Anker der Identität – Mittelalterliche Burgen


Die Burg Montclair bei Mettlach
Die Burg Kerpen in Illingen
Die Burg Siersberg in Siersburg
Die Teufelsburg in Felsberg
Die Burg Bucherbach in Köllerbach
Die Burgruine Kirkel

 



Die Burg Montclair bei Mettlach

Die exzellente Verteidigungslage der späteren Burg Montclair auf dem Höhenrücken innerhalb der Saarschleife bei Mettlach wurde schon in vorchristlicher Zeit genutzt. Auch die Römer sicherten im 3. und 4. Jahrhundert ihre Herrschaft durch die Errichtung einer Fliehburg, deren Wälle heute noch erhalten sind. Obwohl die Anlage lediglich über einen längeren Fußmarsch erreicht werden kann, ist sie eine touristische Attraktion und lässt aufgrund ihrer beachtenswerten Sanierung und ihrer Größenordnung die Besucher erstaunen.

Montclair Falk 2 kleinMontclair Falk 3 kleinDie erste mittelalterliche Burg, eine Turmhügelburg mit Graben und Wohnturm, wurde vermutlich im 9. Jahrhundert angelegt. Sie trug den Namen „Skiva“ („Fels“ oder „Berg“) und wurde 1016 auf Geheiß des Erzbischofs Poppo von Trier erobert und zerstört. Um 1180 wurde unter Arnulf von Walecourt (ca. 1145–1218) die heute als „Alt-Montclair“ bezeichnete Burg errichtet. Die ursprüngliche Bezeichnung „Munkler“ geht aus einer Quelle des Jahres 1190 hervor, in der Papst Clemens III. dem Erzbischof von Trier seinen rechtmäßigen Besitz überschrieb. Der Name „Montclair“ – in lateinischer Schreibweise „mons clarus“ – bedeutet „heller Berg“.

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde diese zweite Burg zu einer großzügigen Festung ausgebaut, die eine Länge von etwa 900 Meter hatte und durch den natürlichen Schutz der hohen Felskanten und der Saar einen strategisch günstigen Standort einnahm. Einige Überreste dokumentieren, dass es sich bei „Alt-Montclair“ um eine mächtige und imposante Höhenburg gehandelt haben muss. Sie war in Vor- und Hauptburg gegliedert und mit Bergfried, Kapelle, Stallungen und Wohnbauten ausgestattet. Als die Herren von Montclair mit dem Erzbischof Balduin von Trier in Konflikt gerieten, zwang dieser die Burgherren 1351 durch Belagerung zur Kapitulation; die Wehranlage wurde geschleift, aber nicht gänzlich zerstört. Reste von „Alt-Montclair“ sind heute noch ca. 250 Meter westlich der jüngeren Burg erhalten.

Montclair Falk 1 kleinMontclair Falk 4 kleinUm 1433 setzte sich die Geschichte fort: Arnold von Sierck, Herr zu Meinsberg, erhielt die Erlaubnis, wieder eine Burg zu errichten. Er war der Neffe des letzten Montclair-Besitzers und zugleich Bruder des Erzbischofs Jakob (1439–1456). Die Burg, wie sie uns heute in ihren Grundzügen erhalten ist, wird als „Neu-Montclair“ bezeichnet. Sie wurde zwischen ihren Vorgängerbauten „Skiva“ und „Alt-Montclair“ errichtet und schmiegte sich an den Steilhang an. Bereits sechs Jahre später war die trapezförmige Vierflügelanlage mit vier Ecktürmen und zwei Rondellen fertiggestellt. Wenn man die Ausmaße der Anlage berücksichtigt, ist die kurze Bauzeit erstaunlich. „Neu-Montclair“ besaß eine Seitenlänge von etwa 30 Meter und einen 12 Meter breiten Burggraben, der nur über die Zugbrücke überwunden werden konnte. Ihr Baustil lässt den Übergang vom mittelalterlichen, wehrhaften Burgenbau zum neuzeitlichen Schlossbau erkennen, der eher Repräsentationszwecken diente. Die nachfolgend wechselnden Burgherren residierten hier jedoch kaum, sodass die Bausubstanz dem Verfall überlassen war.

Nach einem Aufenthalt des preußischen Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861) im Jahr 1835 wurden umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen eingeleitet. Der Kronprinz war von der romantischen Kulisse der Ruine so fasziniert, dass er den Archäologen und Architekten Karl August von Cohausen (1812–1894) beauftragte, die zerfallene Burg zu restaurieren. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Anlage in den Besitz der Familie von Boch über, die weitere Restaurationen vornehmen ließ.

