Anker der Identität –
Geologie und Oberflächenformen


Die Saarschleife
Der Hunsrück
Der Schaumberg
Der Litermont bei Nalbach
Die Schlossberghöhlen in Homburg
Die Tropfsteinhöhle in Niedaltdorf
Der „Stiefel“ bei St. Ingbert
Die St. Arnualer Felsenwege

 



Die Saarschleife

Auf ihrem Weg nach Norden verlässt die Saar unterhalb von Besseringen die „Merziger Talweitung“ und stößt auf die südwestlichen Ausläufer des Hunsrücks, den sogenannten „Saar-Ruwer-Hunsrück“. Hier hat die Saar ein markantes Landschaftselement ausgebildet: eine eigenwillig-bizarr anmutende Flussschlinge, überregional als „Saarschleife“ bekannt.

1 Saarschleife obenMit der „Merziger Talweitung“ findet das „Mittlere Saartal“, das sich von Kleinblittersdorf im Südosten bis zur „Saarschleife“ im Nordwesten erstreckt, seinen Abschluss. Die Entstehung der Talweitung mit ihrem durchschnittlich rund 2 km breiten Talboden erklärt sich dadurch, dass die Saar die zwischen Merzig und Besseringen anstehenden, geomorphologisch weniger widerständigen Sedimentgesteine des Buntsandsteins und des Rotliegend relativ leicht ausräumen konnte. Ganz anders hingegen das Gestein im „Saar-Ruwer-Hunsrück“: Dieser Naturraum wird vom sehr widerstandsfähigen devonischen Taunusquarzit dominiert. Den Betrachter der „Saarschleife“ mag dies zu der Annahme verleiten, die Saar sei einer Stelle besonders widerständigen Gesteins ausgewichen. Tatsächlich jedoch war die Flussschlinge bereits zu einer Zeit angelegt worden, in der die Saar noch in Sedimenten floss, die den Taunusquarzit überlagerten.

Noch im Pliozän (rund 5,3 – 2,6 Mio. Jahre vor heute) floss die Saar hier in etwa 300 m Höhe über dem Meeresspiegel in den Schichten des Buntsandsteins in Form eines Doppelmäanders: der erste Mäanderbogen im Bereich der heutigen „Saarschleife“, der zweite bei Mettlach. Als im nachfolgenden Pleistozän die Hebung des Hunsrücks an Intensität zunahm, schnitt sich die Saar unter Beibehaltung ihres Laufs in den Taunusquarzit ein. Die Eintiefung des Flussbettes hielt dabei mit der Hebung des Gebirges Schritt. Im Ergebnis entstand ein imposanter, rund 8 km langer Talmäander mit einem sehr steilen, rund 200 m hohen Prallhang, einem lang gestreckten Gleithang auf der gegenüberliegenden Saarseite und einem Talboden, der kaum breiter ist als der Fluss selbst.

2 Saarschleife untenDie Vegetation der steilen Talhänge wird großflächig bestimmt von niedrigem Eichen-Buschwald mit Europäischer Stechpalme. Auf verwitterungsresistenten Quarzitrippen finden sich Felsenbirnen-Gebüsche und Mauerpfefferfluren. Einige der steilen Hangpartien sind weitgehend vegetationslos und fast vollständig von Quarzitschutt bedeckt. Die ausgedehnten Quarzitschuttdecken (= „Steinrauschen“ oder „Rosseln“) entstanden dadurch, dass sich lockere Felsstücke von höher gelegenen Felspartien hangabwärts bewegten. Dies geschah vor allem während der Kaltzeiten über gefrorenem Untergrund; aber auch heute rutschen noch immer Felsstücke bei Einsetzen winterlichen Tauwetters nach.

Die „Saarschleife“ zählt zu den meist besuchten Orten im Saarland. Den bekanntesten Blick auf die tief eingeschnittene Flussschlinge bietet die am Prallhang, knapp 200 m über dem Fluss gelegene „Cloef“ mit ihrer über einem vorspringenden Taunusquarzit-Felsen errichteten, steinernen Aussichtsterrasse. Bereits der preußische König Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861) und der französische Dichter Victor Hugo (1802–1885) entdeckten im 19. Jahrhundert die beeindruckende Aussicht für sich.

3 Saarschleife untenDer Ursprung des Namens „Cloef“ ist unklar: Vielleicht geht der Name auf eine Bezeichnung für „steiniges Kerbtal“ in der keltischen Sprache zurück. Eine weitere etymologische Ableitungsmöglichkeit bietet das lateinische Wort „clivus“ (= „Abhang“), während eine gänzlich andere Deutung mit den „Herren von Montclair“ verbunden wird, die in ihrem Wappen einen roten Schlüssel führten, woraus man auf das französische Wort „clef“ bzw. „clé“ (= „Schlüssel“) schließen könnte. Die Ruine der um 1440 fertiggestellten vierflügeligen Burg „Montclair“ sowie einige Reste des um 1180 errichteten, in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zu einer großzügigen Wehranlage ausgebauten Vorgängerbaus („Alt-Montclair“) liegen – unter Wald verborgen – auf dem Mäandersporn der „Saarschleife“, der eine hervorragende Verteidigungslage bot.

Im Juli 2016 wurde oberhalb der „Cloef“ ein rund 1250 m langer „Baumwipfelpfad“ eröffnet, der sich in einer Höhe von bis zu 23 m über dem Waldboden zu einem neu errichteten Aussichtsturm schlängelt. Die ca. 42 m hohe, halbkreisförmige Holzkonstruktion bietet neben dem Blick auf die „Saarschleife“ auch eine hervorragende Rundsicht auf die umgebenden Landschaften. Der Eingang zum „Baumwipfelpfad“ liegt nahe des Tagungs- und Besucherzentrums „Cloef-Atrium“, östlich des Ortskerns des heilklimatischen Kurorts Orscholz (Gemeinde Mettlach).

Am linken Flussufer, ca. 1,5 km unterhalb von Mettlach-Dreisbach, befindet sich die Anlegestelle der Personenfähre „Welles“, der letzten noch verkehrenden Fähre auf der Saar. Mit ihr können Wanderer und Radfahrer zum gegenüberliegenden Mäandersporn übersetzen. Darüber hinaus bieten mehrere Ausflugsschiffe von Mettlach aus Rundfahrten um die „Saarschleife“ an.

