Anker der Identität – Schlösser und Herrenhäuser


Das Schloss zu Alt-Saarbrücken
Das Jagdschloss Karlsbrunn
Das Forsthaus Neuhaus (Jagdschloss Philipsborn) bei Riegelsberg
Das Schloss Dagstuhl bei Wadern
Das Schloss Münchweiler bei Nunkirchen
Das Schloss Berg in Nennig
Das Alte Schloss in Dillingen
Das Schloss Ziegelberg in Mettlach
Das „Schloss“ Saareck in Mettlach

 



Saarbrücken – Das Schloss zu Alt-Saarbrücken

Aus der glanzvollsten Epoche der Saarbrücker Stadtgeschichte hat sich, trotz schwerer Zerstörungen und eingreifender Veränderungen, das barocke Baukonzept der von Friedrich Joachim Stengel in den Jahren 1738–1748 für Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken errichteten Schlossanlage erhalten. Die Dreiflügelanlage öffnete sich über den Ehrenhof und den weiten Vorhof zur Stadt hin. Die Stirnseiten der Flügel und die Gelenkstellen mit dem Corps-de-Logis wurden durch vier Eckpavillons akzentuiert, im Zentrum der Anlage erhob sich der deutlich höhere Mittelpavillon des Hauptflügels.

Schloss SB Kuehne kleinSchloss SB Staatskanzlei kleinDas Barockschloss hat Stengel an traditionsreicher Stelle vorangegangener Residenz- und Wehrbauten errichtet: Eine Burg wurde erstmals 999 urkundlich bezeugt, seit dem frühen 12. Jahrhundert war hier der Sitz der Grafen von Saarbrücken. Reste der Anlagen des 13. und 14. Jahrhunderts sind nachgewiesen. Im frühen 17. Jahrhundert existierte eine im Stil der Renaissance errichtete Vierflügelanlage, die vor allem durch die Handzeichnungen von Heinrich Hoer bekannt wurde; den Zeichnungen zufolge passte sich die Schlossanlage topographisch an den Saarfelsen an und war von einem Bering umgeben. Archäologisch dokumentiert sind aus dieser Zeit Spuren der Zerstörung, bedingt durch den Dreißigjährigen Krieg, vor allem aber durch den verheerenden Stadtbrand von 1677. Unter Joseph Charles Motte dit la Bonté wurden im frühen 18. Jahrhundert Reparaturen und Umbauten durchgeführt, bevor nach Abbruch und Einplanierung die barocke Neuanlage durch Stengel erfolgte.

Dominierend im heutigen Bestand sind die nach Brand und Plünderung von 1793 um 1810 ausgeführten, klassizistisch geprägten Umbaumaßnahmen des ehemaligen Barockschlosses zum großbürgerlichen Wohnkomplex durch Johann Adam Knipper (1784–1870). 1872 stellte Hugo Dihm den stark reduzierten Mittelbau in spätklassizistischen Formen wieder her. 1938 erfolgte die Platzneugestaltung für nationalsozialistische Großveranstaltungen. Bedrückendes Zeugnis sind die im Keller erhaltenen Reste von Häftlingszellen der im Schloss eingerichteten Gestapo-Dienststelle.

Schloss SB Fotos 3 4 5 kleinNachdem 1969 der Südflügel wegen Einsturzgefährdung für alle Nutzungen gesperrt werden musste, entbrannte eine heftige, jahrelange Diskussion um eine originalgetreue Wiederherstellung des Schlosses nach den Plänen von Stengel. Anfang des Jahres 1981 setzte sich schließlich der Vorschlag durch, die Seitenflügel in ihrer überkommenen Substanz zu renovieren und den Mittelbau zu erweitern und zu überhöhen.

Die Entscheidung über die Gestalt des umstrittenen Mittelpavillons fiel jedoch erst Mitte 1983: Der in den Folgejahren realisierte endgültige Entwurf von Gottfried Böhm ist eine graue Stahlskelettkonstruktion mit Glasausfachung, die sich über einem Sandsteinsockel erhebt. Durch die Synthese der Materialien und die Einbeziehung des Dihm'schen Mittelbaus wurde ein übergreifendes Gleichgewicht hergestellt, wodurch die Dreiflügelanlage trotz der zeitgemäßen Formensprache des neuen Pavillons wieder zu seiner barocken Eleganz fand. Im Dachgeschoss des Mittelpavillons beeindruckt der glanzvolle Festsaal mit der von Böhm bemalten Decke.

Auf dem Schlossvorplatz führt ein streng ausgerichteter Gehweg direkt auf den Mittelpavillon zu. Ein von Böhm entworfener Brunnen bezeichnet den Ort des ehemaligen Wachhauses. Vor dem Südflügel des Schlosses befindet sich der schmale, langgestreckte Erweiterungspavillon des Historischen Museums, der in den 1980er-Jahren ebenfalls von Gottfried Böhm geschaffen wurde. Das Schloss, das seit 1908 als Verwaltungsgebäude genutzt wird, dient heute als Verwaltungssitz des Regionalverbandes Saarbrücken.