Nachdem auch der Zweite Weltkrieg seine Spuren hinterlassen hatte, wurde „Neu-Montclair“ 1989 wiederaufgebaut. Der Landkreis Merzig-Wadern erwarb die Burgruine von der Familie von Boch und ließ sie bis 1993 umfassend sanieren. Heute ist sie wieder für die Bevölkerung zugänglich und hat ihren wehrhaften Charakter wiedererlangt. Im Sinne des sanften Tourismus ist sie nur über einen Fußweg erreichbar und bietet den Besuchern dezente Bewirtung und ein kleines Burgmuseum.


Text:
Tanja Kaiser (Überarbeitung: Isabelle Jost)

Fotos:
Jens Falk

Weiterführende Literatur:
CONRAD, Joachim / FLESCH, Stefan (Hrsg.) (1993): Burgen und Schlösser an der Saar. 3. Auflage. Saarbrücken, S. 52-62.
HERRMANN, Hans-Walter (1985): Burgruinen. In: Staerk, Dieter (Hrsg.): Das Saarlandbuch. 4. Auflage, Saarbrücken, S. 106-113.
LANDKREIS MERZIG-WADERN [in Zusammenarbeit mit dem Verein für Heimatkunde im Kreis Merzig-Wadern] (Hrsg.) (1993): Burg Montclair. Führer durch die Burganlage herausgegeben anlässlich der Eröffnung am 16. Juli 1993. Merzig.
SKALECKI, Georg (1996): Burg Montclair bei Mettlach im Saarland. In: Rheinische Heimatpflege, 33. Jg., Heft 2, S. 91-95.

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Die Burg Kerpen in Illingen

Die am Flusslauf der Ill liegende Burganlage – ursprünglich eine Wasserburg – wurde 1359 erstmals urkundlich erwähnt, doch ist davon auszugehen, dass die Burg schon früher bestand. Womöglich wurde die Wasserburg bereits im 12. Jahrhundert von den Grafen von Saarwerden erbaut, zu deren Besitz der Ort Illingen damals gehörte. Durch Heirat kamen die aus der Eifel stammenden Herren von Kerpen zwischen 1324 und 1326 nach Illingen. Während sie sich anfänglich den Besitz noch mit den Herren von Sierck teilen mussten, waren sie ab 1359 die alleinigen Lehnsträger.

Burg Illingen 1 Jost kleinBurg Illingen 2 Jost kleinDer Hauptburg vorgelagert, wurde eine Vorburg errichtet, in deren Bering (Gesamtheit der äußeren Umfassungsmauer) die Außenmauern mehrerer randständiger Gebäude integriert waren. Unter Hans von Kerpen, der von 1557 bis 1616 in der Burg residierte, wurde 1605 im nördlichen Bereich des Berings ein repräsentativer Torbau hinzugefügt. Weitere nennenswerte Gebäude der Vorburg waren die durch Schießscharten verteidigungsfähige Zehntscheune (mittelalterliches Lagerhaus zur Aufbewahrung der Naturalsteuer), die Burgmühle und der westlich des Torbaus gelegene, mit Schießscharten ausgestattete Fünfeckturm, der vielleicht der älteste Teil der Vorburg ist. Vor dem Torbau führte eine Zugbrücke über die Ill, die später durch eine schlichte Steinbrücke ersetzt wurde. In ihrer größten Ausdehnung besaß die Burganlage von der Zehntscheune im Süden bis zum Torbau im Norden eine Länge von etwa 225 Metern.

Burg Illingen 3 Wagner kleinBurg Illingen 4 Wagner kleinIm Dreißigjährigen Krieg erlitt die Burg (wahrscheinlich um 1635) beträchtliche Schäden. Nach zwischenzeitlicher Wiederherstellung folgte im Holländischen Krieg (im Frühjahr 1677) die nächste Zerstörung. Wohl erst zu einem späten Zeitpunkt seiner Herrschaft (1684–1732) ließ Johann Ferdinand von Kerpen wieder umfangreichere Wiederherstellungsarbeiten durchführen. Mit dem Übergreifen der Französischen Revolution endete 1794 die über 450 Jahre lange Herrschaft derer von Kerpen in Illingen. 1830 verkauften die Töchter des letzten Freiherren Franz Georg von Kerpen die Burg und die zugehörigen Ländereien an Leopold Sello, Leiter des Königlich Preußischen Bergamtes in Saarbrücken. Dieser ließ die Burg verfallen. Sie diente fortan nur noch als Steinbruch. Als die Burgruine 1913 in das Eigentum der Gemeinde Illingen kam, wurden schon bald erste Sanierungsarbeiten eingeleitet.