Im Zuge des 1974 begonnenen Ausbaus der Saar zur Großschifffahrtstraße wurden auch im Bereich der „Saarschleife“ verkehrswasserbauliche Maßnahmen durchgeführt, deren Ausmaß bei einem Vergleich mit älteren Fotos offenkundig wird.

Der Mäandersporn der „Saarschleife“ und die Talhänge links der Saar – im Abschnitt zwischen Steinbachtal und Mettlach-Keuchingen – stehen heute unter Naturschutz. Die ausgewiesenen Flächen gehören zum 1086,3 ha großen Naturschutzgebiet „Steilhänge der Saar“, das zugleich auch Teil des EU-weiten Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“ gemäß der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) bzw. der europäischen Vogelschutzrichtlinie ist.


Text:
Juan Manuel Wagner

Fotos:
Staatskanzlei des Saarlandes (oberes Foto), Sarah Halbfeld (mittleres Foto), Olaf Kühne (unteres Foto)

Weiterführende Literatur:
BETTINGER, Andreas / KÜHNE, Olaf (2016): Vielfalt zwischen Grenzen – Eine geographische Landeskunde des Saarlandes. Band 1: Natur – Landschaft – Umweltschutz. – Saarbrücken. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 51). zum Online-Shop
HAFFNER, Paul (1982): Landschaftsschutzgebiet Saarschleife. Vegetationskarte mit Erläuterungen. Hrsg. von Hans-Walter Herrmann, Martin Klewitz und Heinz Quasten. – Saarbrücken. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 33). zum Online-Shop
LIEDTKE, Herbert / DESHAIES, Michel / GAMEZ, Patrice / HARMAND, Dominique / PREUSSER, Hubertus (2010): Die Oberflächenformen in der Grenzregion Saarland – Lothringen – Luxemburg / Les formes de relief dans la région frontalière Sarre – Lorraine – Luxembourg. – Saarbrücken. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 48). zum Online-Shop
SCHNEIDER, Horst (1991): Saarland. – Berlin, Stuttgart. (= Sammlung geologischer Führer, Band 84).
SCHUTO, Martin (1985): Naturdenkmäler. Die Saarschleife. – In: Staerk, Dieter (Hrsg.): Das Saarlandbuch. – Saarbrücken.
SOYEZ, Dietrich et al. (Hrsg.) (1989): Das Saarland. Band 2: Die Saar – Eine Flußlandschaft verändert ihr Gesicht. (herausgegeben aus Anlaß des 47. Deutschen Geographentages in Saarbrücken vom 2.-7.10.1989). – Saarbrücken. (= Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität des Saarlandes, Band 37).

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Der Hunsrück

In einem schmalen, über weite Strecken weniger als 3 km breiten Streifen zwischen der Grenze zu Rheinland-Pfalz und der von Nordosten nach Südwesten verlaufenden Linie Nohfelden-Eisen – Weiskirchen – Losheim-Britten – Mettlach – Perl-Büschdorf ragt der Hunsrück in das nördliche Saarland hinein. Der Hunsrück bildet den südwestlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges.

3 Hochwald obenDie Gesteine des Hunsrücks stammen überwiegend aus dem Unterdevon (etwa 419 – 393 Mio. Jahre vor heute). In dieser Epoche der Erdgeschichte war das Gebiet des Hunsrücks – wie auch der übrige Bereich des Rheinischen Schiefergebirges – von Meer bedeckt. Von den angrenzenden Landmassen wurden große Mengen an Sanden, Schluffen und Tonen in die räumlich und zeitlich wechselnden marinen Sedimentationsräume eingespült. Während die Sande in küstennäheren Bereichen zur Ablagerung kamen, blieben die Schluffe und Tone aufgrund ihrer geringeren Korngröße länger in der Schwebe und wurden demzufolge in küstenferneren, tieferen Bereichen des Meeresbeckens sedimentiert. Die abgelagerten Lockersedimente verfestigten sich zu Sedimentgesteinen: Aus lockerem Sand ging fester Sandstein hervor, aus Ton wurde Tonstein.

Ab dem Mitteldevon wurde das Meer allmählich zurückgedrängt; gegen Ende des Unterkarbons war es aus unserem Raum verschwunden. Die unterdevonischen marinen Sedimentgesteine wurden in zwei Phasen der „variszischen Gebirgsbildung“ – im Oberkarbon und im Unterperm – zusammengepresst, verfaltet, vielfach nach Nordwesten überschoben und herausgehoben. Der ursprüngliche Tonstein wurde dabei unter gerichtetem Druck und erhöhten Temperaturen geschiefert, der Sandstein zu Quarzit metamorphosiert. Es entstand der von zahlreichen – sich in Nordost–Südwest-Richtung ausdehnenden – geologischen Struktureinheiten gekennzeichnete, von Schiefern dominierte und zum Teil von Quarziten durchzogene Hunsrück.

In der Folgezeit unterlagen die zentralen Bereiche des Hunsrücks – später sogar das gesamte Gebiet – der Abtragung. Aus einem Landschaftsraum mit einem ehemals stark ausgeprägten Relief wurde ein flaches Festland, das schließlich nur noch wenig über dem damaligen Meeresspiegel lag. Im Oberen Eozän (ca. 38 – 34 Mio. Jahre vor heute) setzte eine tektonische Hebung des Hunsrücks ein, doch die Haupthebungsphasen erfolgten erst während des Pleistozäns (rund 2,6 Mio. – 12.000 Jahre vor heute). In diesem Zeitabschnitt tiefte sich auch das heutige Talsystem ein.

Von Nohfelden-Eisen im Nordosten bis Losheim-Britten im Südwesten werden rund zwei Drittel der saarländischen Fläche des Hunsrücks vom „Schwarzwälder Hochwald“, einer Untereinheit der naturräumlichen Haupteinheit „Hoch- und Idarwald“, eingenommen. Das Relief des „Schwarzwälder Hochwalds“ ist geprägt von langgestreckten, wallartig aufragenden, Nordost–Südwest-streichenden Höhenrücken aus sehr widerständigem Taunusquarzit. In den Südlagen der Höhenzüge treten häufig Stauniederschläge auf, infolgedessen in manchen Gebieten durchschnittliche Niederschlagssummen von über 1200 mm pro Jahr erreicht werden. Entlang der Firstlinien der Quarzitrücken finden sich die beiden höchsten Erhebungen des Saarlandes: der „Dollberg“ (695,4 m über NN) nord-nordöstlich von Nonnweiler-Otzenhausen sowie der nur unwesentlich niedrigere „Schimmelkopf“ (694,8 m über NN) nördlich von Weiskirchen.