Text:
Tanja Kaiser, Emanuel Roth (Überarbeitung: Isabelle Jost, Juan Manuel Wagner)

Fotos:
Olaf Kühne (oberes Foto links), Staatskanzlei des Saarlandes (oberes Foto rechts), Landeshauptstadt Saarbrücken (untere Abbildungen, Foto links und Foto rechts unten), Axel Böcker (untere Abbildungen, Foto rechts oben) 

Weiterführende Literatur:
MAURER, Alfred (1995): Die Baugeschichte des Saarbrücker Schlosses und deren Erforschung. In: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, 43. Jg., S. 177-217.
OBERHAUSER, Fred (1999): Das Saarland. Kunst, Kultur und Geschichte im Dreiländereck zwischen Blies, Saar und Mosel. Köln. (= DuMont Kunst-Reiseführer).
www.kunstlexikonsaar.de/artikel/-/saarbruecken-schloss (Artikel „Von der Rekonstruktion zur Instandsetzung und Komplettierung des Saarbrücker Schlosses – Dialoge und Innenansichten zu einem zwölfjährigen Planungsprozess").

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Das Jagdschloss Karlsbrunn

Während der Regierungszeit Fürst Ludwigs von Nassau-Saarbrücken (1768–1794) wurde in den Jahren 1783–1786 im gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Großrosseln im Warndt, am Hang des Großen Meisenbergs, das kleine Jagdschloss Karlsbrunn errichtet. Demnach entstand das Jagdschloss zeitgleich mit Schloss Karlsberg, blieb aber – im Gegensatz zur Residenz Karls II. August – von den Gefechten und Plünderungen der französischen Revolutionstruppen verschont. Das ehemalige Jagdschloss, in dem heute die Oberförsterei untergebracht ist, entstand nach den Plänen des Oberbaudirektors Johann Philipp von Welling. Anstelle einer wirkungsvollen Auffahrt wählte der Architekt eine umgrenzende Stützmauer. Die Residenz war als Dreiflügelanlage auf hoher Terrasse mit kleinem Ehrenhof angelegt.

Karlsbrunn 1 IsabelleKarlsbrunn 3 IsabelleIn Bezug auf Disposition und Organisation der baulichen Glieder hat sich bis heute kaum etwas verändert. Der Haupttrakt ist dreigeschossig, auf vier Achsen ausgedehnt und von einem Krüppel-
walmdach bedeckt. Eine zweiläufige altanartige Freitreppe (Altan = balkonartiger Ausbau im Obergeschoss eines Bauwerks) führt zur Terrasse hinauf. Genau mittig vor der Außentreppe steht das sechseckige Schilderhaus, das mit einer geschweiften Haube besetzt ist. Da man derartige Bauattribute in der Regel nur paarweise antrifft, bezeugt die Alleinstellung des Schilderhauses eine eigentümliche Ausnahme.

Karlsbrunn 4 IsabelleWenn die Jagd vorbereitet wurde, erschien der Fürst auf dem Altan, der Posten salutierte vor der Schildwache und im Hofe ertönten daraufhin die Jagdhörner als Zeichen zum Jagdaufbruch. Im umliegenden Waldgebiet konnten Hirsche, Rehe, Wildschweine, Fasane, Feldhühner und sogar Wölfe bejagt werden. Der Hauptkomplex wurde im Jahr 1786 von Balthasar Wilhelm Stengel (1748–1824), dem Sohn Friedrich Joachim Stengels (1694–1787), durch seitliche Flügelbauten erweitert.

Der Eingangsbereich liegt noch immer auf der rechten Achse des Hauptgebäudes und nicht, wie an barocken Herrschaftsbauten zu erwarten, auf der Mittelachse. Das Jagdschloss Karlsbrunn war kein typisch repräsentatives Anwesen. Das gedrängte Zufahrtstor und die schlichte Erscheinung des Außenbaus bestätigen die Verflüchtigung des feudalen Repräsentationsbedürfnisses und des Dekorreichtums im ausgehenden 18. Jahrhundert. Der Architekt des Mitteltraktes, Johann Philipp von Welling, folgte bereits der klassizistischen Strömung.

Im 19. Jahrhundert ging die Jagdresidenz in den Besitz des preußischen Forstfiskus über. Im ehemaligen Jagdschloss ist neben den Diensträumen des Forstamtes derweil auch das Schlosscafé „Karlsbrunn“ untergebracht. Nach Einzug der Oberförsterei in das Schloss entwickelten sich im Laufe der Jahre auf dem rückwärtigen Schlossareal Forstgärten, die 2008 im Zusammenhang mit dem überregionalen Projekt „Gärten ohne Grenzen“ neu gestaltet wurden.