Heute liegen die Relikte der Burganlage großenteils in einem Parkgelände. Von der Hauptburg stehen neben Teilen der Umfassungsmauern noch die Ruinen des Bergfrieds (zur Verteidigung bestimmter Hauptturm einer mittelalterlichen Burg) und der vielfach Burg Illingen 5 Jost kleinrestaurierte Rundturm. Schießscharten im unteren Bereich des Turms verweisen auf die damalige Wehrhaftigkeit der Burg. Über dem Erdgeschoss befindet sich eine spätgotische Kapelle mit Rippengewölbe. Es wird angenommen, dass der 1541–1557 in Illingen herrschende Heinrich von Kerpen mit der repräsentativen Kapelle dem gestiegenen Rang seines Wohnsitzes Ausdruck verleihen wollte. 1973 wurden die Innenräume renoviert und der Turm mit einem Kegeldach geschlossen. Im Zuge dieser Maßnahme wurde im obersten Geschoss ein kleiner Festsaal eingerichtet.

Die Mauer, die einst die Vorburg umgab, ist verschwunden. Geblieben sind von der Vorburg dagegen die mehrfach umgebaute, heute durch die Hauptstraße von den übrigen Burgrelikten getrennte Zehntscheune, der Fünfeckturm und der Torbau. Auf dessen Innenseite findet sich über dem Torbogen das Allianzwappen des Bauherren Hans von Kerpen und seiner dritten Ehefrau Anna von Cronberg mit eingemeißelter Jahreszahl 1605. Der rote Zickzackbalken in der Heraldik der Kerpener Herrschaftshistorie diente später als Vorlage für das Wappen der Gemeinde Illingen, das bis dato bestehen blieb. An die Stelle des ursprünglichen, um 1900 abgerissenen Wohngebäudes, das sich zwischen Torbau und Fünfeckturm spannte, trat 1913 ein neu erbautes Wohnhaus. Dieses ist seit 1998, ebenso wie der Torbau und der Fünfeckturm, Teil eines Hotel- und Restaurantkomplexes mit einem Neubau, der sich im rechten Winkel zu den drei Altbauten erstreckt.


Text:
Isabelle Jost, Juan Manuel Wagner

Fotos:
Isabelle Jost (obere Fotos und unteres Foto), Juan Manuel Wagner (mittlere Fotos)

Weiterführende Literatur:
GEIMER, Carsten (2009): Die Burg der Herren von Kerpen in Illingen. In: Kühn, Hans-Joachim (Hrsg.): Beiträge zum 1. Saarländischen Burgensymposion am 31. März 2007 in Saarbrücken. Saarbrücken, Münster, S. 84-93.
KIRSCH, Robert (2003): Die Burg zu Illingen – Saarwerdischer Amtssitz und Mittelpunkt der Kerpischen Reichsherrschaft. In: Wemmetsweiler Heimatblätter, 24. Jg., S. 77-94. (Hrsg.: Arbeitskreis Heimatkunde der Volkshochschule Wemmetsweiler).

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Die Burg Siersberg in Siersburg

Namensgeber für die mittelalterliche Höhenburg war die etwa 300 m hohe Erhebung des Siersbergs, der sich an der Mündung der Nied in die Saar im Ortsteil Siersburg in der Gemeinde Rehlingen-Siersburg befindet. Heute noch aus dem Tal heraus zu sehen ist der auf dem Burgplateau thronende Bergfried. Zur Sicherung und Überwachung der bereits zur römischen Zeit genutzten Straße Metz – Mainz, der Handelsstraße „Krumme Meil“ (Italien – Straßburg – Niederlande) und des Schiffsverkehrs auf der Saar, besaß die Burg Siersberg, genannt Siersburg, einen hervorragenden Standort. Das befestigte Areal umfasste eine Fläche von 10.000 qm, auf der sich die Siersburg als eine der größten mittelalterlichen Burganlagen unserer Region befand.