4 HochwaldWestlich des „Dollbergs“ wird der „Schwarzwälder Hochwald“ ‒ auf einer Strecke von etwa 5 km ‒ von der „Züscher Hochmulde“ unterbrochen. Deren um etwa 200 bis 250 m tiefere Lage beruht auf der leichteren Ausräumbarkeit der hier anstehenden unterdevonischen „Züscher Schiefer“ und „Hermeskeiler Sandsteine“. Augenfälligstes Landschaftselement im Süden der „Züscher Hochmulde“ ist die ab 1973 angelegte „Primstalsperre“ nördlich von Nonnweiler.

Bei Losheim-Britten schließen sich an den „Schwarzwälder Hochwald“ in südwestlicher Richtung die über das Saartal hinweggreifenden Ausläufer des Naturraums „Saar-Ruwer-Hunsrück“ an. Zwar bildet auch hier − insgesamt gesehen  der Taunusquarzit das vorherrschende Gestein, vor allem im nordöstlichen Teilgebiet ist dieser jedoch stellenweise von einer geringmächtigen Buntsandsteindecke überlagert. Daneben sind kleinflächig noch einige Reste an Rotliegend-Sedimenten erhalten. Der dominierende Höhenlagenbereich liegt zwischen 350 m und 450 m über NN. Im auffallenden Kontrast hierzu steht das tief eingeschnittene Saartal. Um bis zu 200 m abfallende Steilhänge bestimmen die beiden Engtalabschnitte an der „Saarschleife“ und bei Saarhölzbach. Mit dem sanft gewellten „Schwarzbruch“ – zwischen Mettlach-Orscholz, Perl-Oberleuken und Perl-Büschdorf gelegen – endet im Südwesten das Verbreitungsgebiet des Taunusquarzits und damit zugleich auch der Hunsrück.

Die unterdevonischen Gesteine im saarländischen Teil des Hunsrücks verwittern zu basen- und nährstoffarmen, meist flachgründigen Böden, die im Wesentlichen nur eine forstliche Nutzung zulassen. Innerhalb des weitgehend bewaldeten Gebietes gibt es nur wenige Rodungsinseln, in denen seit jeher hauptsächlich extensive Formen der Grünlandbewirtschaftung betrieben werden.

Eine besondere Erwähnung verdient der sehr hohe Anteil an naturschutzfachlich bedeutsamen Sonderstandorten. Hierzu gehören z.B. die streckenweise vermoorten Bachauen mit Birken- und Erlensumpfwäldern im „Schwarzwälder Hochwald“, die zahlreichen Schluchttäler im „Saar-Ruwer-Hunsrück“ sowie die steilen Felsklippen, Schuttdecken und Blockmeere im Taunusquarzit. Letztere entstanden durch Frostsprengung während der pleistozänen Kaltzeiten und bestehen aus kantengerundeten Gesteinsblöcken mit Durchmessern von mehreren Dezimetern. Eindrucksvolle Blockmeervorkommen befinden sich unter anderem im Gelände des „Schwarzbruchs“ und am „Dollberg“, wo die Kelten Quarzitblöcke mit einem Gesamtvolumen von rund 230.000 Kubikmeter zum Bau einer ausgedehnten Ringwallanlage („Hunnenring“) verwendeten. Unterhalb des Gipfels des „Dollbergs“ stockt über dem am Südosthang liegenden Quarzitschutt ein in seiner Ausprägung bemerkenswerter Birken-Eichen-Krüppelwald mit reichen Flechten- und Moosvorkommen. Zu den bekanntesten Taunusquarzitfelsen im Land zählen die drei – zueinander in einem engen räumlichen Zusammenhang stehenden – Gebilde „Hoher Fels“, „Illtisfelsen“ und „Bärenfels“ nordwestlich von Weiskirchen sowie der über dem Saartal thronende „Vogelfelsen“ bei Mettlach-Saarhölzbach, der dem Wanderfalken einen natürlichen Felsenbrutplatz bietet.

Die gesamte saarländische Fläche des Hunsrücks ist in den 1980 eingerichteten, rund 2055 Quadratkilometer großen Naturpark „Saar-Hunsrück“ eingebettet, welcher von der saarländisch-lothringischen Grenze bei Wallerfangen-Ittersdorf im Süden bis zum „Idarkopf“ bei Stipshausen (Landkreis Birkenfeld) im Norden reicht. Ein ca. 101 Quadratkilometer umfassendes Teilgebiet im Nordosten des Naturparks bildet seit 2015 den Nationalpark „Hunsrück-Hochwald“. Wie der Naturpark, erstreckt sich auch der Nationalpark über saarländisches und rheinland-pfälzisches Territorium, wobei der saarländische Anteil mit rund 986 ha (östlich der „Primstalsperre“) nur knapp 10 % der Gesamtfläche des Nationalparks „Hunsrück-Hochwald“ ausmacht.


Text:
Juan Manuel Wagner

Fotos:
Juan Manuel Wagner

Weiterführende Literatur:
BETTINGER, Andreas / KÜHNE, Olaf (2016): Vielfalt zwischen Grenzen – Eine geographische Landeskunde des Saarlandes. Band 1: Natur – Landschaft – Umweltschutz. – Saarbrücken. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 51). zum Online-Shop
BORN, Martin (1980): Geographische Landskunde des Saarlandes. – Saarbrücken. (aus dem Nachlass herausgegeben von Renate Born und Helmut Frühauf).
DROCUR, Alois (1983): Zur Geologie unserer Gemarkung. – In: Otzenhausener Hefte zur Heimatgeschichte, Band 8: Die Gemarkung Otzenhausen, S. 25-32.
http://geoportal.saarland.de/portal/de/fachanwendungen/nationalpark-hunsrueck-hochwald.html (Grenz- und Gliederungskarten des Nationalparks „Hunsrück-Hochwald“).
LIEDTKE, Herbert / DESHAIES, Michel / GAMEZ, Patrice / HARMAND, Dominique / PREUSSER, Hubertus (2010): Die Oberflächenformen in der Grenzregion Saarland – Lothringen – Luxemburg / Les formes de relief dans la région frontalière Sarre – Lorraine – Luxembourg. – Saarbrücken. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 48). zum Online-Shop
SCHNEIDER, Horst (1991): Saarland. – Berlin, Stuttgart. (= Sammlung geologischer Führer, Band 84).
WERLE, Otmar (1974): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 148/149 Trier-Mettendorf. – Bonn-Bad Godesberg. (Geographische Landesaufnahme 1 200 000, Naturräumliche Gliederung Deutschlands).