Text:
Isabelle Jost

Fotos:
Isabelle Jost

Weiterführende Literatur:
KOLLING, Alfons (1967): Das Jagdschloss Karlsbrunn. In: Karlsbrunn/Warndt 1717–1967. Ursprung und Entwicklung. Heimatgeschichtliche Festschrift anlässlich der 250-Jahrfeier vom 24. bis 27. Juni 1967. (Hrsg.: Gemeinde Karlsbrunn). Karlsbrunn.
MARSCHALL; Hans-Günther (1993):Jagdschloß Karlsbrunn. In: Conrad, Joachim / Flesch, Stefan (Hrsg.): Burgen und Schlösser an der Saar. 3. Auflage, Saarbrücken, S. 130-132.
SANDER, Eckart (1999): Die schönsten Schlösser und Burgen im Saarland. Gudensberg-Gleichen.

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Das Forsthaus Neuhaus (Jagdschloss Philipsborn) bei Riegelsberg

Das heutige Forsthaus Neuhaus, zwischen Riegelsberg und Herrensohr gelegen, war einst das im Renaissancestil erbaute Jagdschloss Philipsborn. Es war benannt nach Graf Philipp III. von Nassau-Saarbrücken (1542–1602), der auf dem Terrain des Jagdhauses Wanborn, einem Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert, im Jahre 1575 ein neues Jagdschloss errichten ließ. Den Bauauftrag erhielt der kurpfälzische Architekt Christian Strohmeyer. Die Bezeichnung „Neuhaus“, wohl als Unterscheidung zum alten Jagdhaus Wanborn, kursierte von diesem Zeitpunkt an im Volksmund. Das neue Schloss Philipsborn war ausschließlich für Jagden konzipiert. Die Anlage bot viel Platz für Stallungen, Festsäle, Appartements und eine Hofkapelle. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Residenz schwer beschädigt.

Neuhaus 3 IsabelleNeuhaus 2 IsabelleEin Kupferstich von Matthäus Merian aus dem Jahr 1645 zeigt das Renaissanceschloss als Vierflügelanlage auf quadratischem Grundriss mit umliegendem Wassergraben. Dem Merianstich ist zu entnehmen, dass Zugangsbrücke und Torturm auf der Südseite lagen. An den vier Eckseiten des Hofes verbanden pavillonartige Türme das Corps de logis (Mittelbau einer barocken Schlossanlage), die Seitenflügel und die Verbindungsgalerie miteinander. Die welschen Hauben der Eckpavillons ragten über die Firstlinie hinaus. An den Außenkanten der Türme waren kleine, vorkragende Runderker angebracht, die von Konsolen (aus der Mauer hervortretende Tragsteine) gestützt wurden. Derartige Erker, anstelle der Konsolen auf korinthischen Säulen ruhend, waren auch in die Scheitelpunkte des Innenhofes eingebettet und mit Schweifhauben geschmückt.

Bis zur Regentschaft Fürst Ludwigs (1768–1794) war das Jagddomizil in ansehnlichem Zustand. Nachdem der Fürst von Nassau-Saarbrücken 1793 vor den französischen Revolutionstruppen geflohen war, plünderten diese das Schloss und brannten es nieder. Im Jahr 1854 ging das große Landgut als Ruine in den Besitz der Forstverwaltung über. Noch im gleichen Jahr wurde das Forsthaus auf der ruinenhaften Basis, einschließlich des alten Gewölbekellers, erneuert. Die bewahrte Bausubstanz wurde durch wenige neue Elemente komplettiert.

Neuhaus 2 DelfNeuhaus 1 Isabelle„Forsthaus Neuhaus“ zählt heute zu einem Naturschutzprojekt, dessen Initiatoren der SaarForst Landesbetrieb, der NABU Saarland e.V. und das saarländische Ministerium für Umwelt waren. Das Wirtschaftsgebäude des Forsthauses hatte bereits der Architekt Peter Alt zur „Scheune Neuhaus – Zentrum für Waldkultur“ umgebaut, der für dieses Projekt im Jahr 1998 den saarländischen Denkmalpflegepreis erhielt. Seit 2004 befindet sich im westlichen Seitenflügel des Ensembles auch das Restaurant „Forsthaus Neuhaus“, für dessen raffinierte Neugestaltung Peter Alt mit dem BDA-Preis ausgezeichnet wurde.


Text:

Isabelle Jost

Fotos:
Delf Slotta (unteres Foto links), Isabelle Jost (übrige Fotos)

Weiterführende Literatur:
DITTMANN, Marlen (2004): Das renovierte Forsthaus Neuhaus. Glaskubus und Gewölbekeller. In: Saarbrücker Zeitung, Ausgabe Stadtverband, Jg. 2004, Nr. 209 vom 08.09.2004, S. B2.
HILD, Hermann (1966): Dörfer, Städte, Schlösser an der Saar. Alte Karten und Ansichten. Saarbrücken.
SANDER, Eckart (1999): Die schönsten Schlösser und Burgen im Saarland. Gudensberg-Gleichen.