Siersburg 1 IsabelleSiersburg 2 Isabelle
Vermutlich wurde die Burg durch den Saargaugrafen Siegebert im 11. Jahrhundert erbaut. In der Forschungsliteratur wird häufig auf die Herleitung und Übertragung des Namens auf Burg und Berg verwiesen. Der Ursprung ist jedoch nicht näher bestimmbar. Die archivalischen Quellen benennen im 12. Jahrhundert weitere Wortvariationen wie „Sigisberg“, „Siersberc“ oder „Sigersperch“, die weitere etymologische Deutungen erlauben. Im Jahr 1136 wurde erstmals ein Walter von Siersberg in den Quellen aufgeführt. Nachdem der Trierer Erzbischof 1175 die Burg eingenommen hatte, verpflichtete er den Herzog von Lothringen, sein Eigentum als Lehen anzunehmen. Der langjährige Zwist zwischen Vasallen und Lehnsherren endete 1334 mit der Akzeptanz der Trierer Lehnshoheit über die Burg durch Herzog Rudolf von Lothringen. Die Herren von Siersberg, die auch die ersten Besitzer der Dillinger Burg waren, waren Aftervasallen (Lehnsherren eines Gegenstandes, der wiederum Objekt eines neuen Lehens geworden ist, indem der Vasall sein Nutzungseigentum einem andern ins Lehen reicht), die in der Hierarchie des Feudalwesens von den Herzögen von Lothringen abhängig waren. Die Herzöge mussten die Lehnshoheit der Trierer Bischöfe tolerieren. Burg Siersberg war lange Zeit ein Zankapfel zwischen den Edelherren von Siersberg und den Erzbischöfen von Trier.

Siersburg 3 IsabelleSiersburg 5 IsabelleAus dem Geschlecht der Herren von Siersberg gingen die Linien der Herren von Kirkel und derer von Beckingen hervor. Die Herren von Kirkel übernahmen in ihrem Wappen den roten Zickzackbalken der Edelherren von Siersberg. Das Geschlecht der Herren von Siersberg setzte sich bis zum Jahr 1558 fort, als die Erbschaftslinie mit dem Tod des Adeligen Ladweins endete. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg mehrfach okkupiert, u.a. von Marschall La Ferté 1634 oder im darauf folgenden Jahr von den Truppen Gallas, womit ein ständiger Besitzerwechsel einherging. Zur Zeit des Holländischen Krieges zerstörten 1677 die Truppen Ludwigs XIV. (1638–1715) größere Bereiche der Burg. Nachfolgend war die Siersburg bis 1751 Sitz von Amtmännern. Die Anlage verlor in diesem Jahr ihre Verwaltungsfunktion. Die Amtmänner wurden nach Busendorf (Bouzonville) versetzt. Fortan litt die Burgbefestigung unter Beschädigungen durch Blitzeinschlag, die Angriffe der Revolutionstruppen im Jahr 1793 und die Nutzung als Steinbruch.

Siersburg 4 IsabelleDer älteste Teil des Burgareals hatte die Ausmaße 120 x 70 m und war von einer Wehrmauer umgeben. Die Befestigung teilte sich im 18. Jahrhundert in mehrere Bereiche auf: Eine im 16. Jahrhundert angrenzende Vorburg war im 17. Jahrhundert bereits nicht mehr vorhanden. Der Eingangsbereich zur Oberburg war durch eine Zugbrücke im Osten und einen nordöstlich anzusetzenden Wehrturm gesichert, der als älteste Bebauung gilt. Vom nördlichen zum östlichen Burgbereich erstreckte sich der herzogliche Komplex, der sich aus dem etwa 14 m hohen Bergfried (14./15. Jahrhundert), der Kapelle, dem Palas (Dienst- und Wohnbauten der Amtmänner) und einigen Wirtschaftsgebäuden zusammensetzte. Auf den Namen der Familie Maurice zurückgreifend, die im 18. Jahrhundert im Besitz der Mittelburg war, wurde der zentrale Trakt Moritzburg genannt. Ebenfalls im 18. Jahrhundert wurde der Name der südwestlich gelegenen Marienburg geprägt, die nach ihrem Bewohner Claude de Saint Marie benannt war. Der Bergfried wurde in den Jahren 1938/39 und 1955/56 saniert. Die sichtbaren Aufmauerungen wurden weitestgehend in den 1960er- und 1970er-Jahren ergänzt. Seit 2001 werden weitere Restaurierungsarbeiten durchgeführt. Alljährlich ist die Siersburg Schauplatz des Historienspektakels der Mittelaltertage mit Markt und Ritterlager, des Festivals „CAJ Burgfest“ und eines dreitägigen Kino-Open-Airs.