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Der Schaumberg

Der rund 569 m über NN hohe Schaumberg, an dessen Fuß der Ort Tholey mit seiner bekannten Abteikirche liegt, überragt markant das südlich angrenzende, von Höhen zwischen 300 m und 400 m über NN dominierte „Prims-Blies-Hügelland“. Während das von Nordosten nach Südwesten verlaufende Bergmassiv in südöstlicher Richtung mit einem schroffen Steilhang zum „Prims-Blies-Hügelland“ abfällt, gleitet es nach Nordwesten mit einem gestuften, deutlich weniger steilen Abhang ins Tal der Theel über..

5 Schaumberg Der Schaumberg bildet im Raum Tholey die Südgrenze der permischen Vulkanitgebiete des Saarlandes. Im Zusammenhang mit starker tektonischer Aktivität setzte um die Mitte der Permzeit (etwa 299 – 251 Mio. Jahre vor heute) im Bereich der heutigen nördlichen und nordöstlichen Landesteile intensiver Magmatismus ein. Spalten und Verwerfungen boten die Voraussetzung für den Aufstieg von Magma. Dieses trat in den meisten Fällen nicht an die Erdoberfläche aus, sondern drang in bereits existierende Gesteinskörper ein und erstarrte dort. In der Geologie wird ein solches Eindringen als „Intrusion“ und das daraus resultierende magmatische Gestein als „Intrusivgestein“ bezeichnet.

Im Falle des Schaumbergs presste sich das Magma konkordant (= schichtparallel) in das vorhandene permische Sedimentgestein des Rotliegend. Das Ergebnis war ein lang gestreckter, bis zu 200 m mächtiger Lagergang (= schichtparallel in ein Gestein eingedrungener Gesteinskörper aus magmatischem Gestein). Er besteht aus einem dunklen, dichten, vollkristallinen Vulkanit, der bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als „Tholeyit“ (benannt nach seinem ersten Fundort) beschrieben wurde.

Durch allmähliche Abtragung der auflagernden und umliegenden, weniger widerständigen Gesteine wurde der Lagergang über Jahrmillionen weitgehend freigelegt, sodass er heute als eine von seiner Umgebung relativ scharf abgegrenzte geologische Einheit und auffällige Einzelerhebung in Erscheinung tritt. Die unterschiedlichen Hangprofile des Schaumbergs erklären sich aus einer späteren tektonischen Verstellung: Sie führte dazu, dass der südöstliche Abhang in höherem Maße der Erosion ausgesetzt war als der nordwestliche und infolgedessen auch stärker versteilt wurde.

Das militärisch gut zu verteidigende Schaumbergplateau wurde möglicherweise bereits von den Kelten zur Errichtung einer Fliehburg genutzt. Durch jüngere archäologische Untersuchungen belegt ist die Existenz einer spätrömischen Wehranlage: Mehrere Mauerreste – auch einige, die zuvor mit der mittelalterlichen „Schauenburg“ in Verbindung gebracht wurden – konnten in das 3./4. Jahrhundert n. Chr. datiert werden. Der Tholeyer Raum war ein bedeutendes gallo-römisches Siedlungsgebiet. Rund 1 km nordöstlich des Schaumbergs kreuzten sich die beiden Fernverbindungen Metz – Mainz und Straßburg – Trier. An diesem Knotenpunkt entstand im 1. Jahrhundert n. Chr. der römische vicus Wareswald, der sich in der Folgezeit zu einem ein wichtigen Handels- und Gewerbezentrum innerhalb einer von zahlreichen römischen Gutshöfen durchsetzten Region entwickelte.

Im Zuge der angesprochenen archäologischen Grabungen konnten auch detailliertere Erkenntnisse über die baulichen Elemente der mittelalterlichen „Schauenburg“ gewonnen werden. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahr 1202. Für die verschiedentlich formulierte Hypothese, die „Schauenburg“ sei mit dem im Jahre 634 im Testament des fränkischen Adeligen – und Gründers der Abtei Tholey – Adalgisel Grimo aufgeführten „Castrum Teulegio“ identisch gewesen, ließ sich bislang kein fundierter Nachweis erbringen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burganlage vollständig zerstört; die Ruinen dienten später der einheimischen Bevölkerung als Baumaterial beim Hausbau.

Teile des historischen Mauerwerks auf dem Schaumbergplateau sind heute durch einen ca. 800 m langen Spazierweg („Tholix-Runde“) erschlossen.

6 SchaumbergDer Schaumberg wird vielfach als „Hausberg des Saarlandes“ bezeichnet. Diese Attribuierung mag seine historischen Wurzeln darin haben, dass der Schaumberg einst der höchste Berg des mit den friedensvertraglichen Regelungen des Ersten Weltkriegs neu geschaffenen „Saargebiets“ war. Erst mit dieser administrativen Einheit, die mit Inkrafttreten des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920 für die Dauer von 15 Jahren einer vom Völkerbund eingesetzten Regierungskommission unterstellt wurde, kann im Grunde von einer eigenen saarländischen Geschichte gesprochen werden. (Die höchste Erhebung innerhalb des heutigen Saarlandes bildet mit 695,4 m über NN der „Dollberg“ im Schwarzwälder Hochwald.)

Für die Bezeichnung als „Hausberg“ dürften daneben aber auch die ausgedehnten Sichtbeziehungen eine erhebliche Rolle spielen: Vor allem aus südlichen Richtungen lässt sich der aus seinem eher flachen Vorland herausragende Schaumberg von zahlreichen Stellen des Landes aus ‒ zum Teil sogar über größere Entfernungen ‒ deutlich erkennen. Zu einem „Hausberg“ gehört jedoch nicht nur, dass man auf ihn blicken kann, sondern üblicherweise auch, dass sich von ihm auf einen Ort bzw. eine Region hinabschauen lässt. Diesbezüglich kommt dem „Schaumbergturm“ eine besondere Bedeutung zu, von dessen Aussichtsplattform aus man bei klarem Wetter fast das gesamte Saarland überblicken kann.

