institut gegründet.

Die weitgehend einheitlich gestalteten Gebäude der 1937–1938 errichteten Below-Kaserne waren in ihrer räumlichen Anordnung auf eine Symmetrieachse ausgerichtet. Das gestalterische Zentrum bildete ein rechteckiger Exerzierplatz, an dessen Nordseite eine Reithalle lag, die nach der Universitätsgründung als Aula umgenutzt wurde. Von dem ehemaligen Kasernenareal aus wurde der Saarbrücker Campus zu einem weitläufigen, heterogenen Komplex weiterentwickelt. Bereits 1951 boten die ehemaligen Militär-Gebäude für die zahlreichen Studierenden nicht mehr ausreichend Platz, sodass ein internationaler Architektenwettbewerb ausgelobt wurde, um mit einer neuen Bauplanung dem Anspruch von zweckmäßigen Bildungs- und Forschungseinrichtungen gerecht zu werden. Im Zuge dieses Wettbewerbs entstand 1952–1954 der erste Neubau: der bereits aus der Ferne sichtbare „Tower“ der heutigen Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek (SULB) nach einem Entwurf des Architekten Richard Döcker. 1955 konnte die Philosophische Fakultät weitere Neubauten beziehen. In dasselbe Jahr fiel auch die Einweihung der Staatlichen Sportschule des Saarlandes (heute: Hermann Neuberger Sportschule) in unmittelbarer Nähe zur Universität.

Mensagebaeude Halbfeld Puetz UdS kleinMensagebaeude UdS kleinIn den folgenden Jahren veränderten zahlreiche Neubauten den Campus in Homburg sowie das Gesicht der Universität in Saarbrücken. Das 1964 fertiggestellte Gebäude des Audimax und die rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Institute von Rolf Heinz Lamour schließen den Saarbrücker Campus zum Schwarzenberg hin ab, ohne diesen zu verbergen. Nach fünfjähriger Bauzeit wurde 1970 das Mensagebäude mit dem „Rosengarten“ eingeweiht, das in Zusammenarbeit des Architekten Walter Schrempf mit dem Bildhauer Otto Herbert Hajek als funktionale Raumplastik aus Sichtbeton mit Schalbrettstruktur geschaffen wurde; seit 1997 steht der Bau unter Denkmalschutz. Das Studentenhaus, wie das Gebäude ursprünglich genannt wurde, weist für die Nachkriegsarchitektur charakteristische Tendenzen des Strukturalismus und Brutalismus auf. Der „Rosengarten“ ist ein 64 Quadratmeter großes Skulpturenensemble, das ursprünglich in einem mit Wasser gefüllten, seichten Becken stand.

Kontroverse Meinungen bestehen nicht nur in Bezug zum Mensagebäude, sondern auch zu anderen Kunstobjekten auf dem Campus, allen voran die 17 Meter hohe, nahe des Präsidialgebäudes (ehemalige Kommandantur) stehende Stahlplastik „Torque“ von Richard Serra. Ein mittlerweile eigenständiges Kapitel stellt somit die „Kunst auf dem Campus“ dar, zu der man auch die „Automedon-Skulptur“ des saarländischen Bildhauers Oswald Hiery zählen kann.

Serra Skulptur Jost kleinAutomedon Skulptur LHS SB kleinIn jüngerer Zeit wurde der Campus in Saarbrücken um einige neue Forschungs- und Verwaltungseinrichtungen erweitert. Hierzu zählen z.B. der Science Park Saar, der innovativen Unternehmen einen optimalen Standort nah an der Forschung bietet, das das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, das Max-Planck-Institut für Informatik, das Institut für Neue Materialien und das neue Campus Center mit Info-Point, Café, Bank und zentralen Einrichtungen für administrative Belange. Heute ist der Saarbrücker Campus ein Zeugnis rund 70-jähriger Bautätigkeit, im Zuge derer Gebäude mit unterschiedlichen Nutzungsbestimmungen und unter divergierenden ästhetischen Gesichtspunkten entstanden sind.