Text:
Isabelle Jost

Fotos:
Isabelle Jost

Weiterführende Literatur:
FLESCH, Stefan (1993): Burg Siersberg bei Büren. In: Conrad, Joachim / Flesch, Stefan (Hrsg.): Burgen und Schlösser an der Saar. 3. Auflage. Saarbrücken, S. 219-222.
HOPPSTÄDTER, Kurt / HERRMANN, Hans-Walter (Hrsg.) (1960): Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes. Vom Faustkeil zum Förderturm. Band 1. (= Mitteilungen des Historischen Vereins für die Saargegend e.V., Heft 3). Saarbrücken, S. 192-196.
SANDER, Eckart (1999): Die schönsten Schlösser und Burgen im Saarland. Gudensberg-Gleichen.
SCHREIBER, Rupert (2005): Burg Siersberg. Saarland. (Klappkarte [Fiche] zum internationalen „Tag des offenen Denkmals“ 2005). Datei zum Download (PDF) (zuletzt abgerufen am 13.08.2014)

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Die Teufelsburg in Felsberg

Die hierzulande unter dem Namen „Teufelsburg“ bekannte Burg Felsberg liegt im Ortsteil Felsberg in der Gemeinde Überherrn und breitet sich auf dem Plateau eines in Richtung Saartal ragenden Bergsporns aus. Im Volksmund hat sich die Bezeichnung „Teufelsburg“ etabliert; wie es zu der Bezeichnung kam, ist nicht erwiesen. Ein Deutungsversuch lässt sich auf einen in den Regesten mehrfach bezeugten „Arnold den Teufel“ zurückführen. Eine andere Theorie besagt, dass sich auf dem Burgberg eine mystische Kultstätte, ein Kybele-Heiligtum, befunden habe, das bereits zur römischen Zeit existierte.

Teufelsburg 2 IsabelleTeufelsburg 3 IsabelleBurg Felsberg wurde vermutlich nach dem Ableben des Bischofs und Kurfürsten Balduin von Trier (1303–1354) zwischen 1354 und 1390 errichtet. Sie besaß einen bereits im 11. Jahrhundert entstandenen Vorgängerbau in St. Barbara – die 1179 erstmals urkundlich bezeugte Burg Altenfelsberg, die nach heftigen Zerwürfnissen zwischen Balduin von Trier und Wildgraf Johann von Dhaun 1341 von den Truppen Balduins und Johanns von Lothringen bis auf die Grundmauern zerstört wurde, nachdem sich Johann von Dhaun in der Burg auf dem Hanseberg in St. Barbara verschanzt hatte.

Eine neue Burg konnte nicht an der Stelle der Vorgängerburg erbaut werden, weil das Bistum Trier die Lehenshoheit über das Terrain der Burg Altenfelsberg auf dem Hanseberg in Wallerfangen besaß. Burg Altenfelsberg war Sitz der Ritter von Velsperch. Herzog Johann I. von Lothringen (1346–1390) errichtete daraufhin – nur wenige Kilometer entfernt – eine eine neue Burg in Felsberg. In den Urkunden wurde Burg Felsberg erstmals im Jahr 1370 erwähnt, als Arnold von Felsberg, der Sohn „Arnolds des Teufels“, als Lehnsträger der Burg bezeugt wurde. Anknüpfend an die spätere Entstehung wurde die neue Burg auch „Neuenfelsberg“ genannt. Die Söhne des Lehnsträgers, Gerhard und Richard von Felsberg, erbten Burg Neuenfelsberg und waren die letzten ihres Geschlechts. Nach weiteren Erbfolgen wurde 1518 Philipp Jakob von Helmstadt mit dem Burgstall der Wallerfanger Burg Altenfelsberg sowie der Burg Neuenfelsberg beliehen. Mitte des 16. Jahrhunderts war Burg Felsberg, die in den Akten zu dieser Zeit als Schloss beschrieben wird, im Besitz von Bechthold von Flersheim, der sich als „Herr von Felsberg“ betitelte.

Teufelsburg zusEtwa Mitte des 17. Jahrhunderts war die Burg nicht mehr bewohnt. Eine letzte Erwähnung der Burgbewohner ist auf das Jahr 1627 datiert. Durch Vernachlässigung der Instandhaltungsmaßnahmen und dem damit beginnenden Zerfall wurde dem Niedergang der Weg gebahnt. Es ist jedoch nicht eindeutig bezeugt, ob Truppen des Sonnenkönigs Ludwig XIV. (1638–1715) die Burg schließlich im Holländischen Krieg (1672–1678) zerstörten. Um 1680 dienten die Bruchsteine der zerfallenen Burg zur Bebauung der Vaubanschen Festungsanlagen in Saarlouis.