Nachdem seit Ende des 19. Jahrhunderts bereits eine einfache hölzerne Turmkonstruktion auf dem Schaumbergplateau existierte, wurde 1914 mit der Errichtung eines ersten größeren Aussichtsturmes, dem „Kaiser-Wilhelm-Turm“, begonnen. Die Umstände des Ersten Weltkrieges verhinderten allerdings den Weiterbau und auch nach dem Krieg wurden die Bauarbeiten nicht wiederaufgenommen. Stattdessen wurde – nach Plänen des Architekten Moritz Gombert (Saarbrücken) – ab 1927 an gleicher Stelle eine über 36 m hohe, wuchtige Turmanlage mit fünf Aussichtsplattformen und einer integrierten Kriegergedächtniskapelle für gefallene Soldaten realisiert.

Der im August 1930 eröffnete Turm, der mit seiner steinernen Fassade und monumentalen Architektur der 1920er Jahre expressionistische Züge aufwies, musste 1966 wegen Baufälligkeit geschlossen werden. 1972 wurde er großenteils abgetragen und hiernach – unter Einschluss der verbliebenen Mauerreste – durch einen 37,5 m hohen Neubau aus Stahlbeton und Poroton-Mauerwerk ersetzt. Am 19. September 1976 wurde der neue Aussichtsturm, der zu ebener Erde im kleinen rundbogigen Mitteldurchbruch eine offene Kapelle mit einem bronzenen Friedensmahnmal aufnimmt, als „Deutsch-Französische Begegnungsstätte“ feierlich eingeweiht. Aus Gründen des Brandschutzes erfolgte 2007 eine Sperrung des Turmes. Nach umfangreichen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen konnte er im August 2013 wiedereröffnet werden.


Text:
Juan Manuel Wagner

Fotos:
Juan Manuel Wagner (oberes Foto), Staatskanzlei des Saarlandes (unteres Foto)

Weiterführende Literatur:
BETTINGER, Andreas / KÜHNE, Olaf (2016): Vielfalt zwischen Grenzen – Eine geographische Landeskunde des Saarlandes. Band 1: Natur – Landschaft – Umweltschutz. – Saarbrücken. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 51). zum Online-Shop
GEMEINDE THOLEY (Hrsg.) (1992): Geologischer Führer durch die Schaumbergregion. – Tholey.
LIEDTKE, Herbert / DESHAIES, Michel / GAMEZ, Patrice / HARMAND, Dominique / PREUSSER, Hubertus (2010): Die Oberflächenformen in der Grenzregion Saarland – Lothringen – Luxemburg / Les formes de relief dans la région frontalière Sarre – Lorraine – Luxembourg. – Saarbrücken. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 48). zum Online-Shop
MOLL, Peter (2004): Zweimal rund um den Hausberg der Saarländer. – In: Moll, Peter / Becker, Christoph (Hrsg.): Neuland Heimat: Entdeckungen im Saar-Mosel-Raum. Band 2: Landschaft verstehen und erleben in der deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzregion. – Saarbrücken, Trier, S. 283-298.
SCHNEIDER, Horst (1991): Saarland. – Berlin, Stuttgart. (= Sammlung geologischer Führer, Band 84).
www.memotransfront.uni-saarland.de/schaumberg.shtml (Artikel „Deutsch-Französische Begegnungsstätte Schaumberg“ von Gerhild Krebs).
ZEUNE, Joachim (2010): Die Geheimnisse der Burg auf dem Schaumberg. Massive Bebauung schon im dritten Jahrhundert – erste Erkenntnisse aus der archäologischen Grabung im Jahr 2009. – In: Saargeschichten. Magazin zur regionalen Kultur und Geschichte. Heft 1, S. 30-36.

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Der Litermont bei Nalbach

Die 414 m hohe Erhebung des Litermonts liegt nördöstlich von Dillingen, zwischen den Ortschaften Düppenweiler, Nalbach und Hüttersdorf. Die Erhebung ist, wie z.B. auch der Schaumberg bei Tholey, eines der zahlreichen Zeugnisse des permischen Vulkanismus im Bereich des heutigen Saar-Nahe-Berglands (Perm = erdgeschichtliche Zeiteinheit, etwa 299–251 Millionen Jahre vor heute). Der Litermont besteht hauptsächlich aus Rhyolit, einem quarzreichen magmatischen Gestein, das in der saalischen Phase der Gebirgsbildung vor rund 275 Millionen Jahren zwischen ältere Gesteinsschichten eindrang. Daher spricht man in diesem Fall auch von einer Rhyolitintrusion.

Litermont 1 Jost kleinLitermont 2 Jost kleinDas mythische Gipfelkreuz auf dem Litermont ist aus dem Primstal heraus schon von Weitem sichtbar. Das heutige schmiedeeiserne Kreuz wurde laut der Inschrift im Sockel im Jahr 1852 von der Pfarrei Nalbach errichtet und 1902 renoviert. Die Inschrift erinnert zudem auch an die Burgfrau Margarete vom Litermont, über die seit vielen Jahrhunderten zahlreiche Sagen kursieren. Schenkt man einer der Sagen Glauben, stürzte Ritter Maldix, der Sohn der Margarete, bei der Hirschjagd an einem Karfreitag einen Felshang am Litermont hinab und kam dabei zu Tode. Auf dem Litermont freigelegte Mauerreste und drei Wälle mit Gräben deuten auf eine ehemalige Festungsanlage hin, über die allerdings nur wenig bekannt ist.

An den Fastensonntagen und am Karfreitag pilgern seit über 350 Jahren Gläubige über den Kreuzweg von Nalbach zum Litermont. Vom Gipfel aus lässt sich die reizvolle Aussicht über das Primstal bis ins angrenzende Lothringen genießen. Die Waldlandschaft des Litermonts und seiner benachbarten Erhebungen ist mit Wanderwegen und Erlebnispfaden erschlossen. Der rund 10 km lange Premiumwanderweg „Litermont-Gipfel-Tour“ wurde im Jahr 2007 als Deutschlands schönster Wanderweg ausgezeichnet.

Litermont 4 Jost kleinLitermont 3 Jost kleinIn Sichtweite des Gipfels steht der Nachbau einer optischen Telegrafenstation aus napoleonischer Zeit. Sie war Teil der 1813 eingerichteten Telegrafenlinie Metz – Mainz, die jedoch schon Anfang 1814 durch preußische Truppen zerstört wurde. Die Rekonstruktion der Telegrafenstation auf dem Litermont erfolgte in den Jahren 2003–2006 auf der Grundlage historischer Pläne. Nahe dem Gipfelkreuz befindet sich auch der „Weidendom“, eine Kuppelkonstruktion aus Weiden- und Birkenbepflanzung. Die als größtes „lebendes“ Bauwerk im Saarland geltende Attraktion wird von der Gemeinde Nalbach seit 2007 auch für standesamtliche Trauungen genutzt.