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Das Schloss Dagstuhl bei Wadern

Die Herrschaft Dagstuhl, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts noch zum gemeinsamen Erbvermögen von vier Familien gehörte und unter kurfürstlich-trierischer Oberhoheit stand, wurde in der Folgezeit in mehreren Schritten von der Familie von Sötern erworben. Rund zehn Jahre nach seiner 1623 erfolgten Wahl zum Erzbischof und Kurfürsten von Trier gab Philipp Christoph von Sötern als Lehnsherr seine Zustimmung, aus der Herrschaft Dagstuhl ein Familienfideikommiss (unveräußerliches und unteilbares, einer bestimmten Erbfolge unterliegendes Vermögen einer Familie) zu bilden. Durch Heirat und Erbgang fiel das Territorium Ende des 17. Jahrhunderts an die Grafen von Oettingen-Baldern.

Schloss Dagstuhl 1 und 2 Jost kleinJoseph Anton Graf von Oettingen-Baldern (1721–1778), Herr zu Sötern, der im Jahr 1751 sein Dagstuhler Erbe angetreten hatte, gab die schwäbische Herrschaft Hohenbaldern auf und überführte die Hofhaltung 1763 endgültig nach Dagstuhl. Zunächst erweiterte er 1758 das alte Verwaltungsgebäude in Wadern (heute Teil des Rathauses) und ließ 1759 das Oettinger Schlösschen (heute Stadtmuseum Wadern) als Lustschloss für seine Gattin, Prinzessin Christiane von Schwarzburg-Sondershausen, erbauen. Schloss Dagstuhl, am Fuße der seit den 1720er-Jahren zusehends zerstörten Burg gelegen, wurde um 1760 im Stil der Spätrenaissance errichtet. 1763 wurde der neue Familiensitz um eine barocke Hofkapelle erweitert.

Die Residenz in Wadern-Dagstuhl war zu dieser Zeit höfisches und kulturelles Zentrum der Region. Die älteste erhaltene Darstellung aus dem Jahre 1774 zeigt das Schloss mit einer imposanten Allee und einem großen Garten. Auf dem Schlossareal befand sich zudem die erste Brauerei der Herrschaft Dagstuhl, deren Braukeller noch in Resten erhalten ist. Umfangreiche Wirtschaftsgebäude ergänzten das Ensemble, das sich winkelförmig um einen Innenhof legt.

Im Jahr 1792 flüchtete die gräfliche Familie vor den Revolutionstruppen, woraufhin das Schloss nach Okkupation des Landes in die Hände des französischen Staates fiel. Im Jahr 1806 bezog Baron Wilhelm de Lasalle von Louisenthal mit seiner Familie das marode Anwesen. Die Kapelle, die angesichts der Wandausgestaltung im 19. Jahrhundert durch die „Malergräfin“ Octavie de Lasalle von Louisenthal (1811–1890) besonders eindrucksvoll ist, kann als herausragender Ort des Ensembles hervorgehoben werden. Die Wände der Kapelle sind mit Darstellungen aus dem Leben Mariens im Stil biblischer Historienmalerei geschmückt.

Schloss Dagstuhl 3 Jost kleinSchloss Dagstuhl 4 Jost kleinIn den Jahren 1905/06 erweiterten die Lasalle-Erben das Schloss. Ein Teil des Gebäudes wurde im neogotischen Stil umgebaut. Das Haupthaus und die Schlosskapelle sind seither durch einen historisierenden Zwischenbau mit Turmsegment verbunden. Ein halbes Jahrhundert später übernahmen die Franziskusschwestern den Komplex, die dort 1961 ein Altenheim einrichteten, welches später von den Franziskanerinnen von Waldbreitbach übernommen wurde. Im Jahr 1989 erwarb die saarländische Regierung das Schloss, die dort, in Kooperation mit dem Land Rheinland-Pfalz, das „Internationale Begegnungs- und Forschungszentrum für Informatik“ (seit 2008 „Leibniz-Zentrum für Informatik“) einrichtete. Im Rahmen des Projekts „Gärten ohne Grenzen“ wurde der gegenüber dem Schloss gelegene Barockgarten im Jahr 2001 – nach Gemälden aus dem Œuvre der Octavie de Lasalle – neu gestaltet.


Text:
Isabelle Jost

Fotos:
Isabelle Jost

Weiterführende Literatur:
EBERT, Friedrich (1990): Dagstuhler Geschichtsbilder – 700 Jahre Dagstuhl, 225 Jahre Marktrechte in Wadern, 100 Jahre Malergräfin Oktavie (1811–1890). (Hrsg.: Verein für Heimatkunde Wadern e.V.). Wadern.
EBERT, Friedrich (2006): Neues von der Burg Dagstuhl. In: Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde Wadern, Heft 13, S. 13-18.

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Das Schloss Münchweiler bei Nunkirchen

Zwischen Wadern-Nunkirchen und dem Losheimer Ortsteil Niederlosheim liegt Schloss Münchweiler. In seiner heutigen Gestalt wurde das Schloss und Hofgut auf dem Terrain des ehemaligen „Münchweiler Hofes“ (17. Jahrhundert) ab 1749 errichtet. Bis heute ist die Frage nach dem Architekten nicht gänzlich geklärt. Die Beteiligung des Bauherrn Georg Zandt von Merl an der Planung der Anlage muss dennoch beachtlich gewesen sein.