Aktuell gliedert sich die Universität des Saarlandes in acht Fakultäten: die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, drei Philosophische Fakultäten, drei Naturwissenschaftlich-Technische Fakultäten sowie die am Standort Homburg untergebrachte Medizinische Fakultät mit dem Universitätsklinikum. Im Wintersemester 2012/2013 erreichte die Zahl der Studierenden mit rund 18.600 (ohne Gasthörer/innen und Seniorengasthörer/innen) einen neuen Höchststand. Die von Beginn an beabsichtigte europäische Ausrichtung hat sich durchgesetzt. Die multinationale Orientierung lässt sich auch durch die hohe Zahl an ausländischen Studierenden belegen. Mit einer Internationalitätsrate von etwa 16,5% und weitverzweigten Kooperationsverhältnissen zählt die Universität des Saarlandes zu den globalsten deutschen Universitäten.

Seit den 1950er-Jahren ist die Eule Erkennungslogo und gleichzeitig Siegel der Universität. Ihre Symbolkraft reicht bis in die abendländische Kultur zurück. Die Eule gilt als Begleiterin der Göttin Athene und steht somit für Weisheit und Wissenschaft.


Text:
Tanja Kaiser (Ergänzung und Aktualisierung: Isabelle Jost, Juan Manuel Wagner)

Fotos:
Sarah Halbfeld (oberstes Foto 1 und Foto 2, zweite Reihe links), Universität des Saarlandes (Foto 3, zweite Reihe rechts), Universität des Saarlandes, Jörg Pütz (Foto 4), Isabelle Jost (Foto 5, untere Reihe links), Landeshauptstadt Saarbrücken (Foto 6, untere Reihe rechts)

Weiterführende Literatur:
DITTMANN, Marlen (2011): Die Baukultur im Saarland 1945–2010. Saarbrücken. (= Saarland-Hefte 4). zum Online-Shop
ENZWEILER, Jo (Hrsg.) (1999): Kunst im öffentlichen Raum – Saarland. Band 2: Universität des Saarlandes 1945 bis 1999. Aufsätze und Dokumentation – Campus Saarbrücken, Campus Homburg/Universitätskliniken des Saarlandes. Saarbrücken.
www.memotransfront.uni-saarland.de/uni_saarland.shtml (Artikel „Universität des Saarlandes“ von Gerhild Krebs).

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Die Europäische Akademie Otzenhausen

Die Europäische Akademie Otzenhausen, kurz EAO, liegt in der Gemeinde Nonnweiler, Landkreis St. Wendel. 1952 wurde die Grundlage für die heutige Struktur der Akademie geschaffen und ein erstes „Europa-Haus“ durch den Generalsekretär der Europa-Union, Arno Krause, gegründet. 1954 folgte die feierliche Einweihung als Begegnungsstätte für die europäische Jugend. Aus dem ersten „Europa-Haus“ wurde 1959 eine überparteiliche und überkonfessionelle Bildungs- und Forschungsstätte für Grundfragen der europäischen Einigung, deutsch-französischen Zusammenarbeit und politischen Bildung.

92 OtzenhausenDie wechselvolle Geschichte der Grenzregion ist einer der Ausgangspunkte für die in die Wege geleiteten Bestrebungen, eine internationale Begegnungsstätte ins Leben zu rufen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten der Nachkriegszeit und der Zugehörigkeitsfrage des Saarlandes erfuhr das Europa-Haus in Otzenhausen ab 1957 einen Aufschwung als die Initiative „Europa-Haus Otzenhausen e.V. – Institut für politische Bildung und deutsch-französische Zusammenarbeit“ ins Leben gerufen wurde. Durch Etablierung der Aufgaben und Ziele wurden neue Strukturkonzepte entwickelt, darauf folgte die Umbenennung in „Europäische Akademie Otzenhausen e.V. – Institut für Grundfragen der europäischen Einigung, politischen Bildung und deutsch-französischen Zusammenarbeit“.