In einem ehemaligen Westwallbunker am Fuße des Litermonts ist heute das Litermontmuseum untergebracht. Ein Geschichtspark mit landschaftlichen Geräten des vorigen Jahrhunderts schließt sich der Bunkeranlage als Freilichtmuseum an. Das nördlich des Litermonts gelegene Historische Kupferbergwerk Düppenweiler gibt Besuchern die Möglichkeit, die frühere untertägige Arbeitswelt kennenzulernen. Die Blütezeit des Düppenweiler Kupferabbaus begann um 1725 und endete schon rund zehn Jahre später mit der ersten Stilllegung. Weiteren Abbauperioden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sowie in den Jahren 1824–1828 und 1915/16 war hingegen nur ein vergleichsweise geringer Erfolg beschieden.


Text:
Isabelle Jost, Juan Manuel Wagner

Fotos:
Isabelle Jost

Weiterführende Literatur:
LEHNERT, Aloys (1960): Vom Litermont, dem Wahrzeichen des Primstals. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde des Kreises Saarlouis (Hrsg.): Heimatkundliches Jahrbuch des Kreises Saarlouis 1960. Saarlouis, S. 251-275.
LOESER, Rudolf (1935): Rund um den Litermont. In: Zeitschrift für Rheinische Heimatpflege, 7. Jg., Heft 1, S. 21-30.
LORIG, Dieter (2007): Der Litermont. Renaissance eines sagenumwobenen Berges: der wohl bekannteste Berg im Landkreis zieht neuerdings auch viele Wanderer, Freizeitsportler, Geologen, Heimatforscher, Pilger und Naturfreunde an. In: Unsere Heimat: Mitteilungsblatt des Landkreises Saarlouis für Kultur und Landschaft, 32. Jg., Heft 1, S. 1-10.
NEY, Christel M. (Red.) (2010): Nalbach. Das Schmuckkästchen an der Prims. (Hrsg.: Christel M. Ney in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Nalbach). Nalbach.

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Die Schlossberghöhlen in Homburg

Die Schlossberghöhlen in Homburg sind die größten ihrer Art in Europa. Die Höhlen im Schlossberg sind von der Altstadt aus über einen Treppenaufgang zu erreichen. Sie sind kein natürliches Phänomen, sondern wurden im Laufe mehrerer Jahrhunderte durch den Menschen geschaffen. Vermutlich wurde der in den Stollen abgetragene Sand zur Herstellung von Glas benötigt. Später fand der quarzhaltige Rohstoff Verwendung in der Eisenindustrie oder als Scheuermittel zur Reinigung. Die Existenz der Höhlen ist seit dem 17. Jahrhundert aus Niederschriften französischer Besatzungstruppen nachgewiesen. Genau genommen handelt es sich also nicht um Höhlen, sondern um Bergwerksstollen, da Höhlen eine natürliche Entstehung voraussetzen. Ob die Gänge bereits im Mittelalter als Fluchtwege der oberhalb gelegenen Burg Hohenburg dienten, ist umstritten.

7 und 8 SchlossberghoehlenIm Schlossberg stehen die Unteren Karlstalschichten an; dabei handelt es sich um eine Untergliederungseinheit des Mittleren Buntsandsteins. Der Sandstein weist in den verschiedenen Schichtpaketen ein Farbenspektrum von gelblich bis rötlich auf – eine Erscheinung, die durch den unterschiedlichen Eisengehalt im Sandstein bedingt ist. Aufgrund der geringen Festigkeit des Sandsteins konnte dieser durch Stollengrabungen abgebaut werden. Auf diese Weise entstand eine Vielzahl von Hohlräumen, die später mittels Durchbrüchen zusammengefasst wurden. Von den insgesamt 12 Stockwerken (oder Sohlen) ist heute lediglich ein Stockwerk für Besucher zugänglich. Die Gesamtlänge der Gänge beträgt 5 Kilometer, wobei die maximale Ausdehnung eines Ganges 140 Meter in der Länge und 60 Meter in der Breite beträgt  

Im Wand- und Deckenbereich der Höhlen befinden sich wellenartige Versteinerungen, sogenannte Rippelmarken, aber auch polygonale Trockenrisse. Überreste der in der Entstehungszeit des Buntsandsteins sehr spärlich vertretenen Tierwelt sind in Form von Trittsiegeln, also fossilen Fußabdrücken, konserviert.

Die Höhlen befinden sich direkt unter der 1714 geschleiften Festung Hohenburg. Erste schriftliche Überlieferungen datieren auf das Jahr 1671, wo von einer Contre-Mine (Verteidigungsstollen) die Rede ist – ein Hinweis auf Höhlengrabungen zu Verteidigungszwecken. Der Sand wurde aber vermutlich schon früher abgebaut, da er wegen seines hohen Quarzgehalts einen wichtigen Rohstoff in der Glasproduktion darstellte.

Im weiteren Verlauf dienten die Höhlen als Lagerstätte für Munition und Lebensmittel, zur Unterbringung der Besatzung der ehemaligen Festung und als Luftschutzbunker für die Bevölkerung Homburgs im letzten Weltkrieg. In der Nachkriegszeit, insbesondere während des Kalten Krieges, gab es Bestrebungen, die Höhlen als Luftschutzbunker auszubauen. Ein 30 Meter tiefer senkrechter Schacht mit einem auf Stadtniveau liegenden Gang und ein weiterer Eingang in der Nähe des Schlossberghotels zeugen davon. In den 1930er-Jahren wurden die Höhlen, nachdem sie über Jahrzehnte in Vergessenheit geraten waren, wieder entdeckt.

Schlossberghöhlen Josef SchererSchlossberghöhlen Licht KS HOM rechtefreiSeit 1953 sind die Schlossberghöhlen für die Öffentlichkeit zugänglich. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 85-90 % liegt die Temperatur ganzjährig bei konstanten 10 °C. Aufgrund der Einsturzgefahr war eine nachträgliche Sicherung mit Gerüsten notwendig, wodurch das begehrte Ausflugsziel längere Zeit für Besucher geschlossen war. Die Schlossberghöhlen wurden 2003 zum Besucherbergwerk erklärt. Nach aufwendiger Sanierung ist seit 2007 das unterste Stockwerk wieder zugänglich, jedoch ist das beeindruckende Kulturzeugnis nur noch in Verbindung mit einer Führung zu bestaunen.