Schloss Muenchweiler 1 Jost kleinVon einer Kastanienallee kommend, gelangt man durch das Tor des rechteckig angelegten Wirtschaftshofes zum Haupttrakt. Das ehemalige Reichsrittergut bestand neben dem Schloss und Hofgut aus Kapelle, Ziergarten, Pferdeschwemmen, dem großen Wirtschaftshof, Scheunen und Ställen. Es handelt sich bei dem Hauptgebäude des Schlosses um einen breit angelegten Bau mit einem neunachsigen Corps-de-Logis (Mittelbau einer barocken Schlossanlage), dem sich seitlich zwei um 1765 errichtete Flügelbauten anschließen. Die Seitenflügel besitzen einen Attikaaufsatz und Schweifgiebel mit Vasenbekrönung. Der Haupttrakt wird durch leicht hervortretende Pavillons mit Eckquaderung rhythmisiert und ist mit einem Mansardenwalmdach besetzt. Die Mittelachse des Corps-de-Logis wird durch das barocke Portal hervorgehoben. Eine zweiläufige Freitreppe führt zur Portalarchitektur, die die Allianzwappen der Familien Zandt von Merl und Eltz-Rübenbach einschließt. Vergleichbares Formenrepertoire findet sich an der Abtei in Mettlach und dem Rathaus in Merzig (ehemaliges Sötern´sche Jagdschloss), was häufig zu dem Rückschluss verleitete, dass Christian Kretschmar, der Erbauer der barocken Abtei Mettlach, auch an den Entwürfen für Schloss Münchweiler beteiligt war. Der Mangel an urkundlichen Belegen lässt die Frage der Zuschreibung allerdings offen.

Schloss Muenchweiler 2 Jost kleinSchloss Muenchweiler 3 Jost kleinIm 19. Jahrhundert erweiterte man Schloss Münchweiler am rechten Seitenflügel (von der Hofseite aus betrachtet links) um einen zweiachsigen Anbau, während dem linken Flügel eine Kapelle angefügt wurde. In die Planung der Kapelle konnte das Portal der Nepomukkapelle des ehemaligen Eisenwerkes Münchweiler miteinbezogen werden.

Im Jahr 1997 begannen die Eigentümer, Familie von Hagke, mit Unterstützung von Land, Bund und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit der Grundsanierung und Teilrekonstruktion der stark beeinträchtigten Gebäude. Derzeit wird das ehemalige Landschloss als Café und Hotel genutzt. Schloss Münchweiler ist das einzig erhaltene Bauwerk dieser Art im gesamten Saarland und verfügt noch über einen nennenswerten Teil der ursprünglichen Innenausstattung wie Tapisserien, Möbel und Gemälde.


Text:
Isabelle Jost

Fotos:
Isabelle Jost

Weiterführende Literatur:
CONRATH, Karl (1980): Natur- und Kunstdenkmäler im Saarland. Saarbrücken.
GÖTZ, Wolfgang (1985): Schloss Münchweiler. Saarländische Baudenkmäler III. (Hrsg.: Vereinigung Ludwigskirche zum Schutze saarländischer Kulturdenkmäler e.V.). Saarbrücken.

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Das Schloss Berg in Nennig

Das Schloss Berg in Perl-Nennig ist eine mittelalterliche Burganlage, die im Jahr 1180 erstmals urkundlich durch den Trierer Erzbischof Arnold Erwähnung findet. Die Anlage bestand aus Ober- und Unterburg und wird aufgrund ihres exponierten Standortes mit umliegendem Gewässer als Wasserburg klassifiziert. Hinter dem Wassergraben umschloss eine Ringmauer das Burgareal. Teile dieses Gemäuers sind noch heute erhalten. Die Unterburg war ebenfalls als Wasserburg angelegt und wurde erst ab dem Jahr 1709 erbaut, worauf ein Schriftzug mit Jahreszahl in der Portalzone hinweist. Es handelt sich bei der Unterburg um ein schlichtes, dreigeschossiges Herrschaftshaus mit schlossartigem Charakter.

Schloss Nennig 5 IsabelleDie östlich der Niederburg gelegene ältere Oberburg war im Dreieck angelegt. Gegenüber dem nördlichen Hoftor befand sich einst ein großer Renaissancegarten. Heute ist der neu angelegte Garten einer der insgesamt 23 Gärten (Stand: März 2015), die im Rahmen des grenzüberschreitenden Projekts „Gärten ohne Grenzen“ im Dreiländereck SaarLorLux gestaltet wurden. Die Anordnung folgt einer strengen geometrischen Struktur. Vorbild für diese Knotenparterres waren typische Renaissance-Stickereien, bei dem sich aus Pflanzen (vornehmlich Kräutern) gebildete Bänder überschneiden.