Die Teufelsburg ist eine Spornburg, benannt nach ihrer Lage auf einem ins Saartal ragenden Bergsporn. Sie diente zur Verteidigung gegen Angreifer und zur Sicherung der Verkehrswege. Die Anlage bestand aus Haupt- und Vorburg. Die Vorburg war zum heutigen Ortsteil Oberfelsberg ausgerichtet, die Hauptburg hingegen wurde auf der Bergnase errichtet. Beide Bereiche waren durch einen tiefen Halsgraben voneinander getrennt. Die Hauptburg setzte sich aus dem mit kleinen Türmen versehenen Palas (Wohntrakt) und dem Bergfried zusammen, die von Stallungen begleitet waren. Die Wehrmauer umgrenzte den Burgbereich unterhalb des Plateaus. Verschiedene Abschnitte der Hauptburg waren in den Fels hinein gebaut. Der Zugangsbereich befand sich an dem mit Zugbrücke und Torbau befestigten Halsgraben. Innerhalb der Vorburg waren Wirtschaftsgebäude und Pferdetränken untergebracht.


Die Relikte der Teufelsburg wurden 1965–1969 freigelegt und in den folgenden Jahren instand gesetzt und restauriert. Im tonnenüberwölbten Keller des Palas, der früher als Vorratskammer diente, ist heute ein Burgmuseum untergebracht, in dem ausgegrabene Fundstücke und den Originalen nachempfundene Waffen ausgestellt sind. Darüber hinaus finden alljährlich Open-Air-Konzerte, die Burgfestspiele und das Fest der Schwertleite statt.


Text:
Isabelle Jost

Fotos:
Isabelle Jost

Weiterführende Literatur:
CONRAD, Joachim (1993): Neuenfelsberg oder „Teufelsburg“. In: Conrad, Joachim / Flesch, Stefan (Hrsg.): Burgen und Schlösser an der Saar. 3. Auflage. Saarbrücken, S. 248-250.
HOPPSTÄDTER, Kurt / HERRMANN, Hans-Walter (Hrsg.) (1960): Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes. Vom Faustkeil zum Förderturm. Band 1. (= Mitteilungen des Historischen Vereins für die Saargegend e.V., Heft 3). Saarbrücken, S. 151-154.
Steckbrief der Teufelsburg

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Die Burg Bucherbach in Köllerbach

Die Burgruine Bucherbach befindet sich im Stadtteil Köllerbach der Stadt Püttlingen. Die Anlage war einst eine Wasserburg zwischen den Ortsteilen Kölln und Engelfangen am Ufer des Köllerbachs. Im Erbvertrag der Grafen von Saarbrücken-Commercy wurde die Burg als „maison dou Valdecologne“ 1326 erstmals erwähnt. Durch Grabungsfunde im Jahr 1983 wurde eine Entstehung der Burg im 11. Jahrhundert in Betracht gezogen. Die wehrhafte Sicherung des Köllertals erfolgte angesichts der bedeutenden Rolle der für Getreideanbau geeigneten Agrarflächen. Das fruchtbare Köllertal, häufig als „Kornkammer“ bezeichnet, gehörte zur Grafschaft Saarbrücken.

Bucherbach zus. IsabelleBurg Bucherbach war Verwaltungszentrum der Hofgüter Köllertal und Heusweiler, zu denen insgesamt 24 Dörfer zählten. Im 14. Jahrhundert war die Burg Quartier der Burgmannen Johann von Hentzenberg und Johann von Forbach, die Graf Johann II. (1325–1381) zwischen 1341 und 1347 in den Dienst nahm. Im 15. Jahrhundert wurden die „Burgmannen“ von „Burggrafen“ abgelöst, deren Platz in den Folgejahren Stellvertreter der Grafen einnahmen.

Die Anlage setzte sich aus Haupt- und Vorburg zusammen. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Vorburg an der Stelle der heutigen nach Püttlingen führenden Köllertalstraße befand. Die erste überlieferte Anlage war eine als Wasserburg angelegte Niederungsburg mit einem Turm, Bering (äußere Umfassungsmauer einer Burg) und Wassergraben. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert wurde die Burg um einen weiteren Turm erweitert, der durch eine Ringmauer mit der bereits vorhandenen Turmburg verbunden wurde.