Text:
Frank Ehrmantraut (Aktualisierung: Isabelle Jost)

Fotos:
Josef Scherer (unteres Foto links), Kreisstadt Homburg (übrige Fotos)

Weiterführende Literatur:
BREIT, Hugo (1987): Schlossberghöhlen Homburg, Saar: Europas größte Buntsandsteinhöhlen. Homburg/Saar.
ULRICH, Stefan / THON, Alexander (2007): Burgruine und Schlossberghöhlen Homburg. Regensburg. (= Kleine Kunstführer, Band 2636).
ULRICH, Stefan / THON, Alexander (2006): Burg- und Festungsruine mit Schlossberghöhlen Homburg. Homburg.

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Die Tropfsteinhöhle in Niedaltdorf

Die einzige Tropfsteinhöhle des Saarlandes befindet sich in Niedaltdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Rehlingen-Siersburg. Sie liegt unter einem Gastronomiegebäude etwa 100 m nördlich der Mündung des Ihner Baches in die Nied. Das Gebiet um die Tropfsteinhöhle trägt den Flurnamen „Auf dem Dubber“. Das Verb „dubbern“ bedeutet mundartlich so viel wie „hohl klingen“. Vermutlich wurde schon vor der Entdeckung der Höhle der „hohle Klang“ beim Anschlagen des Gesteins bemerkt.

An Orten, an denen kalkhaltiges Wasser in Quellen austritt, entweicht Kohlensäure und es fällt Kalkstein aus, der in seiner porösen Form als Tuff, in der kompakten Ausbildung als Kalksinter zu bezeichnen ist. Die Tropfsteinhöhle (Kalksinterhöhle) in Niedaltdorf ist als unterirdisches Phänomen eines solchen Vorgangs zu verstehen. Als Folge eines oberirdischen Prozesses dieser Art sind die mächtigen Tuffe des Sudelfels im Nachbarort Ihn kennzeichnend.

Hoehle Niedaltdorf 1 Photo Phant kleinHoehle Niedaltdorf 2 Photo Phant kleinDie Niedaltdorfer Höhle ist ein unterirdisches System in einem Kalktuff und liegt zwischen dem Flusslauf der Nied und dem von ihr gebildeten Talhang im Oberen Muschelkalk. Der Westgang wurde im Jahr 1880 bei Ausschachtungsarbeiten für ein neues Gebäude freigelegt. Da man der Entdeckung keine größere Bedeutung beimaß, wurden die Hohlräume zunächst wieder mit Bauschutt verfüllt, bis sie schließlich 1927 bei Ausbesserungsarbeiten im Keller erneut freigelegt wurden. Später konnten die natürlichen Höhlen durch künstliche Querverbindungen einander angeschlossen werden. Die Erschließung ermöglichte es, dass heute eine Ganglänge von über 80 m zugänglich ist. Seit 1937 ist die Tropfsteinhöhle unter Naturschutz gestellt. Der frühzeitigen Elektroinstallation ist es zu verdanken, dass eine Verschmutzung der Höhlenwände und Tropfsteine durch Russpartikel, wie man sie leider von zahlreichen anderen Höhlen her kennt, vermieden werden konnte.

Hoehle Niedaltdorf 3 Gemeinde kleinHoehle Niedaltdorf 4 Gemeinde kleinDie Höhle weist eine andere Entstehungsgeschichte als die „klassischen“ Tropfsteinhöhlen auf, welche durch Kalklösung und Auswaschung im Untergrund entstanden sind. Es handelt sich vermutlich um ein ehemals offenes Spaltensystem, dessen Spalten nachträglich durch Übersinterung überdacht wurden. Für die Entstehung des Spaltensystems gibt es zwei Theorien: Erstere besagt, dass im darunterliegenden Mittleren Muschelkalk Gips ausgelaugt wurde und durch Nachsacken des aufliegenden Paketes Spalten entstanden. Eine andere Auffassung unterstützt hingegen die Theorie, dass der Kalktuff durch die Nähe zum Flusslauf der Nied erodierte und unterschnitten wurde. Dies führte schließlich zu einem Abgleiten der hangseitigen Tuffpartien, sodass die Ausdehnung von Rissen und Spalten zunahm.

Da sich die Tuffbildung an der Oberfläche fortsetzte, wurden die Spalten infolge der Übersinterung im Laufe vieler Jahre überdacht und somit verschlossen, wodurch sich eine Höhle herausbildete. In den porösen Tuffen zirkuliert Wasser, was zur Bildung von Wassertropfen an der Höhlendecke führt. Durch das Ausfällen von Kalkstein aus den kalkhaltigen Tropfen bilden sich die von der Decke herabhängenden Stalaktiten. Wenn Wasser von den Stalaktiten herabtropft, wachsen an der Auftropfstelle nach und nach Stalagmiten empor. In der Niedaltdorfer Tropfsteinhöhle sind ferner auch übersinterte Reste von Pflanzen (zumeist Zweige und Äste, seltener Blattreste) vorzufinden, die wahrscheinlich in den ehemals offenen Spalten wuchsen oder durch diese eingeschwemmt wurden.


Text:
Jens Falk, Isabelle Jost

Fotos:
Studio PHOTO-PHANT – Rehlingen-Siersburg (obere Fotos), Gemeinde Rehlingen-Siersburg (untere Fotos)

Weiterführende Literatur:
GEMEINDE REHLINGEN-SIERSBURG (Hrsg.) (2003): Naturtropfsteinhöhle Niedaltdorf. Rehlingen-Siersburg.
LOESER, Rudolf (1932/33): Höhlen des Saargebiets – a) Die Tropfsteinhöhle zu Niedaltdorf. In: Nachrichtenblatt für Rheinische Heimatpflege (später: Zeitschrift für Rheinische Heimatpflege), 4. Jg., Heft 9/10, S. 365-367.
MÜLLER, Erwin (1963): Die Tropfsteinhöhle in Niedaltdorf. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde des Kreises Saarlouis (Hrsg.): Heimatkundliches Jahrbuch des Kreises Saarlouis 1961–63. Saarlouis, S. 173-176.
RÜCKLIN, Hans (1940): Die Tropfsteinhöhle von Niedaltdorf. In: Westmärkische Abhandlungen zur Landes- und Volksforschung, Band 4. Kaiserslautern/Metz, S. 294-305.