Der viergeschossige Hauptbau der Oberburg besitzt ein fünfgeschossiges Turmhaus auf quadratischem Grundriss, das wahrscheinlich als Wehrturm diente. Die Burg in der heutigen Gestalt ist vermutlich im 14. Jh. erbaut worden. Schloss Berg litt seit seiner Erbauung unter Veränderungen der Bausubstanz. Eine historisch genaue Zu- und Einordnung wird durch vielfachen Besitzwechsel im Laufe der Jahrhunderte zusätzlich erschwert. Der Ausbau sowie die Umgestaltung zum Schloss fanden erst Ende des 16. Jahrhunderts statt. Diese Umstände begründen wiederum die Einheitlichkeit der Fenster und Gesimse von Wohntrakt und Turmhaus. Im Jahr 1598 erwarb Claudius I. von Musiel von Bissingen die Burg. Der Dekor an den Portalen verrät die Einflüsse der Renaissance durch seine Formenvielfalt, die man am übrigen Bau nicht in diesem Maße vorfindet. Der Innenhof schließt ein dreischaliges Brunnenbecken ein, das um 1880 angelegt wurde.

Schloss Nennig 4Schloss Nennig 2 IsabelleDie Auswirkungen der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg waren gravierend, das Anwesen wurde schwer beschädigt. In den Jahren 1956/57 fand der Wiederaufbau statt, danach war bis 1984 in den Räumen der Burg ein Schullandheim untergebracht. Heute ist Schloss Berg im Besitz der Saarland-Sporttoto GmbH und wurde 1987–1990 zu einer Spielbank mit angeschlossenem Hotel umgebaut. Seit dem 1. Oktober 1990 beherbergt Schloss Berg ein Luxushotel, ein Gourmetrestaurant und ein modernes Spielcasino.


Text:
Isabelle Jost

Fotos:
Klaus Spaniol

Weiterführende Literatur:
BACH, Waldemar (1992): Ortschronik Nennig. Perl-Nennig.
CONRAD, Joachim (1993):.Schloß Berg (Ober- und Unterburg). In: Conrad, Joachim / Flesch, Stefan (Hrsg.): Burgen und Schlösser an der Saar. 3. Auflage, Saarbrücken, S. 72-75.
DEHIO, Georg (1984): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler – Rheinland-Pfalz und Saarland. 2. Auflage, München. (bearbeitet von Hans Caspary, Wolfgang Götz und Ekkart Klinge, überarbeitet und erweitert von Hans Caspary, Peter Karn und Martin Klewitz).
KRAEMER, Elmar (1989): Schloß Berg als Ensemble. Eine historische Kurzbeschreibung in Wort und Bild, zusammengestellt von einem Architekten. Saarbrücken.

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Das Alte Schloss in Dillingen

Mitte des 14. Jahrhunderts wurde erstmals eine Anlage urkundlich bezeugt, die sich an der Stelle des heutigen Dillinger Schlosses befand. Die frühesten Eigentümer waren die Herren von Siersberg, die sich seit dem 14. Jahrhundert auch Herren von Dillingen nannten (auf dem Siersberg thront heute noch weit sichtbar die Ruine der Siersburg). Bei der ersten Anlage handelte es sich vermutlich um eine Wasserburg. Bis ins Jahr 1555 war die Burg Herrschaftsbereich der Herren von Dillingen-Siersberg, deren Erbe an die Herren von Braubach fiel.

Schloss Dillingen 1 Jost kleinZu Beginn des 17. Jahrhunderts entstand nach Teilabrissen der Burg ein aufwendiges Renaissanceschloss unter Wilhelm Marzloff von Braubach. Im Dreißigjährigen Krieg besetzten die kaiserlichen Truppen des Grafen von Gallas das Schloss; Plünderung und Zerstörung waren die Folge. Der Holländische Krieg hinterließ ebenfalls deutliche Spuren der Verwüstung. Aus einer Zeichnung des Jahres 1765 geht hervor, dass es sich bei der Renaissanceanlage womöglich um eine Vierflügelanlage mit quadratischem Innenhof und Ecktürmen handelte. Im Jahr 1685 gründete der damalige Schlossherr Charles Henri Gaspard de Lenoncourt mit der Konzession des Sonnenkönigs Ludwig XIV. die Dillinger Eisenhütte.

Die Herrschaft sowie das Schloss Dillingen gingen 1789 in den Besitz Ludwigs von Nassau-Saarbrücken über. Er erwarb die Herrschaft für seine zweite Gattin Katharina Kest – letzte Fürstin von Saarbrücken und Herzogin von Dillingen. Noch im gleichen Jahr wurde der fürstliche Baumeister Balthasar Wilhelm Stengel beauftragt, das Renaissanceschloss umzubauen. Balthasar Wilhelm Stengel war Sohn des nassauischen Generalbaudirektors Friedrich Joachim Stengel. In den barocken Bau wurden Partien des Renaissanceschlosses einbezogen.