Umfangreiche Ausbaumaßnahmen wurden unter den Grafen Philipp I. (1368–1429) und Philipp II. von Nassau-Saarbrücken (1418–1492) getätigt. Graf Philipp I. hatte die Burg „Burgelebach“ für seine Gemahlin Elisabeth von Lothringen (um 1395–1456) als Witwenresidenz ausgewählt. Unter dieser baulichen Ausdehnung wurde ein Palas (Wohn- bzw. Saalbau einer mittelalterlichen Burg) errichtet und die Türme gestärkt, in denen die Geschützstände untergebracht waren. Durch die zusätzlichen Türme entstand eine Bebauung auf quadratischem Grundriss mit 40 m Seitenlänge, die auch heute noch zu erkennen ist.

Der Sohn Philipp I., Graf Johann III. (1423–1472), war in Zwistigkeiten mit Herzog Ludwig von Pfalz-Zweibrücken verstrickt. Graf Johann stellte daraufhin die Burg unter die Ägide des Pfalzgrafen Friedrich des Siegreichen (1425–1476). Durch Truppen Ludwig I. von Pfalz-Zweibrücken (Ludwig der Schwarze, 1424–1489) wurden 1471 zahlreiche Köllertaler Dörfer zerstört, die Burg hingegen wurde kaum beschädigt.

Repräsentativen Charakter erfuhr die Anlage 1546 unter Philipp II., der im Saalbau großformatige Fenster einsetzen ließ und auch die Innenausstattung gräflichen Wohnverhältnissen anpasste. In den westlichen Turm wurde der sogenannte „Sommersaal“ mit Galerie integriert. Darüber hinaus wurde die Burg durch eine Wasserzuleitung modernisiert und im Innenhof eine Bepflasterung ausgelegt. Im Dreißigjährigen Krieg wird die Burg 1627 zerstört, 1635 wird sie durch kaiserliche Truppen beschlagnahmt und 1645 brennt sie schließlich aus. Durch Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken (1718–1768) werden die Ruinen 1740 zum Abbruch freigegeben. Die Steine konnten Bewohner der umliegenden Dörfer zum Bau ihrer Häuser verwenden.

Bucherbach 3Bucherbach 21925 ging die Burg mit dazugehörigem Terrain in den Besitz der zu dieser Zeit noch selbstständigen Gemeinde Engelfangen über. 1930 wurden erste Restaurierungs- und Wiederaufbaumaßnahmen durchgeführt. Umfassende Sanierungen folgten in den Jahren 1983/84, die auch die Aufmauerung des Ostturms einbezogen. Die uns erhaltenen Ruinen der Anlage sind im Wesentlichen auf die „Neubauten“ des Jahres 1546 unter Graf Philipp II. zurückzuführen. Zwischen Nord- und Westturm sind heute noch Teile der Wehrmauer vorhanden. Die 1983 freigelegten Fundamente zeigen die unterschiedlichen Bauphasen auf, wodurch das „Alte Haus“ am Ostturm deutlich von den später zu datierenden Ökonomiegebäuden an der Südwestmauer differenziert werden konnte. Während der Instandsetzungen wurde auch ein Ziehbrunnen aus dem Jahr 1631 freigelegt.


Text:
Isabelle Jost

Fotos:
Isabelle Jost

Weiterführende Literatur:
FLESCH, Stefan (1993): Burg Bucherbach bei Engelfangen. In: Conrad, Joachim / Flesch, Stefan (Hrsg.): Burgen und Schlösser an der Saar. 3. Auflage. Saarbrücken, S. 137-140.
HOPPSTÄDTER, Kurt / HERRMANN, Hans-Walter (Hrsg.) (1960): Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes. Vom Faustkeil zum Förderturm. Band 1. (= Mitteilungen des Historischen Vereins für die Saargegend e.V., Heft 3). Saarbrücken, S. 138-143.
SANDER, Eckart (1999): Die schönsten Schlösser und Burgen im Saarland. Gudensberg-Gleichen.
Beitrag der Interessengemeinschaft Burg Bucherbach e.V. zur Geschichte der Burg Bucherbach (zuletzt abgerufen am 13.08.2014).

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Die Burgruine Kirkel

Das Wahrzeichen von Kirkel-Neuhäusel erkennt man von weithin: die Ruine der alten Reichsfeste Kirkel auf einem annähernd runden Hügel des Buntsandsteins, bekrönt durch einen schroffen Zeugenfelsen, der die Oberburg mit den beiden charakteristischen Türmen trägt. Der Burghügel selbst liegt vor einer bewaldeten Hügelkette und eröffnet die Sicht auf eine weite Fläche nach Westen sowie in das nach Blieskastel führende Tal im Südosten. Burg Kirkel befand sich am Rande des Reichsgutkomplexes, der sich beiderseits einer wichtigen West-Ost-Fernhandelsstraße von der mittleren Saar bis in den Pfälzer Wald erstreckte. Die Anlage ermöglichte den Bliesgaugrafen die Sicherung dieser alten, von Zentralfrankreich über Metz und Saarbrücken zum Oberrhein führenden Straße.