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Der „Stiefel“ – ein Sandsteinfelsen auf dem „Großen Stiefel“ bei St. Ingbert-Sengscheid

Auf dem „Großen Stiefel“, einem rund 389 m hohen, bewaldeten Bergrücken bei St. Ingbert-Rentrisch, thront ein durch Wasser und Wind geformter Sandsteinfelsen, der „Stiefel“.

Es handelt sich um einen aus der Karlstal-Felszone des Mittleren Buntsandsteins durch Verwitterung herauspräparierten Tischfelsen. 9 StiefelDiese entstehen durch differenzierte Verwitterung von freistehenden Felstürmen, die aus unterschiedlich widerständigen Gesteinen aufgebaut sind. Der weniger verfestigte Sandstein im unteren Bereich wittert allseitig zurück, während das festere widerständigere Material im oberen Bereich als „Tischplatte“ stehen bleibt. Den Namen erhielt das Naturdenkmal durch seine Form, die einem umgedrehten Schuh oder Stiefel ähnelt.

Vermutlich war der natürlich entstandene Tischfelsen bereits in keltischer Zeit Gegenstand religiöser Verehrung.

Wenige Meter neben dem Stiefel steht ein fünfkantiger Sandsteinfels, der unter dem Namen Teufelstisch bekannt ist. Der Monolith wurde an allen Seiten künstlich zugehauen. Einer alten Volkssage nach, diente er dem Riesen Kreuzmann als Tisch, an dem er seine Opfer verspeiste.

Der Höhenzug am Stiefelberg war vermutlich aufgrund seiner günstigen Lage in verschiedenen Epochen besiedelt gewesen. Funde von Steinklingen und Mahlsteinen aus der mittleren Steinzeit sowie Reste von Tongefäßen aus der Bronzezeit deuten auf eine frühe Besiedlung des Höhenzuges hin. Auch Reste einer Turmhügelburg, die spärlichen Fundamentruinen des „Stiefeler Schlosses“, sind hier zu finden. Dieses ist wahrscheinlich unter Verwendung vorromanischer Mauer- und Wallreste im frühen Mittelalter entstanden.


Text:
Tanja Helmes

Foto:
Manfred Schmelzer

Weiterführende Literatur:
BETTINGER, Andreas / KÜHNE, Olaf (2016): Vielfalt zwischen Grenzen – Eine geographische Landeskunde des Saarlandes. Band 1: Natur – Landschaft – Umweltschutz. – Saarbrücken. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 51). zum Online-Shop
KRÄMER, Wolfgang (1955): Geschichte der Stadt St. Ingbert. Von den Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Eine Heimatkunde aufgrund archivalischer Quellen. Zweite, vollständig umgearbeitete und wesentlich ergänzte Auflage in zwei Bänden. − St. Ingbert.
LIEDTKE, Herbert / DESHAIES, Michel / GAMEZ, Patrice / HARMAND, Dominique / PREUSSER, Hubertus (2010): Die Oberflächenformen in der Grenzregion Saarland – Lothringen – Luxemburg / Les formes de relief dans la région frontalière Sarre – Lorraine – Luxembourg. – Saarbrücken. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 48). 
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SCHNEIDER, Horst (1991): Saarland. – Berlin, Stuttgart. (= Sammlung geologischer Führer, Band 84).

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Die St. Arnualer Felsenwege

Die Felsenwege entlang des Sonnenberges im Stiftswald bei St. Arnual erschließen eine natürlich entstandene Felsszenerie im Buntsandstein. Die drei Wege – der untere, der mittlere und der obere Felsenweg – haben eine Länge von rund 2,5 Kilometern und überwinden rund 130 Höhenmeter. Die Wege führen an schroffen Felswänden mit Überhängen und Grotten vorbei und zeigen sich insbesondere im Winter, wenn lange Eiszapfen von den Felsen herabhängen von ihrer besonders eindrucksvollen Seite.

10 FelsenwegeInformationstafeln erläutern die Entstehung des Naturdenkmals. Die Felsenwege ermöglichen einen Einblick in das Erdzeitalter der Trias, genauer des Mittleren und Oberen Buntsandsteins. Der Buntsandstein entstand vor rund 240 Millionen Jahren am Beginn der Triaszeit. Das Saarland lag damals am Rande eines flachen Festlandbeckens, in dem unter ariden Bedingungen Geröll und Sand abgelagert wurden. Die Sedimentpakete wuchsen auf mehrere hundert Meter Mächtigkeit und verhärteten später durch Verkieselung und Druck zu Sandstein. Freigelegt wurden die Felsen im Quartär vor rund 2 Millionen Jahren durch die Saar, die sich tief in den Untergrund einschnitt und einen Prallhang formte. Die bizarren Felsgebilde sind schließlich durch Verwitterung entstanden. Die weicheren, feinkörnigeren Sandsteine wurden durch Wasser abgetragen, während die härteren, gröberen Schichten als Vorsprünge und Überhänge heute den Weg überwölben.

Den Namen „Buntsandstein“ erhielt die Ablagerungsperiode durch die Farbenvielfalt der entstandenen Gesteine. Die rote Farbe entsteht durch Eisen-Sauerstoff-Verbindungen, die die Sandkörner aus Quarz umhüllen. Saures Wasser löst die Eisenoxide und es entstehen rosa, gelbe und weiße Stellen im Gestein. Das Farbenspiel der Gesteinsschichten, bizarre Felsbildungen, Wasseraustritte sowie eine Vielzahl von Gräsern, Moosen und Farnen verleihen der geologischen Erkundungstour durch den Stiftswald einen besonderen Reiz.


Text:
Tanja Helmes

Foto:
Olaf Kühne

Weiterführende Literatur:
SAARWALD-VEREIN E.V. SAARBRÜCKEN (Hrsg.) (2001): Ausflüge über die Spicherer Höhen. In: Sonderheft aus Anlaß der „Euro-Rando 2001“, Europäischer Sternmarsch über Spichern nach Straßburg, S. 59-65.
UNTERE NATURSCHUTZBEHÖRDE DER LANDESHAUPTSTADT SAARBRÜCKEN: Infotafeln an den Felsenwegen bei St. Arnual.

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