Schloss Dillingen 2 Jost kleinSchloss Dillingen 3 Jost kleinSchloss Dillingen 4 Jost kleinStengel konnte, gebunden an die frühere Wasserburg, den Eingang nicht symmetrieorientiert in die Hauptachse legen, gestaltete aber die Eingangsseite getreu der barocken Ordnung mit Hauptportal in der Mitte und seitlich anschließenden Risaliten (in ganzer Höhe einer Gebäudefassade vorspringender Teil). Als einen der Risalite nutzte er dabei den Nordwestturm des Renaissanceschlosses. Obwohl das Schloss im barocken Schema, also als Dreiflügelanlage mit Cour d’honneur (Ehrenhof) gestaltet wurde, bemerkt man die klassizistische Strömung, welche sich durch Verzicht auf prunkvollen Dekor und die bedachte Schlichtheit in der Fassadengliederung offenbart. Die gequaderten Ecklisenen (senkrechter flacher Mauerstreifen ohne Basis und Kapitell), die Stichbogenfenster und das in Geschosse unterteilende Gurtband zeigen die Strenge, die diesem spätbarocken Bau bereits anhaftet. Im Nordosten lag – dem Ehrenhof vorgelagert – der Schlossgarten, eine in geometrischen Formen strukturierte Gartenanlage. Als Kontrast hierzu wurde das umliegende Gelände im Stil des Englischen Landschaftsgartens gestaltet.

1808 wurde das Schloss von der Dillinger Hütte erworben, die in den Räumen des Gebäudes Wohnungen einrichten ließ. Im Zweiten Weltkrieg brannte die Anlage fast völlig aus, allein die Vorburg mit Torbau trotzte den Zerstörungen. 1944 wurde die Anlage zum erhaltenswerten Kulturgut erklärt und im Zuge dieser Bestimmung konnte der Nordwestflügel in den 1950er-Jahren in barocker Manier wieder aufgebaut werden. Archäologische Ausgrabungen zwischen 1953 und 1960 erbrachten fundamentale Erkenntnisse über die mittelalterliche Burg. Heute wird das Schloss regelmäßig für Veranstaltungen und Wechselausstellungen genutzt.


Text:
Isabelle Jost

Fotos:
Isabelle Jost

Weiterführende Literatur:
KLEWITZ, Martin (1974): Burg und Schloss Dillingen/Saar. Geschichte, Wiederaufbau und Ausgrabungen. Das Schloß heute. In: Us Hütt – Menschen und Stahl der Dillinger Hütte, Jg. 1974, S. 33-48. Dillingen. (Werkzeitschrift der Dillinger Hüttenwerke).
SANDER, Eckart (1999): Die schönsten Burgen und Schlösser im Saarland. Hamburg.
SCHMIDT, Gertrud (1990): Burg und Schloss Dillingen. Von der lothringischen Herrschaft zum französischen Herzogtum. (Hrsg.: Stadt Dillingen/Saar). Dillingen.

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Das „Schloss“ Ziegelberg in Mettlach

Schloss Ziegelberg, das kunsthistorisch der französischen Neorenaissance zugeordnet werden kann, liegt an einem bewaldeten Hang des Saarufers im Ortsteil Keuchingen in der Gemeinde Mettlach. Das Landhaus wurde von Edmund von Boch (1845–1931), einem Sohn Eugen von Bochs, in Auftrag gegeben. Die Familien Villeroy & Boch, die Mettlach zu überregionalem Bekanntheitsgrad verhalfen, waren bereits im frühen 19. Jahrhundert im Mettlacher Raum ansässig. Edmund von Boch wurde 1868 Direktor der Steingutfabrik in Mettlach und plante 1877 die Errichtung eines repräsentativen Anwesens an diesem Standort.

Ziegelberg 1 IsabelleNach Begutachtung des zweiten Entwurfes für das Anwesen begannen 1878 die Baumaßnahmen für Schloss Ziegelberg. Die Baupläne sind in den Archivalien nicht vollständig erhalten. Aus den vervielfältigten Entwürfen kann angesichts lückenhafter Angaben und unzulänglicher Quellenlage lediglich auf französische Provenienz geschlossen werden, jedoch nicht auf einen Architekten. Weil das Landhaus für die vier Kinder, die aus der Ehe Edmund von Bochs und seiner Frau Elisabeth Pescatore hervorgingen, nicht mehr ausreichend Platz bot, zog der erfolgreiche Unternehmer und zugleich Bürgermeister von Mettlach 1888 einen Erweiterungsbau in Erwägung. Nachdem bauliche Ergänzungen vorgenommen worden waren, blieb die Bausubstanz bis auf einen 1907 angeschlossenen einachsigen Annex in dieser Erscheinungsform erhalten.

Um an das Schloss zu gelangen, muss man den Park durchqueren, wobei zunächst das ehemalige Forsthaus Ziegelberg sowie der Remisen- und Wirtschaftstrakt zu passieren sind. Schloss Ziegelberg zeigt sich für die Jahrhundertwende in typisch historistischer Fasson mit roten Sandsteinquadern. Das Landhaus ist zweigeschossig angelegt und besitzt einen dreigeschossigen quadratischen Treppenturm mit hohem Dach an der östlichen Schmalseite. Der Haupteingang des dreiachsigen Kernbaus liegt im Norden, hieran angeschlossen ist eine vierte Fensterachse mit Altan (balkonartiger Ausbau im Obergeschoss eines Bauwerks) und hohem trapezförmigem Giebel, der 1907 hinzukam und in der Komposition an norddeutsche Bauplastik erinnert.