Burgruine Kirkel Kuehne kleinBurgruine Kirkel Scheller kleinSpätestens ab dem 11. Jahrhundert bestand auf dem Felsmassiv ein festes Haus, zu dem ein Zisternenschacht gehörte. Nachfolgend wurde die Oberburg mehrmals grundlegend umgebaut und erweitert. Die daran anschließende erste Beringebene mit einem Brunnen war seit dem 14. Jahrhundert mit Burgmannenhäusern bestanden. Sie wurde durch eine Beringmauer mit vorgelagertem Zwinger, zwei Toren und Zugbrücken geschützt. Seit dem späten 14. Jahrhundert gehörte das Reichslehen Kirkel zu Pfalz-Zweibrücken und wurde ab 1410 ein Vorort des pfalz-zweibrückischen Amtes.

Ein umfassender Ausbau der Burg zum wehrhaften und dennoch komfortablen Schloss erfolgte unter Herzog Johann I. von Pfalz-Zweibrücken ab 1569. Zur Angriffsseite hin wurde sie durch eine 6 m mächtige, mehr als 11 m hohe Wehrmauer geschützt. An das Felsmassiv der Oberburg wurde ein fast quadratischer Wohntrakt angeschlossen, welcher repräsentativ genug war, um hohe Gäste des Herzogs zu beherbergen. In seinem Erdgeschoss sicherten zwei Zugbrücken mit tiefem Graben den Zugang zu der Anlage. Eine ausgedehnte Unterburg mit einer Bastion nach Westen erweiterte die Wirtschaftsfläche der Burg.

Burgruine Kirkel Wolf kleinIm Dreißigjährigen Krieg und später in den Reunionskriegen Frankreichs wurde Burg Kirkel schwer beschädigt und brannte schließlich gegen Ende des 17. Jahrhunderts aus. Die Ruine überließ man ab 1740 den Dorfbewohnern als Steinbruch.

Heute liegen die Überreste der Burganlage unter Schutt verborgen. An oberirdisch sichtbaren Bauteilen gab es bis 1993 nur noch die beiden Turmruinen der Oberburg. Seitdem brachten archäologische Ausgrabungen der Anlage wieder Reste der Befestigungsanlagen und Zugbrücken ans Tageslicht, die nun für Besucher zugänglich sind. Der runde Bergfried aus ca. dem 15. Jahrhundert, der 1953 zum Aussichtsturm ausgebaut wurde, und der polygonale Turm aus dem 13. Jahrhundert wurden restauriert.

Der Kirkeler Burgsommer, eine Veranstaltung der Gemeinde Kirkel, lockt seit 1995 jährlich mehr Besucher an, die sich über alte Handwerkstechniken und Ergebnisse der archäologischen Ausgrabung informieren. Das kleine Heimat- und Burgmuseum zeigt archäologische Funde.


Text:
Christel Bernard

Fotos:
Olaf Kühne (oberes Foto links), Martin Scheller (oberes Foto rechts), Thorsten John Wolf (unteres Foto)

Weiterführende Literatur:
BERNARD, Christel (2003): Burg Kirkel – Gemeinde Kirkel, Saarpfalz-Kreis (Saarland). Saarbrücken. (Klappkarte [Fiche] zum internationalen „Tag des offenen Denkmals" 2003). Datei zum Download (PDF)
BERNARD, Christel (2005): Kirkel. Ortsteil Kirkel-Neuhäusel, Gemeinde Kirkel, Saarpfalz-Kreis. In: Pfälzisches Burgenlexikon, Band 3: I – N. Kaiserslautern, S. 143-158. (im Auftrag des Instituts für Pfälzische Geschichte und Volkskunde herausgegeben von Jürgen Keddigkeit, Ulrich Burkhart und Rolf Übel).
FLESCH, Stefan (1993): Burg Kirkel. In: Conrad, Joachim / Flesch, Stefan (Hrsg.): Burgen und Schlösser an der Saar. 3. Auflage, Saarbrücken, S. 346-350.
MIRON, Andrei (Hrsg.) (2000): Weinpokal und Rosenkranz. Archäologisches aus Burgen und Kirchen des Saarlandes. Saarbrücken.
www.zeitensprung.de/kihist.html (Artikel „Zur Geschichte der Burg Kirkel“ von Christel Bernard).

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