Die EAO beherbergt unter ihrem Dach das Institut für Rhetorik und Methodik (IRM) sowie das Sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut (SFI). Das 1968 gegründete Institut für Rhetorik und Methodik (IRM) widmet sich der Aufgabe, die Kommunikations-, Kritik- und Konfliktfähigkeit zu fördern. Hier werden Seminare zur Verbesserung der Gesprächs- und Redefähigkeit für Multiplikatoren angeboten. Das Sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut (SFI) wurde 1991 als Tochterinstitut der Europäischen Akademie Otzenhausen gegründet.

EAO 3 Isabelle bearbeitetEAO 2 Isabelle bearbeitetDas SFI setzt sich aus sozialwissenschaftlicher Perspektive mit Fragen der Europäischen Integration und Problemen in Politik und Gesellschaft auseinander. Es leistet damit Grundlagenarbeit im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik, der Sozialwissenschaften sowie der nationalen und internationalen schulischen, außerschulischen und außeruniversitären Bildung. Für das fachliche Niveau der EAO-Veranstaltungen bürgen neben der eigenen Studienleitung eine Vielzahl von Experten aus Wissenschaft und Praxis. Jährlich nehmen ca. 9.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen europäischen Ländern und den USA an den Begegnungen, Kolloquien, Dialogforen, Sommerakademien, Studienaufenthalten und Intensivseminaren teil.

Die naturräumliche Lage inmitten des Schwarzwälder Hochwaldes und die Einbettung in die umliegende Parkanlage mit Skulpturen tragen zur besonderen Atmosphäre während eines Aufenthalts in der EAO bei. Die Begegnungs- und Bildungsstätte zeichnet sich darüber hinaus durch die Bautätigkeit der vergangenen 60 Jahre aus, die immerzu von einem hohen Modernitätsanspruch geprägt war. Peter Paul Seeberger (1906–1993), der sich als Stadtbaudirektor in Saarbrücken insbesondere im Schulbau einen Namen gemacht hatte, errichtete den ersten Neubau des „Europa-Hauses“.

EAO-6 Isabelle bearbeitet1963, im Jahr des von Charles de Gaulle (1890–1970) und Konrad Adenauer (1876–1967) unterzeichneten Elysée-Vertrages, entstanden die Gebäude der politischen Bildung und der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Der dritte Komplex wurde 1975 von dem aus St. Wendel stammenden Architekten Hanns Schönecker (1928–2005) realisiert, der durch das funktionalistische Konzept der Modernen Galerie des Saarlandmuseums bekannt wurde. Das architektonische Glanzlicht in Otzenhausen ist das 1991/92 erbaute „Europaeum“ – ein Polygonalbau mit verbindenden Durchgangstrakten. Ein weiterer Schwerpunkt der Akademie liegt in der Kooperation, die sich beispielsweise in der gemeinsamen Schriftenreihe „Arbeitspapiere zur europäischen Integration“ der Universität Trier und der EAO zeigt oder in der engen Zusammenarbeit mit der ASKO EUROPA-STIFTUNG. Die Europäische Akademie Otzenhausen wurde 2007 in die Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH umgewandelt.


Text:
Frank Ehrmantraut (Überarbeitung: Isabelle Jost)

Foto:
Europäische Akademie Otzenhausen (Luftbild), Isabelle Jost (übrige Fotos)

Weiterführende Literatur:
KRAUSE, Arno / TIMMERMANN, Heiner (Hrsg.) (2004): Im Dienste Europas. 50 Jahre Europäische Akademie Otzenhausen. Blieskastel.
MAAS, Annette: Europäische Akademie Otzenhausen. Europahausstraße, Nonnweiler. Datei zum Download (PDF) (zuletzt abgerufen am 13.08.2014)

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