Ziegelberg 2 IsabelleZiegelberg 3 IsabelleDas Interieur des Schlosses ist nicht vollständig erhalten. Nach dem Ableben des Bauherrn Edmund von Boch im Jahr 1931 ging das Anwesen acht Jahre später in den Besitz der Gemeinde Mettlach über. In den 1970er-Jahren wurde es umfangreich restauriert, sodass 1979 ein Keramik-Museum, das über die Unternehmensgeschichte des Konzerns Villeroy & Boch informiert, eröffnet werden konnte.


Text:
Isabelle Jost

Fotos:
Isabelle Jost

Weiterführende Literatur:
Conrad, Joachim / Flesch, Stefan (Hrsg.): Burgen und Schlösser an der Saar. 3. Auflage, Saarbrücken.
SANDER, Eckart (1999): Die schönsten Schlösser und Burgen im Saarland. Hamburg.
SKALECKI, Georg (1988): Schloß Ziegelberg in Mettlach. Neuss. (= Rheinische Kunststätten, Heft 334).

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Das „Schloss“ Saareck in Mettlach

„Schloss“ Saareck im Ortsteil Keuchingen der Gemeinde Mettlach liegt gegenüber der ehemaligen Benediktinerabtei und wurde nach dem weitläufigen Park „Saareck“ benannt, der sich am linken Saarufer entlang eines Flussbogens erstreckt.

Saareck 1 Slotta kleinSaareck 2 Slotta kleinLuitwin von Boch-Galhau (1874–1932), der 1917 Direktor des Familienunternehmens Villeroy & Boch wurde, entschloss sich nach seiner Eheschließung mit Baronesse Adeline von Liebieg zum Bau eines standesgemäßen Familiendomizils. Das zugehörige Areal hatte Luitwins Großvater Eugen von Boch (1809–1898) ab 1851 nach Entwürfen des Münchner Gartenarchitekten Ludwig Karl Seitz als Landschaftspark gestalten lassen. 1854 wurde auf dem Parkgelände ein reich dekorierter Gestütsbau errichtet. Es war das erste Privatgestüt in der preußischen Rheinprovinz.

Das „Schloss“ entstand in den Jahren 1902/03. Der von dem Architekten und Dombaumeister Ludwig Arntz (1855–1941) ausgeführte Bau lässt deutliche Bezüge zur Niederburg („Schloss Liebieg“) in Gondorf an der Mosel, dem elterlichen Wohnsitz der Baronesse, erkennen. Als Baumaterial wurde Buntsandstein aus dem nahe gelegenen, in Familienbesitz befindlichen Steinbruch St. Gangolf bezogen.

In der äußeren Erscheinungsform wird das burgartige Gepräge des Anwesens durch eine asymmetrische und scheinbar ineinander greifende Anordnung der Bauglieder mit Annexen (an ein Hauptgebäude anliegende niedrigere Bauteile) ersichtlich. Zusätzlich wird das Burghafte durch die vertikale Staffelung, die raue Beschaffenheit des Baumaterials (bossierte Quader) und, vor allem in der Südostansicht, den kolossalen Turm mit seinem wehrhaften Charakter unterstützt. Dem fünfgeschossigen Hauptbau ist eine großzügige Terrasse mit Freitreppe vorgelagert.

Saareck 3 Slotta kleinSaareck 4 Slotta kleinDie Flügelbauten mit neobarocken Formen, wie Segmentbogenfenstern oder geschweiften Walmdächern, entstanden erst zehn Jahre später nach Plänen des Berliner Architekten Eugen Schmohl (1880–1926). Da eine direkt ersichtliche Divergenz zu den Erstbauten ausgeschlossen werden sollte, glich Schmohl die Erweiterungen in Material und Baugestalt an die vorhandene Bausubstanz an. Dabei ging es aber offensichtlich weniger um die Entlehnung des Formvokabulars des Vorgängerarchitekten Ludwig Arntz, als vielmehr darum, den historistischen Stilpluralismus in Einklang zu bringen.

Der herrschaftliche Wohnsitz war bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges von der Familie von Boch-Galhau bewohnt. Während der Kriegsjahre diente es als Lazarett, später wurde das Anwesen von der französischen Besatzungsmacht als Verwaltungsgebäude genutzt. Seit 1954 ist in „Schloss“ Saareck ein Gästehaus des Unternehmens Villeroy & Boch untergebracht.


Text:
Isabelle Jost

Fotos:
Delf Slotta

Weiterführende Literatur:
CONRAD, Joachim (1993): Schloß Saareck. In: Conrad, Joachim / Flesch, Stefan (Hrsg.): Burgen und Schlösser an der Saar. 3. Auflage, Saarbrücken, S. 51-52.
MARSCHALL, Kristine (2003): Haus Saareck. Saarbrücken. (Klappkarte [Fiche] zum internationalen „Tag des offenen Denkmals“ 2003). Datei zum Download (PDF)
SANDER, Eckart (1999): Die schönsten Schlösser und Burgen im Saarland. Hamburg.

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